Fussball
Der Cup-Wettbewerb als Wohltat für die Seele der Solothurner Fussballer – eine Sorge gibts aber

Der Solothurner Cup-Finaltag an Auffahrt fällt nach 2020 auch dieses Jahr aus. Trotzdem soll es in dieser Saison einen Cupsieger geben, was die meisten beteiligten Klubs begrüssen. Einzig die zu kurze Vorbereitungszeit bereitet den Trainern Sorgen.

Raphael Wermelinger
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Der FC Bellach feiert 2017 den ersten von zwei Cupsiegen in Serie. Ob es in dieser Saison ähnliche Jubelbilder geben wird?

Der FC Bellach feiert 2017 den ersten von zwei Cupsiegen in Serie. Ob es in dieser Saison ähnliche Jubelbilder geben wird?

Remo Fröhlicher

«Wir wären sehr motiviert, falls der Cup weitergeht», sagt Iliria-Trainer Vilson Dedaj. «Wir werden ab der kommenden Woche wieder zweimal trainieren. Mit der Hoffnung, den Viertelfinal spielen zu können.» Dedaj hält es für richtig, dass der Verband versucht, den Solothurner Cup zu Ende zu spielen: «Die Profis und Frauen spielen Fussball, die Junioren auch wieder. Warum sollten wir den Cup nicht spielen? Für die Seele wäre es wohltuend. Und ich denke, die Ansteckungsgefahr ist sehr gering beim Sport im Freien.»

Der FC Iliria ist immer noch der amtierende Cupsieger. Am 30. Mai 2019 feiern die Stadt-Solothurner im Final in Zuchwil gegen den FC Grenchen den Gewinn des Pokals. Die Dedaj-Elf besiegt den späteren Aufsteiger 3:1. Alle Tore fallen vor der Pause. Avdi Halimi (9.) und Alban Jahiu (24.) stellen die Weichen früh auf Sieg für Iliria. Nach einer halben Stunde sorgt Samuel Zayas für den Anschluss der Grenchner, doch keine fünf Minuten später trifft Mattia Sasso zum 3:1-Schlussstand. Der FC Iliria ist zum zweiten Mal nach 2016 Solothurner Cupsieger.

In der vergangenen Saison musste der Pokal-Wettbewerb aufgrund der Coronapandemie vor den Viertelfinals abgebrochen werden. Heuer soll es nun wieder einen Cupsieger geben. Die Voraussetzung dafür sind Lockerungen der Massnahmen bis spätestens Ende Mai. Falls es zu einem positiven Entscheid des Bundesrats für die Amateurkicker kommt, sieht der Fahrplan für den Cup wie folgt aus: Viertelfinals am 13. Juni, Halbfinals am 19. Juni und der Final am 4. Juli. Doch sind die acht im Wettbewerb verbliebenen Klubs überhaupt bereit dafür?

Nicht nur der Titelverteidiger ist motiviert, auch der einzige Unterklassige, der noch dabei ist. «Wenn der Cup wirklich gespielt wird, sind wir motiviert, einem Zweitligisten ein Bein zu stellen und in den Halbfinal zu kommen», sagt Welschenrohrs Trainer Martin Kamber. «Wenn nicht mehr gespielt wird, ist es halt so. Es wäre einfach schön, wenn bald eine Entscheidung in dieser Sache fallen würde. Im Moment ist es auch schwierig, die Vorbereitung für die nächste Saison zu planen. Keiner weiss, wann die Jetzige zu Ende ist und wann die Neue beginnt.»

Froh, dass es losgeht und die Spannung wieder da ist

Vor dem FC Iliria hiess der Sieger im Cup zweimal in Folge FC Bellach. 2017 reicht den Leberbergern gegen den Türkischen SC Solothurn aus der 3. Liga ein einziges Tor. Im Jahr darauf setzt sich der FC Bellach in Biberist dank des vierfachen Torschützen Kevin Marthaler 4:2 gegen Fulenbach durch. Alban Xhema war beide Male als Spieler dabei. Jetzt als Co-Trainer des FC Bellach sagt er: «Ob sinnvoll oder nicht, lassen wir einmal stehen. Aber wir sind motiviert, dass es endlich wieder losgeht.» Losgehen bedeutet für ihn, dass «wir wieder Fussball spielen und normal trainieren können». «Mit allem, was dazu gehört: Intensität, Zweikämpfe, Tacklings, Ballhalten und so weiter.»

Xhema will sich endlich wieder mit Konkurrenten messen. Wenn der Cup im Juni noch gespielt werde, hätten er und seine Spieler «für die nächsten paar Wochen wieder ein Ziel vor Augen». Er zeigt sich indes skeptisch, ob die Durchführung des Cups nach sieben Monaten ohne Ernstkampf, ohne Zweikämpfe in den Trainings und wohl auch ohne Testspiele wirklich sinnvoll ist. «Die Spieler möchten den Cup unbedingt spielen, aber gut vorbereitet wären wir definitiv nicht», sagt Xhema.

FCKB-Trainer «Xhevi» Dullaj zeigt sich skeptisch

Ähnlich ist der Tenor beim FC Biberist. Eine Trainingsplanung sei momentan nicht möglich und die Spieler seien nicht optimal vorbereitet, äussert sich Trainer Roland Hasler. Er findet es dennoch positiv, «dass man wieder einmal ein Spiel absolvieren darf». Er ist froh, dass der FC Biberist im Cup noch dabei ist. «So kann man zumindest in den Trainingseinheiten eine gewisse Spannung verspüren im Team», führt Hasler aus.

Auch für Wangen bei Oltens Trainer Bozo Predojevic bleibt der Solothurner Cup trotz der momentanen Widrigkeiten interessant: «Jedes der acht Teams hat die Chance, den Pokal zu holen. Ich hoffe, dass wir den Cup wirklich spielen können. Das ist das Minimum nach diesen letzten zwei Jahren im Amateurfussball mit so wenig Spielen.»

Skeptischer zeigt sich ­Xhevxhet Dullaj. «Meiner Meinung nach könnte man diese Spiele auch in der Vorrunde 2021/22 durchführen», sagt der Trainer des FC Klus/Balsthal. Man sei zwar im Training, für einen Ernstkampf würde es aber nicht reichen, so Dullaj: «Man kann sich in drei Wochen nicht richtig auf einen Ernstkampf vorbereiten, wenn man davor während dreier Monate nur halbwegs trainiert hat, um einigermassen fit zu bleiben.»