Fussball 2. Liga
Der FC Lommiswil bleibt nach dem Titelgewinn bescheiden

Captain Cyrill Sonderegger führte den FC Lommiswil mit erst 23 Jahren zum 2.-Liga-Meistertitel. «Unsere Rolle hat sich nicht verändert. Favoriten sind Klubs wie Olten oder Iliria», sagt er vor dem Start der neuen Meisterschaft.

Raphael Wermelinger
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Als Titelverteidiger wird der FC Lommiswil in dieser Saison in der Solothurner 2. Liga zum Gejagten.

Als Titelverteidiger wird der FC Lommiswil in dieser Saison in der Solothurner 2. Liga zum Gejagten.

zvg

Sein Name fällt oft, wenn man Trainer, Spieler oder Zuschauer fragt, wer der beste Spieler der 2. Liga ist. Er selbst würde dies über sich nie sagen. «Avni Halimi, Alban Jahiu, Raphael Moser und auch meine beiden Mitspieler Niklas Urosevic und Cedrik Hunziker gehörten für mich in der vergangenen Saison zu den überragenden Spielern», lautet stattdessen die Antwort von Cyrill Sonderegger, dem Captain des FC Lommiswil. Seine Leistungen lässt er lieber von anderen beurteilen, nur so viel: «Ich gebe alles auf dem Platz. Technisch und taktisch bin ich dank meiner Ausbildung wohl weiter als andere.»

Über die Stärken der einzelnen Spieler lässt sich diskutieren. Wer 2020/21 die beste Mannschaft war, ist dagegen klar: der FC Lommiswil mit neun Siegen, zwei Niederlagen und zwei Punkten Vorsprung auf Wangen. Sonderegger absolvierte alle elf Spiele über die volle Distanz und erzielte drei Tore. Eigentlich war der Titelgewinn des FC Lommiswil logisch: 2018/19 Platz 7, 2019/20 Platz 4, 2020/21 Platz 1.

Damit gerechnet hatte wohl trotzdem niemand. Auch nicht er selbst. «Noch nicht jetzt und nicht bei so einer starken Konkurrenz», sagt er. «Wir haben extrem viel Potenzial und deshalb wusste ich, dass wir irgendwann den Exploit – den Cupsieg, einen zweiten oder sogar ersten Platz – schaffen werden.»

Sportlich und finanziell wäre die 2. Liga inter nicht tragbar

Der Erfolg der Lommiswiler kam nicht aus dem Nichts, unterstreicht er. Der Kern des Teams sei seit gut fünf, sechs Jahren derselbe. «Junge, hungrige, motivierte Spieler kamen dazu», sagt der 23-Jährige. «Wir sind eine eingeschworene Truppe und alle können etwas mit dem Ball anfangen – wir sind nicht von Einzelspielern abhängig.»

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der erst 25-jährige Trainer Lukas Ebel, der Lommiswil gleich in seiner ersten Saison sensationell zum Meistertitel führte. «Ein super Einstand für ihn», freut sich Sonderegger, «er ist sehr motiviert und es herrscht ein grosses Vertrauen zwischen ihm und uns Spielern.»

«In fünf Jahren werde ich immer noch beim FC Lommiswil sein», verspricht Cyrill Sonderegger.

«In fünf Jahren werde ich immer noch beim FC Lommiswil sein», verspricht Cyrill Sonderegger.



Hans Peter Schläfli

Die Halb-Saison 2020/21 wurde im Gegensatz zur vorangegangenen gewertet. Doch wie viel zählt dieser Titel? «Es fühlt sich schon nicht gleich an wie nach einer ganzen Saison», sagt Sonderegger. «Wir haben aber gegen jedes Team gespielt, waren in allen elf Spielen überzeugend und haben klaren Fussball gespielt. Platz eins war verdient, darauf dürfen wir stolz sein.»

Der Entscheid gegen den Aufstieg in die 2. Liga inter sei schnell gefallen. Das Team ist noch nicht bereit für den Schritt: «In der 2. Liga sind wir am richtigen Ort. Wir haben unser Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Nicht nur sportlich, auch finanziell und zeitlich wäre die 2. Liga inter aktuell nicht tragbar.»

Der Perfektionist verlangt manchmal zu viel von sich und den Mitspielern

Der Titelverteidiger wird mit einem breiteren Kader in die neue Saison steigen. Vom Drittligisten FC Rüttenen kommt Moritz Frey, der in den vergangenen 5 Saisons 56 Tore erzielte. Die weiteren Zuzüge sind Offensivspieler Giovanni Carnibella, 2017 Meister mit dem FC Biberist und 2020/21 mit zehn Toren für den FC Gerlafingen, sowie Goalie Marco Feier (FC Riedholz). Zudem hat Trainer Lukas Ebel vier Nachwuchsspieler und Lauro Baumann von der 2. Mannschaft integriert.

«Wir haben vor allem in der Offensive mehr Optionen», kommentiert Sonderegger die Mutationen. Ist Lommiswil als Meister der Gejagte? «Lommiswil wird nie der Favorit auf den Titel sein», stellt Sonderegger klar. «Unsere Rolle hat sich nicht verändert. Favoriten sind Klubs wie Olten oder Iliria.» Doch welche Ziele setzt man sich nach dem Titelgewinn? «Das kurzfristige Ziel lautet, einen guten Start hinzulegen. Mittelfristig wollen wir uns in der oberen Tabellenhälfte festsetzen – wir bleiben bescheiden.»

Cyrill Sonderegger ist einer der besten Fussballer der 2. Liga. Spielen will er nur für den FC Lommiswil. «In fünf Jahren werde ich immer noch hier sein», blickt der Langendorfer voraus, der in Solothurn an der Pädagogischen Hochschule studiert. Mit fünf begann er beim FCL, mit elf wechselte er zum FC Solothurn und mit 14 für zwei Jahre zum FC Basel. «Zuerst ging es recht schnell bergauf», erzählt er.

Nach der U16 wurden ihm aber kaum noch Einsatzzeiten in Aussicht gestellt. «Ich brauchte das alles nicht mehr und ging zurück zu Lommiswil – mit 16 in die 1. Mannschaft.» Und war sofort Stammspieler. Der Ehrgeiz sei eine seiner grössten Stärken: «Ich will mich im Fussball immer noch jeden Tag verbessern.» Als Perfektionist strebe er nach einhundert Prozent: «Manchmal verlange ich wohl zu viel von mir und meinen Mitspielern. Man darf nicht vergessen, dass wir Amateure sind und Fussball nur unser Hobby ist.»

Trainer: Lukas Ebel
Tor: Tim Bracher (95), Marco Feier (01), Luca Karlen (95). Abwehr: Lukas Amiet (96), Gabor Bachmann (96), Aron Herrmann (04), Lars Herzog (00), Raphael Karpf (94), Philipp Neff (97), Marc Perriard (96), Björn Zumofen (97). Mittelfeld: Dominic Bögli (04), Alessandro Choque (00), Philipp Dornbierer (90), Cedrik Hunziker (01), Marco Roth (91), Gian Schlunegger (04), Cyrill Sonderegger (98), Sebastian Truninger (04), Niklas Urosevic (99), Andrin Zumstein (01), Lauro Baumann (00). Angriff: Giovanni Carnibella (99), Jonas Ebel (00), Moritz Frey (99), Lukas Rindlisbacher (97).
Zuzüge: Carnibella (FC Gerlafingen), Frey (FC Rüttenen), Feier (FC Riedholz), Bögli, Herrmann, Schlunegger, Truninger (alle eigene Junioren), Baumann (2. Mannschaft). Abgänge: keine.

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