Fussball 2. Liga
Im Stile von Liverpools Firmino

Joel Rietschin hatte 2020/21 am meisten Einsatzzeit und war der Topscorer des FC Härkingen. «Ich will mit Härkingen irgendwann in die 2. Liga inter aufsteigen und den Solothurner Cup gewinnen», formuliert der 23-jährige Stürmer seine Ziele.

Raphael Wermelinger
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Vier Zuzüge und ebenso viele Abgänge verzeichnet der FC Härkingen auf die neue Saison.

Vier Zuzüge und ebenso viele Abgänge verzeichnet der FC Härkingen auf die neue Saison.

Patrick Luethy

«Zu viel sollte ich wohl besser nicht über ihn verraten – sonst ist er bald weg», scherzt Härkingens Trainer Roger Stöckli, nach den grössten Stärken seines besten Torschützen in der vergangenen Saison befragt. Vom Spielstil her vergleicht er seine Nummer 19 mit Liverpool-Angreifer Firmino. «Er kann sehr viel Druck beim Gegenpressing erzeugen, seine Defensivarbeit ist extrem wichtig für das Team. Seine grösste Stärke ist die Geschwindigkeit.» Neben dem Platz beschreibt ihn Stöckli als «eher ruhig und bedacht, sehr sozial, selbstkritisch und er hat den Schalk im Nacken».

Joel Rietschins Fussballkarriere begann beim FC Kappel. Dann lief er für die Nachwuchsteams des FC Aarau und FC Solothurn auf, nach der U16 wechselte er zum FC Wangen bei Olten. Und wenig später zu den A-Junioren des FC Härkingen. «Meine besten Kollegen gingen damals alle nach Härkingen», begründet er.

In der Rückrunde 2017/18 feierte er sein Debüt in der 2. Liga für die erste Mannschaft. Am 8. Mai 2018 bei der 1:3-Niederlage gegen Trimbach kam er in der 64. Minute ins Spiel. Fünf Tage später gegen Blustavia stand er zum ersten Mal in der Startformation, markierte sogleich einen Doppelpack und führte Härkingen zum 4:1-Heimsieg.

«Ich war gerade von einer Auslandreise nach Hause gekommen und freute mich, dass ich dennoch aufgeboten wurde und mich zeigen durfte», erinnert er sich. «Wir hatten damals ein grosses Kader mit vielen routinierten Spielern. Jeder musste vollen Einsatz zeigen, um zu seinen Spielzeiten zu kommen.» Die Härkinger beendeten die Saison 17/18 auf Platz zehn direkt über dem Strich.

In der vergangenen Saison schoss Joel Rietschin den FC Härkingen zum 2:1-Auswärtssieg beim FC Oensingen.

In der vergangenen Saison schoss Joel Rietschin den FC Härkingen zum 2:1-Auswärtssieg beim FC Oensingen.

Markus Müller

Die anschliessende war Joel Rietschins bislang einzige komplette Saison in der 2. Liga. Er wurde 2018/19 in jedem der 22 Spiele eingesetzt und erzielte fünf Tore. Härkingen landete auf Platz fünf. In der Vorrunde 2019/20 war er viermal erfolgreich – Platz acht für Härkingen. In der vergangenen Saison verpasste Rietschin fast keine Minute und stellte mit sechs Toren seine persönliche Bestmarke auf.

«Es war sicher eine gute Vorrunde, statistisch gesehen vielleicht meine beste», resümiert der Psychologie-Student die Saison 2020/21. Er ist überzeugt, dass der FC Härkingen in der Rückrunde den fünften Platz verteidigt hätte. Und wie viele Tore hätte er in der zweiten Saisonhälfte erzielt? «Ich setze mir keine Marke, die ich erreichen will», sagt er. «Mir ist genauso wichtig, dass ich viele Angriffe initiieren und meine Mitspieler gut in Szene setzen kann.» Dass man nicht von einzelnen Spielern abhängig sei, was die Tore und Vorlagen angeht, sei ein grosser Pluspunkt des FC Härkingen: «Jeder kann Tore schiessen oder den entscheidenden Pass spielen.»

«Es wächst wieder etwas Grosses zusammen»

Über seine persönlichen Stärken redet der 23-Jährige nicht gerne: «Die Trainer sagen oft, dass ich ohne Ball viel Druck ausüben kann und den Gegner gut anlaufe. Ich habe eine gute Spielintelligenz, kann das Spiel lesen und dadurch auch meine Mitspieler einsetzen.»

Vor dem Kasten müsse er indes noch effizienter werden, er benötige zu viele Chancen für seine Tore. Und auch an seinem Kopfballspiel feilt er. «Ich arbeite daran, dass ich die langen Bälle des Goalies richtig weiterleiten kann», führt er aus. Vor diesen Luftkämpfen hat er Respekt, da er mal einen heftigen Stoss in den Rücken abbekam, «aber es klappt langsam besser», sagt er.

Seit Rietschin erstmals für das Härkinger Fanionteam auflief, hat sich seine Rolle deutlich verändert. «Durch die Abgänge der Routiniers wurde meine Rolle immer wichtiger», erklärt er. «Weil ich viel spiele, wollen die jungen Spieler mittlerweile auch mal Tipps von mir. Ich helfe ihnen gerne, damit sie leichter ihren Platz im Team finden und ihr Potenzial optimal ausschöpfen.» Er sei kein lauter Spieler, aber doch einer, der viel rede auf dem Platz: «Aber konstruktiv, ich schreie nicht über den Platz, sondern gehe zum Mitspieler hin und bespreche ruhig, was mir aufgefallen ist.»

Trainer Stöckli muss sich keine Sorgen machen, dass Rietschin abgeworben wird von einem anderen Verein. «Ich werde ewig für den FC Härkingen spielen. Für mich ist es der beste Verein, es passt einfach alles», sagt er. Doch die Ziele sind deshalb nicht weniger ambitioniert: «Ich will mit dem FC Härkingen irgendwann in die 2. Liga inter aufsteigen und den Solothurner Cup gewinnen.» Der letzte Cupsieg datiert aus dem Jahr 2015, Meister war der FC Härkingen zuletzt im 2009. «Es wächst wieder etwas Grosses zusammen», blickt Rietschin freudig in die Zukunft. «Es macht mega Spass mit dieser Mannschaft.»

Trainer: Roger Stöckli Tor: Simon Morgenthaler (97), Victor Muther (01). Abwehr: Marco Heim (95), Tobias Heutschi (99), Manuel Müller (98), Lino Schmidt (97), Mario Stecher (91), Marco von Arx (94), Niklaus Wermuth (98), Lukas Kempf (02). Mittelfeld: Jan Büttiker (94), Sandro Gasser (96), Jan Marti (01), Loris Micelli (98), Marco Nünlist (95), Ralf Wyss (99), Tim Büttiker (98). Angriff: Silvan Gasser (92), Silvan Oeggerli (96), Yanick Oumaray (95), Chris Rauber (99), Joel Rietschin (98), Dominik Bonfanti (04), Luca Studer (02), Patrik Gjokaj (97). Zuzüge: Gjokaj (FC Oensingen), Studer, Kempf, Bonfanti (alle eigene Junioren). Abgänge: Sacha Kissling (FC Kestenholz), Manuel Nünlist, Raphael Büttiker (beide Rücktritt), Marco Bättig (Pause).

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