Fussball
«75 Prozent Spieler aus dem eigenen Nachwuchs – das findet man sonst nirgends in der Schweiz»

Der FC Solothurn beendet die Saison 2020/21 in der 1. Liga auf dem dritten Platz. «Wir wollen die einzelnen Kriterien so verbessern, dass dieser Rang automatisch getoppt werden kann, um die Voraussetzungen für den Aufstieg zu schaffen», sagt Trainer Jürg Widmer.

Pius Rüegger
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Ein Vorbild für die Jungen: Captain Loïc Chatton (Mitte) hat in dieser Saison am meisten Tore erzielt und auch am meisten gespielt.

Ein Vorbild für die Jungen: Captain Loïc Chatton (Mitte) hat in dieser Saison am meisten Tore erzielt und auch am meisten gespielt.

Hans Peter Schläfli

Für den FC Solothurn steht am Samstag das wichtigste Spiel des ersten Halbjahres an: Die zweite Qualifikationsrunde für den Schweizer Cup 2021/22. «Wir wollen gewinnen und uns für den Fleiss belohnen in diesen schwierigen Corona-Zeiten», sendet Trainer Jürg Widmer ein klares Signal.

«Mit der Quali für die erste Hauptrunde wollen wir das Cup-Highlight nachholen, das wir im Februar gegen Kriens leider nicht erleben durften.» Dafür brauche es eine Top-Leistung. Widmer beobachtete den Gegner Lancy Anfang Juni beim 2:1-Sieg im Testspiel gegen Meyrin: «Sie sind eine spielerisch und technisch starke Mannschaft, so wie die Welschen halt spielen.»

Die Solothurner betrachteten die letzten vier Meisterschaftsspiele als Vorbereitung auf dieses Finale und die neue Saison. Aus diesem Blickwinkel haben die Ambassadoren mit dem dritten Schlussrang das Ziel erreicht. «Wir wollten unter den ersten Drei sein», sagt Widmer. «Wir haben jedoch gemerkt, dass etwas fehlt, um in die Aufstiegsrunde zu kommen.»

Seit zwei Jahren ist Jürg Widmer für die erste Mannschaft des FC Solothurn verantwortlich. Er will den Klub in den nächsten Jahren in die Promotion League führen.

Seit zwei Jahren ist Jürg Widmer für die erste Mannschaft des FC Solothurn verantwortlich. Er will den Klub in den nächsten Jahren in die Promotion League führen.



Hanspeter Bärtschi

Ihm gehe es auch darum, an den nicht rein fussballerischen Werten zu arbeiten, um sich als fairste Mannschaft gut zu präsentieren und korrekt aufzutreten. Angestrebt wurde der erste Platz in der Fairplay-Rangliste. Dass man hinter den U21-Equipen von Luzern und YB «nur» Dritter wurde, liegt nicht am Team. «Wir wurden bestraft und erhielten zehn Strafpunkte, weil die Fans in Bassecourt Raketen zündeten», ärgert sich Widmer. Er findet es nicht gerecht, dass für dieses Fehlverhalten Aussenstehender der Klub verantwortlich gemacht wird.

Im Vergleich zur Vorsaison stellt der Aargauer verschiedene Entwicklungen fest: «Wir haben offensiv und defensiv Fortschritte gemacht, die Zusammensetzung des Kaders mit Routiniers und jungen Spielern ist positiv. Wir sehen, wo es Anpassungen braucht und wir können die entsprechenden Massnahmen auch ergreifen».

Die Corona-Zeit konnte für die Nachwuchsförderung genutzt werden. So standen in Zug nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Mast ausser Captain Chatton ausschliesslich Solothurner auf dem Platz. «Im gesamten Kader sind 75 Prozent Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, in der ganzen Schweiz findet man das sonst nirgends», unterstreicht Widmer. «Marco ­Mathys ist mit seiner Persönlichkeit als Leader und Vorbild ein Glücksfall für den FC Solothurn», bekräftigt er.

Innenverteidiger Yves Kaiser kehrt zurück

In der neuen Saison wird eine junge Solothurner Mannschaft auflaufen. Noel Anderegg fehlt bis Oktober nach seiner Kniescheiben-Operation. Wechseln werden Alban Selmanaj, Robin Müller zu Grenchen, Massimo Veronica zu Derendingen und Loris Vernocchi zu Münsingen. Nach der bereits erfolgten Rückkehr von Robin Huser macht den gleichen Schritt Yves Kaiser.

In der Jugend beim FC Luterbach, kam der 23-jährige Innenverteidiger über die FCS-Juniorenabteilung (2010–2013) zum FC Basel. In der Saison 2018/19 hatte der U-Nationalspieler in der Super League sechs Ganzzeit-Einsätze für den FC Basel. Die nächsten Stationen hiessen Schaffhausen und Xamax. «Berufliche Gründe bewogen ihn zum Wechsel», erklärt Sportchef Hans-Peter Zaugg Kaisers Rückkehr zum FCS.

Nach Robin Huser (l.) kehrt auch Yves Kaiser (r.) zum FC Solothurn zurück.

Nach Robin Huser (l.) kehrt auch Yves Kaiser (r.) zum FC Solothurn zurück.

Daniela Frutiger/Freshfocus

Ab Oktober wird der gebürtige Stadtsolothurner Torhüter Gian Huber erstmals die Farben des FCS tragen. Der 22-Jährige begann beim SC Blustavia und machte einen Kehr über BEJUNE und Moutier zu Bassecourt. «Weil er in einem Förderprogramm seines Arbeitgebers drei Monate in Lausanne weilt, wird er erst ab Oktober zur Verfügung stehen», sagt Zaugg.

Damit verfügt der FC Solothurn über drei junge, ehrgeizige Goalies. Während Tim Wagner (23) im Fanionteam eingesetzt wurde, konnte Colin Bähler (19) in der Junior League A Spielpraxis sammeln. Diese Mannschaft übernimmt neu der ehemalige Stammspieler Edin Hasanovic. «Dadurch wird die Zusammenarbeit mit der ersten Mannschaft noch enger und wir können den einen oder anderen Spieler ein bis zwei Jahre länger behalten, um zu schauen, ob sie es packen», erklärt Zaugg.

«Während Verteidigung und Mittelfeld gut bestückt sind, werden wir eventuell noch einen interessanten Stürmer verpflichten, weil wir vorne nicht überbesetzt sind», steht für den Sportchef das Teamgerüst. Und Jürg Widmer sagt vorausblickend: «Wir wollen die einzelnen Kriterien so verbessern, dass der dritte Rang automatisch getoppt werden kann, um die Voraussetzungen für den Aufstieg zu schaffen. Der Verein will in die Promotion League. Um dies zu ermöglichen, müssen wir aber zuerst den notwendigen Schalter installieren.»