Fussball 2. Liga inter
«Wenn es nicht läuft, müsste ich mich selbst entlassen»

Als Sportchef und Trainer trägt Fatmir Cuculi neu die volle Verantwortung für Wangens erste Mannschaft. Er hofft, ein konkurrenzfähiges Kader für die 2. Liga inter gebastelt zu haben.

Raphael Wermelinger
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Zwei Jahre nach dem Abstieg ist der FC Wangen bei Olten zurück in der 2. Liga interregional. Mit Fatmir Cuculi (links aussen) als Trainer und Sportchef.

Zwei Jahre nach dem Abstieg ist der FC Wangen bei Olten zurück in der 2. Liga interregional. Mit Fatmir Cuculi (links aussen) als Trainer und Sportchef.

zvg

Vor mittlerweile fast 15 Jahren kam Fatmir Cuculi erstmals in Kontakt mit dem Trainermetier. Als er in der zweiten Mannschaft des FC Reiden kickte, wurde er angefragt, ob er ein Juniorenteam des Klubs übernehmen wolle. «Das machst du», habe er damals zu sich selbst gesagt. Und den Entscheid nicht bereut: «Es hat mich gleich so richtig gepackt. Mit den Kindern zu trainieren, machte sehr viel Spass. Es war auch ein guter Jahrgang mit talentierten Spielern und man hat schon nach kurzer Zeit eine Entwicklung gesehen.»

Aus beruflichen Gründen musste er dann eine Pause einlegen. «Ich arbeitete damals Schicht und konnte nicht mehr in jedes Training. So machte es keinen Sinn mehr», begründet er. Doch sein Weg führte ihn zurück an die Seitenlinie. «Ich bin irgendwann bei Fortuna Olten gelandet», erzählt Cuculi. Er spielte für die zweite Mannschaft und als dies einen neuen Trainer brauchte, übernahm er den Job. 2014/15, seine zweite Saison als Trainer, führte er das Team in die 4. Liga. Nach nur ein paar Spielen in der neuen Saison trennten sich die Wege allerdings.

Der 42-Jährige zog weiter zum FC Wangen bei Olten, wo er Assistent von Beat Kamber bei der zweiten Mannschaft wurde. Ein knappes halbes Jahr später verpflichtete ihn der FC Trimbach – ebenfalls für die Reserve. «Ich wollte nicht mehr nur Assistent sein», begründet er den Schritt. Allerdings musste er aus dem Nichts eine komplett neue Mannschaft aufbauen. «Das erste Freundschaftsspiel war haarsträubend», erinnert er sich lachend. «Die Spieler konnten teilweise nicht einmal richtig einwerfen.»

Innert drei Jahren von der 4. Liga in die 2. Liga inter

In seiner ersten Saison schaffte das «Zwöi» des FC Trimbach den Ligaerhalt in der 4. Liga. «Auch mit Hilfe der ersten Mannschaft, die uns immer unterstütze, wenn wir sie brauchten», sagt Cuculi. In den folgenden drei Saisons steigerte sich das Team kontinuierlich: 2017 der vierte Platz, 2018 der dritte und 2019 schliesslich der Gruppensieg. Doch weil im gleichen Jahr die erste Mannschaft in die 3. Liga abstieg, verzichtete der FC Trimbach auf den Aufstieg des «Zwöi». Für Cuculi die falsche Entscheidung: «Ich sagte, 3. Liga oder gar nichts.» Also gar nichts.

Zumindest nicht beim FC Trimbach. «Eigentlich hatte ich für den Moment genug vom Fussball, dann kam die Anfrage von Wangen», zog es ihn doch wieder rein. Mit einem Dutzend Trimbacher Spielern im Gepäck wechselte er zum FC Wangen bei Olten II in die 3. Liga. Und wurde gleichzeitig neuer Sportchef auf der Chrüzmatt. «Eine Aufgabe, die mit der Zeit zu viel Aufwand mit sich brachte.» 2020 gab er das Amt bei der zweiten Mannschaft ab, um nur ein Jahr darauf nach dem Abgang von Trainer Bozo Predojevic das Zepter über die erste Mannschaft zu übernehmen.

«Bozo und ich haben in den vergangenen zwei Jahren viel Zeit zusammen verbracht», sagt er, «die Zusammenarbeit mit ihm hat mir viel gebracht.» Und sie war erfolgreich. Die Wangner landeten 20/21 auf dem zweiten Platz, spielen dank Lommiswils Verzicht in der 2. Liga inter. Mit Cuculi als neuem Cheftrainer. «Nachdem ich schon so viel Arbeit als Sportchef in dieses Team gesteckt hatte, wollte ich diesen Kuchen keinem anderen überlassen», kommentiert Cuculi.

«Es ist schwierig, alle Abgänge zu kompensieren»

«Die 2. Liga inter wird für mich eine neue Erfahrung und eine riesengrosse Herausforderung – als Sportchef und als Trainer», sagt er. «Es gibt mir aber auch viel Kraft, ich finde diese Aufgabe geil.» Es könnte eine Herkulesaufgabe werden. Diverse Leistungsträger haben den Klub verlassen, teils schon im Winter. Allen voran Goalgetter Avni Halimi. «Mit seinen zwanzig Toren hat er uns den Aufstieg geschenkt», so Cuculi. «Es ist schwierig, alle Abgänge zu kompensieren. Im Vergleich zur letzten Saison haben wir fast die ganze Abwehr verloren.»

Cuculi hofft, ein konkurrenzfähiges Team zusammengebastelt zu haben, mit dem in einer «brutalen» Gruppe der Ligaerhalt gelingt. Was, wenn es nicht läuft? «Als Sportchef müsste ich mich selbst entlassen», lacht er. «Aber ich bin zuversichtlich, dass das nicht nötig sein wird und wir eine gute Saison zeigen. Die Spieler wollten unbedingt in die 2. Liga inter und sind motiviert.»

Er natürlich auch. Er sei jeden Tag auf der Chrüzmatt. Sportchef und Trainer – für ihn ein 80-Prozent-Job. Präsidentin Iris Wagner möchte ihn längerfristig an den Klub binden. «Wie lange ich bleibe, kann ich nicht sagen, aber im Moment habe ich nur den FC Wangen im Kopf», sagt Cuculi. Die Zukunft des Vereins sieht er «nicht tiefer als in der 2. Liga inter. Schön wäre natürlich 1. Liga, aber dafür bräuchten wir ein finanzielles Wunder.»

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