Fussball 2. Liga
Der Doppelagent: Oltens neuer Trainer sitzt beim FC Härkingen im Vorstand

Nach 17 Jahren bei den Junioren arbeitet Ogulcan Karakoyun beim FC Olten erstmals im Aktivbereich. «Fussballerisch steht diese Mannschaft über der 2. Liga», sagt er stolz über sein Kader.

Raphael Wermelinger
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Ogulcan Karakoyun (mittlere Reihe, rechts aussen) hat beim FC Olten das Kommando übernommen.

Ogulcan Karakoyun (mittlere Reihe, rechts aussen) hat beim FC Olten das Kommando übernommen.

zvg

Schon der zweite Spieltag wartet für Ogulcan Karakoyun mit einer ganz speziellen Affiche auf. Der Trainer des FC Olten trifft auf den FC Härkingen, bei dem er als Nachwuchs-Sportchef im Vorstand sitzt. «Das wird spannend. Spannungen gibt es sicher keine, wieso sollte es auch?», zeigt er sich bereit für die Doppelbelastung, die er aber nicht als langfristige Lösung sieht. «Wir machen das jetzt sicher mal eine Saison so. Damit es gelingt, braucht es eine saubere Kommunikation.» Negative Reaktionen auf seinen Wechsel zum FC Olten hat er keine erfahren. «Es wäre wohl schlimmer gewesen, wenn ich zum SC Fulenbach gegangen wäre», sagt er lachend.

Seit 17 Jahren ist der 32-Jährige bereits Trainer. Er hat «alle Juniorenkategorien und -stärkeklassen, inklusive dem Nachwuchs-Spitzensport» trainiert. Vor allem beim FC Härkingen, mit einem kurzen Abstecher zu den Grasshoppers. Bei den Kleinsten hat er angefangen. Weil er seine eigene Aktivkarriere wegen verschiedener Knieverletzungen immer wieder unterbrechen und schliesslich als Teenager beenden musste.

«Während der 90 Minuten habe ich nur das Spiel im Kopf, ich denke an nichts anderes – das ist eines der schönsten Gefühle», beschreibt er die Faszination, die der Trainerjob auf ihn ausübt. «Der Fussball gibt mir das Gefühl, aus einer Art Hamsterrad auszubrechen. Er ist der perfekte Ausgleich zum Alltag.» Und bringt ihm auch Befriedigung in Form von Erfolgen wie dem Meistertitel mit den Härkinger Junioren A+ in der vergangenen Saison. «Das war ein richtiger Gefühls-Cocktail», sagt er.

Der Trainerjob war und ist für ihn auch eine Lebensschule. Als er mit 15 die Verantwortung für zehn kickende Fünfjährige trug, veränderte sich sein Denken. «Die Eltern verlassen sich auf dich und für die Kleinen bist du das grösste Vorbild, das hat mir imponiert», sagt Karakoyun. Dies habe ihn dazu bewogen, schon früh sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. «Egal was ich tat oder sagte, ich wollte dabei immer ein positives Bild ausstrahlen.»

Dies habe ihm auch während seiner Lehre viel gebracht: «Ich war reifer, entwickelte mich rascher und wurde zu einer Führungsperson.» Sein Beruf weist viele Parallelen zum Trainerjob auf. Er arbeitet seit 2017 als Leiter Bildung bei der Stadt Zürich. «Daran reizt mich die Weiterentwicklung der jungen Leute, dafür sind die gleichen pädagogischen Ansätze wichtig wie als Trainer», sagt Karakoyun, der bald zum zweiten Mal Vater wird.

Er will sein Hobby dereinst zum Beruf machen

Dass er jetzt Trainer beim FC Olten ist, war so nicht geplant. Eigentlich spekulierte er eher auf einen Posten im Spitzen-Juniorenfussball. Die Aktiven werden erst zum Thema, wenn er bei Härkingen irgendwann die erste Mannschaft übernimmt, dachte er. Sportchef Bruno Büttiker teilte er im Frühling mit, dass er sein Amt bei den A-Junioren abgeben werde.

Im Juni erfuhr er, noch immer auf ein passendes Angebot wartend, dass der FC Olten nach Nurkun Ceces Auswanderung in die Türkei einen neuen Trainer sucht – per Zufall beim Small Talk mit Oltens Finanzchef und Abwehrspieler Miro Golob. Als dann eine konkrete Anfrage vom Klub folgte, sei er zuerst überrumpelt gewesen. «Dann setzte ich mich mit dem Präsidenten und dem Sportchef zusammen. Und meine Vorstellungen und Ideen haben ihnen gepasst.»

Als sein Vorgänger noch am Ruder war, führte Karakoyun bereits erste Einzelgespräche. «Ich wollte die Spieler, vor allem die Leader, unbedingt vor dem ersten Training richtig kennen lernen.» Anfangs habe er Skepsis bei den Spielern gespürt, da er davor noch nie eine Aktivmannschaft trainiert hat. Nach den ersten paar Trainingswochen holte er sich aktiv Feedback bei den Spielern. «Es fiel sehr gut aus und das hat mich gestärkt. Der Start beim FC Olten hätte nicht besser laufen können für mich.»

Das Kader, das er verbreitert hat, bezeichnet er als eines der besten in der 2. Liga. «Ende letzte Saison war es wohl sehr dünn. Jetzt stehen 28 Spieler auf der Liste, effektiv werden es in der Saison vielleicht 24 sein. Fussballerisch steht diese Mannschaft über der 2. Liga.»

«Ogli» Karakoyun hat hohe Erwartungen an sich selbst und seine Spieler: «Ich will nie verlieren, egal um was es geht. Das bedeutet auch, dass ich am Ende der Meisterschaft natürlich zuoberst stehen will.» Er wolle Erster werden und den Cup holen, denn als Stadtklub muss der FC Olten in der 2. Liga in seinen Augen immer Ansprüche auf beide Titel erheben. «Wir haben auch die Fähigkeiten dazu. Und ich will eh immer auf Tutti gehen», untermauert er.

Wohin soll ihn sein Weg mit dem FC Olten führen? «Ich will irgendwann mein Hobby zum Beruf machen», muss er nicht lange überlegen. «Ich habe schon fast alles gesehen und weiss, dass es schwierig wird. Aber ich werde alles daran setzen und hoffentlich ist der FC Olten ein Sprungbrett dafür.»

Trainer: Ogulcan Karakoyun
Tor: Thomas Husi (90), Argjend Morina (04). Abwehr: Miro Golob (95), Wayne Corti (92), Gianfranco Vinci (91), Marko Semeunovic (04), Fidan Krasniqi (89), Emre Gürsoy (98), Xaver Meyer (90), Igor Cataldo (96). Mittelfeld: Levis Berisha (00), Giovanni Gerardi (91), Kennedy Joao (02), Sandro Iandiorio (88), Danilo Esposito (01), Aziz Kukavica (94), Ramasan Hasani (86). Angriff: Hevzi Hasani (89), Elio Arciresi (99), Hazir Zenuni (88), Jone Dutra Viana (91), Bleart Hasani (01), Alan Sabotic (02), Erlion Pirku (99).
Zuzüge: Morina (eigener Junior), Simeunovic (FC Härkingen), Gürsoy (FC Dulliken), Joao (FC Fortuna Olten), H. Hasani, B. Hasani (beide FC Aarburg, Arciresi (SC Zofingen), Pirku (FC Wallisellen).

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