Fussball 2. Liga
«Ein solches Kribbeln habe ich schon lange nicht mehr gespürt als Trainer»

Ogulcan Karakoyun ist beim FC Olten erfolgreich gestartet. Am Sonntag soll in der dritten Runde der 2. Liga der dritte Sieg folgen. Neun Punkte innert Wochenfrist – es wäre der perfekte Saisonstart für den FC Olten unter seinem neuen Trainer.

Raphael Wermelinger
Drucken
Teilen
Auf den 3:0-Startsieg beim SC Fulenbach liessen die Oltner am Mittwochabend einen 3:1-Erfolg in Härkingen folgen.

Auf den 3:0-Startsieg beim SC Fulenbach liessen die Oltner am Mittwochabend einen 3:1-Erfolg in Härkingen folgen.

zvg

Zwei Spiele, zwei Siege und ein Torverhältnis von 6:1: Dem FC Olten ist unter dem neuen Trainer Ogulcan Karakoyun ein optimaler Start in die neue 2.-Liga-Saison geglückt. Als perfekt will der 32-Jährige den Auftakt indes (noch) nicht bezeichnen. «Das Gegentor gegen Härkingen war unnötig, ich hätte wie gegen Fulenbach gerne zu Null gespielt», mäkelt er, fügt aber sogleich hinzu: «Ich bin natürlich mega happy mit unserem Start. Alles ist mehr oder weniger nach Plan aufgegangen. Das ist wichtig für unser Selbstvertrauen.»

Bei seinem Debüt an der Seitenlinie schlug der FC Olten am Sonntag den SC Fulenbach mit 3:0. «Mir war wichtig, dass wir die Fulenbacher, die letztes Jahr eine schwierige Saison hatten, nicht auf die leichte Schulter nehmen», stellte Karakoyun seine Mannschaft auf das Startspiel ein. In der dritten Minute ging der FCO in Führung. Bevor die Startviertelstunde vorbei war, stand es 2:0 für die Oltner.

«Wir waren von Anfang an fokussiert und die Führung hat uns die nötige Sicherheit gegeben», blickt der Trainer zurück. Auch Fulenbachs einzige richtige Druckphase zu Beginn der zweiten Hälfte habe seine Mannschaft gut bewältigt. «Wir konnten das Spieldiktat rasch wieder an uns reissen, ohne hinten wirklich in Schwierigkeiten gekommen zu sein», sagt Karakoyun.

Der erste Auftritt als Gegner auf dem Sportplatz Aesch

Speziell war für ihn das zweite Saisonspiel am Mittwochabend auswärts beim FC Härkingen. Dort war Karakoyun rund 17 Jahre lang als Juniorentrainer tätig. Als Sportchef der Nachwuchsabteilung gehört er auch als neuer Olten-Trainer weiter zum Vorstand des FC Härkingen.

«Ich habe sehr schlecht geschlafen in der Nacht vor dem Spiel», blickt er auf den emotionalen Match zurück. Er habe die Partie in seinem Kopf x-mal durchgespielt. «Ich konnte mich den ganzen Tag kaum auf meine Arbeit konzentrieren, weil ich gedanklich immer beim Spiel war – ein solches Kribbeln habe ich schon lange nicht mehr gespürt während meiner Arbeit als Trainer», erzählt er weiter.

Die Oltner lenkten das Spiel wiederum mit einem frühen Tor in die richtigen Bahnen. Kurz vor der Halbzeitpause erhöhte Hazir Zenuni auf 2:0, kurz danach Aziz Kukavica auf 3:0, was bereits der Entscheidung gleichkam. «Ich kenne jeden Spieler beim FC Härkingen sehr gut und konnte meine Mannschaft entsprechend gut auf sie einstellen», begründet Karakoyun den Erfolg. «Wir hatten ihre Waffen im Griff und mussten kaum gefährliche Situationen überstehen.»

Der FC Olten mit Trainer Ogulcan Karakoyun (rechts aussen) ist nach zwei Spieltagen Co-Leader der 2. Liga.

Der FC Olten mit Trainer Ogulcan Karakoyun (rechts aussen) ist nach zwei Spieltagen Co-Leader der 2. Liga.

zvg

Dem einzigen Gegentor sei ein Stellungsfehler seiner Elf vorausgegangen: «Wir standen zu hoch, weil wir das vierte Tor suchten, und hatten dadurch die Räume nicht mehr besetzt, was Härkingen ausnutzte.» Der Gegentreffer habe seine Mannschaft wieder wachgerüttelt. «Wir blieben unserem System wieder treu, spielten den Match sauber fertig und hätten eigentlich höher gewinnen müssen. Ab der 60. Minute kam von ihnen nicht mehr viel Gegenwehr», sagt Karakoyun.

Mitleid mit dem FC Härkingen hatte er nicht, stellt er klar. «Ich schaue mir fast jede Woche Spiele von Härkingen an und juble, wenn sie gewinnen», erklärt er. «Am Mittwoch stand der Sieg meines Teams aber ganz klar im Vordergrund. Ich hatte während der 90 Minuten kein Bedauern mit dem Gegner.» Er sei dafür nach dem Spiel emotional bei den Härkingern gewesen, wie er ausführt: «Ich habe den einen oder anderen Spieler getröstet und ihnen auf die Schultern geklopft.»

In der Nacht auf Donnerstag, mit drei Punkten mehr auf dem Konto, habe er wesentlich besser geschlafen als noch in der Nacht davor. Der FC Olten ist nebst dem FC Trimbach der einzige Klub, der beide Saisonspiele erfolgreich gestalten konnte. Die Atmosphäre im Team sieht Karakoyun als grössten Erfolgsfaktor seines Teams: «Alle Spieler haben Spass, kommen gerne ins Training und geben immer das Maximum – das ist für mich die perfekte Ausgangslage, um erfolgreich zu arbeiten als Trainer.» Ein Team, das so gut harmoniere, habe er selten erlebt.

Nachholbedarf sieht er im Bereich der Physis. Noch fehlen seinen Spielern die nötigen Reserven. «Ab einer gewissen Zeit haben wir einen zu grossen Leistungsabfall im Spiel», erklärt er. «Im Moment können wir das mit spielerischen Mitteln kompensieren, aber wir müssen in den nächsten Wochen aufholen, denn es warten noch ganz andere Gegner.»

Wie der FC Iliria, bei dem die Oltner am Sonntag am dritten Spieltag gastieren. In der vergangenen Saison fertigte der FCO die Solothurner gleich mit 5:0 ab. «Davon dürfen wir uns nicht blenden lassen», warnt Karakoyun. Er hofft, dass seine Mannschaft mit noch mehr Selbstvertrauen auftreten wird und ihren guten Lauf fortsetzen kann: «Wir haben uns an unserem Teamevent am letzten Samstag darauf eingeschworen, dass wir in dieser anstrengenden ersten Woche einen perfekten Start mit neun Punkten hinlegen wollen.»

Aktuelle Nachrichten