Fussball 2. Liga
Der Captain macht das Dutzend voll im «Eis» von Klus/Balsthal

In seiner ersten Saison bei den Aktiven vor über zehn Jahren stieg Marco Scherrer mit dem FC Klus/Balsthal in die 4. Liga. Jetzt kann er sagen: «Wir haben uns in der 2. Liga etabliert.»

Raphael Wermelinger
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Klus/Balsthal steigerte sich nach dem Aufstieg vom 10. Platz 2020 auf den 6. Platz 2021.

Klus/Balsthal steigerte sich nach dem Aufstieg vom 10. Platz 2020 auf den 6. Platz 2021.

Zvg / Oltner Tagblatt

Er war bereits im «Anpfiff 2012/13» der Protagonist der Klus/Balsthal-Vorschau. Unter dem Titel «Wieder auf dem Erfolgspfad». Erfahren hat man damals aber wenig über ihn. Nur ein Zitat durfte er nach dem Aufstieg in die 3. Liga loswerden: «Wir wollen auf dem Boden bleiben, junge Spieler integrieren und uns als Mannschaft weiterentwickeln. Kontinuität ist auf dem Moos das Schlagwort.» Der als «Eigengewächs und Mittelfeldmotor» Beschriebene kam damals insgesamt etwas zu kurz weg.

Dabei gibt es über den 28-jährigen Mittelfeldspieler natürlich viel zu erzählen. Er hat den Master in Banking and Finance, arbeitet als Projektleiter in der Vermögensverwaltung und wohnt mit seiner langjährigen Partnerin Jasmin in Oensingen. Er ist ein grosser Fan des FC Liverpool. Wegen Steven Gerrard und weil er dort mal einen Sprachaufenthalt verbracht hat. Scherrer hat als Sechsjähriger beim FC Klus/Balsthal begonnen. «Seither bin ich immer dabei», sagt das Urgestein. Der grösste Erfolg seiner Juniorenzeit war der Sieg im Solothurner Cup 2008 mit Thal United. Als Captain und Doppeltorschütze.

Ein Jahr später machte er schon die ersten Spiele für die erste Mannschaft. Der Klub stieg in die 4. Liga ab. «Es war auf der einen Seite cool, dass wir jungen Spieler Einsatzzeit bekamen. Aber auch schwierig, da es erstmals gegen Erwachsene ging und wir nicht verlieren durften», erinnert sich Scherrer. Seit der Saison 2010/11 gehört er fix zum Kader des Fanionteams. In seinem zweiten Jahr kehrte der FC Klus/Balsthal in die 3. Liga zurück. «Wir sind mit nur einer Niederlage durchmarschiert. Wichtig für unser junges Team waren damals die Zuzüge von Remil Eminovic und Jaime Oliveira.»

Die Aufstiegs-Leiden des Marco Scherrer

Im zweiten Jahr bewarben sich die Thaler erstmals für die 2. Liga. «Wir unterlagen in den Aufstiegsspielen Blustavia, schlugen dann überraschend Egerkingen 4:0, verloren aber das entscheidende Spiel gegen Iliria im Stadion vor etwa 1600 Zuschauern mit 0:1», datiert Scherrer auf.

Zwei Jahre später der zweite Anlauf, mittlerweile mit ihm als Captain: 1:1 in Zuchwil, 1:2 gegen Niederbipp und ein 2:0-Heimsieg gegen Subingen II – ein Punkt zu wenig. «Das war viel bitterer als der erste Versuch», sagt er, «weil wir die Favoriten waren.» Und er sich in der zweiten Runde die Schulter auskugelte und deshalb die Entscheidung verpasste.

Aller guten Dinge sind drei, dies die Devise im Folgejahr. Tatsächlich qualifizierte sich Klus/Balsthal zum dritten Mal für die Aufstiegsspiele, scheiterte aber erneut. «Da begann ich zu zweifeln, ob wir es überhaupt noch schaffen. Ein paar Spieler haben auch die Motivation verloren.» Das Team musste sich zwei weitere Jahre gedulden.

Marco Scherrer (l.) im Derby gegen den FC Oensingen, das er heuer vermissen wird.

Marco Scherrer (l.) im Derby gegen den FC Oensingen, das er heuer vermissen wird.

Remo Froehlicher

«Der neue Trainer Xhevi Dullaj brachte dann wieder frischen Wind rein», ergründet Scherrer. «Er hat uns mit seiner Winner-Mentalität Selbstvertrauen eingeimpft.» Das Team sei 2019 weniger verbissen als in den vorherigen Jahren in die Aufstiegsspiele gestiegen. «Im vierten Anlauf konnten wir endlich mal das Startspiel gewinnen – 2:0 gegen Riedholz. Und dann schlugen wir auch den Favoriten Deitingen.» So reichte dem FC Klus/Balsthal das abschliessende Remis gegen Oensingen, um sich als Meister den Aufstieg in die 2. Liga zu sichern.

«Das war eindeutig das Highlight meiner Karriere», blickt Scherrer zurück. «Schon den ersten Sieg feierten wir in der Kabine wie den Aufstieg. Die richtige Aufstiegsfeier dauerte gleich mehrere Tage.» Mit dem sechsten Platz in der letzten Saison scheint der FCKB angekommen zu sein im Oberhaus. «Wir haben uns etabliert, das darf man so sagen», bestätigt er. Das Hauptziel heisst aber weiterhin Ligaerhalt. «Ich bin zuversichtlich, das wir wieder im sicheren Mittelfeld landen», sagt er. «Iliria wird wohl ganz vorne sein, dahinter wird es sehr ausgeglichen und es könnte auch wieder Überraschungen geben.»

Im Sommer verlor der FC Klus/Balsthal mit Denis Kostadinovic, der es eine Liga höher bei Wangen versucht, seinen Topscorer. «Ihn zu ersetzen, wird nicht einfach», kommentiert Scherrer diesen Abgang. «Wir werden trotzdem eine schlagkräftige Truppe stellen. Entscheidend wird sein, dass wir vor Ausfällen verschont bleiben.» Sonst könnte seine zwölfte Saison in der ersten Mannschaft eine enge werden. Was will der Captain unbedingt noch erreichen, bevor er seine Karriere beendet? «Cool wäre, einmal den Solothurner Cup zu gewinnen.»

Trainer: Xhevxhet Dullaj
Tor: Zoran Andric (89), Mario Bucciolini (99). Abwehr: Florim Bilalli (98), Noah Brüttel (02), Davide Furcillo (93), Eurico Nganga (93), Mostapha El Ouahmani (92), Tiago Ferreira (96). Mittelfeld: Kosta Milosevic (92), David Flury (93), Marco Scherrer (93), Reto Uebelhart (93), Ender Kaya (99), Raphael Carvalho (03), Roger Achermann (98), Andri Affolter (02), Manoel Jaus (04), Risto Petrovic (97), Sandro Moser (02), Eredit Hoxhaj (03). Angriff: Leon Baftjaraj (01), Borislav Jankovic (90), Albion Xhemaili (04), Skender Zeqiri (90).
Zuzüge: Jankovic (FC Oensingen), Hoxhaj (FC Solothurn), Jauss, Xhemaili (beide eigene Junioren), Baftjaraj, Moser (beide 2. Mannschaft). Abgänge: Denis Kostadinovic (FC Wangen b. Olten), Sascha Berger (FC Mümliswil).

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