Fussball 2. Liga
Als verletzter Antreiber an der Seitenlinie wie Cristiano Ronaldo

Trimbachs Goalgetter Luca Schifferle hat sich in den Aufstiegsspielen das Kreuzband gerissen, muss sich Ende Monat operieren lassen und wird wahrscheinlich die gesamte Saison verpassen.

Raphael Wermelinger
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2019 stieg der FC Trimbach unglücklich als Tabellenzehnter aus der 2. Liga ab. Jetzt ist er zurück.

2019 stieg der FC Trimbach unglücklich als Tabellenzehnter aus der 2. Liga ab. Jetzt ist er zurück.

zvg

Mit 14 Toren schoss Luca Schifferle den FC Trimbach in der vergangenen Saison in die Aufstiegsspiele zur 2. Liga. Denen drückte dann allerdings Mitspieler Lucien Baumgartner, zum perfekten Zeitpunkt von einer Verletzung genesen, den Stempel auf. Mit einem Doppelpack führte er Trimbach zum Auftakt der Aufstiegsspiele zu einem 2:0-Auswärtssieg bei GS Italgrenchen.

«Lucien schüchtert die Gegner alleine mit seiner Präsenz ein. Er eckt definitiv an mit seiner Spielweise. Ich glaube, der ganze Fussball-Kanton hasst ihn», sagt Schifferle. «Ich liebe es, ihn als Sturmpartner zu haben. Wir verstehen uns blind. Er weiss immer, wo ich hinlaufe und was ich vorhabe.» In der zweiten gemeinsamen Saison habe er mittlerweile einen guten Einfluss auf seinen Captain: «Er reklamiert nicht mehr so viel auf dem Platz.»

Baumgartner traf auch beim 3:3 gegen Hägendorf am zweiten Spieltag der Promotionsrunde doppelt. Schifferle dagegen verletzte sich bereits in der ersten Hälfte am Knie. «Ich bin in den Gegenspieler reingerauscht», beschreibt er die Szene. «Mein Knie war zwischen seinen Beinen eingeklemmt und hat sich dann verdreht.» Er habe sofort gespürt, dass etwas Schlimmeres passiert ist. Das Spiel schaute er sich «natürlich» zu Ende an, ehe er ins Spital ging. Dort konnten die Ärzte aber noch keine Prognose stellen. Erst nach dem MRI in einer Klinik in Rheinfelden zwei Tage nach dem Spiel war klar: das Kreuzband ist gerissen.

Während sieben Jahren lief Luca Schifferle für den FC Olten auf. Mit dem Stadtklub gewann er das Double und schaffte mehrmals den Klassenerhalt in der 2. Liga inter.

Während sieben Jahren lief Luca Schifferle für den FC Olten auf. Mit dem Stadtklub gewann er das Double und schaffte mehrmals den Klassenerhalt in der 2. Liga inter.



Markus Müller

Schifferle liess es sich aber nicht nehmen, sein Team im dritten und entscheidenden Aufstiegsspiel in Riedholz zu unterstützen. Bereits beim Aufwärmen, welches er sogleich übernahm, wie er mit Stolz berichtet, habe er gespürt, dass das Team bereit war, den letzten Schritt Richtung 2. Liga zu machen. «Vor allem Lucien war wieder extrem heiss auf den Match und hat ja dann auch wieder getroffen.» Mit einem Geniestreich, einem Treffer vom Anspielpunkt aus erzielt, sorgte Baumgartner für den 1:0-Erfolg der Trimbacher, die sich damit den 3.-Liga-Meistertitel und den Aufstieg in die 2. Liga sicherten.

«Der Aufstieg war vor der Saison das Ziel», stellt Schifferle klar. «Schön, dass wir es gleich bei der ersten Chance gepackt haben.» Die Rückkehr in die 2. Liga nach zwei Jahren feierten die Trimbacher ausgiebig. «Zuerst gingen wir auf dem Rückweg von Riedholz in Egerkingen in den Mc. Danach weiter ins Bowlingcenter in Trimbach, wo wir schon nach dem Sieg gegen Italgrenchen waren», erzählt Schifferle und fügt schelmisch lachend hinzu: «Wir hatten riesigen Hunger, haben aber nur Wasser getrunken.»

Der erste Kreuzbandriss vor mehr als zehn Jahren

Ende August wird er operiert. Neun Monate muss er danach pausieren, rechnet er. «Damit ist die Saison für mich wohl gelaufen. Aber ich werde mein Team von der Seitenlinie aus antreiben – wie Cristiano Ronaldo bei der EM 2016», hat Schifferle seinen Humor nicht verloren. Für ihn wäre es die vierte Saison im «Eis» seines Stammklubs. Die erste war 2008/09, als er in der 3. Liga fast dreissig Tore markierte.

Damit weckte er das Interesse des FC Härkingen, der gerade in die 2. Liga inter aufgestiegen war. In der ersten Saison machte er 23 von 26 Spielen und 6 Tore – Härkingen stieg wieder ab. Seine zweite Saison war nur wenige Wochen alt, als er erstmals von einem Kreuzbandriss ausgebremst wurde. «Das wurde damals super operiert. Ich hatte in über zehn Jahren nie mehr Probleme. Diesmal hat es das andere Knie erwischt», schöpft er Mut.

In der Saison 2009/10 spielte Luca Schifferle in der 2. Liga inter für den FC Härkingen.

In der Saison 2009/10 spielte Luca Schifferle in der 2. Liga inter für den FC Härkingen.

Hansruedi Aeschbacher

Nach der Verletzungspause zog es ihn zum FC Olten. Die erste von sieben Saisons sei die schönste gewesen: «Wir gewannen das Triple: Meister, Cupsieg und fairstes Team, haben aber auf den Aufstieg verzichtet.» Der folgte zwei Jahre später. Schifferle schoss den FC Olten mit 22 Toren in die 2. Liga inter. «Wir haben meistens verloren, zwischendurch aber auch mal riesige Spiele gezeigt», resümiert er überspitzt. «Wenn du keine Löhne bezahlst, hast du es als Klub schwer in der 2. Liga inter. Es ist cool, dass wir nie sportlich abgestiegen sind.»

Nach fünf Jahren machte Schifferle 2016/17 einen einjährigen Abstecher zum SC Zofingen, damals ebenfalls in der 2. Liga inter. 2017 folgte die Rückkehr zum FC Olten, 2019 die Heimkehr zum FC Trimbach. «Sag mir einen Grund, warum ich nochmals wechseln sollte», fühlt er sich wohl. «Zu sehen, wie unsere jungen Spieler langsam aufblühen, macht Spass. Sie ziehen immer besser mit, das macht uns gefährlich.»

Reicht das für den Ligaerhalt? «Wir haben ja noch Lucien», lacht Schifferle. «Eine weitere Stärke ist unser Trainerduo. Hasan Osaj und Marco Mirarchi machen wirklich eine hervorragende Arbeit.» Auf den 30-Jährigen können die beiden erst im kommenden Jahr wieder zurückgreifen. «Ich werde in der ersten Mannschaft bleiben, bis sie bei unseren Junioren in sicheren Händen ist und ich sie Richtung Senioren verlassen kann», blickt Luca Schifferle voraus.

Trainer: Hasan Osaj
Tor: Jonas Flury (97), Fatlum Huruglica (01). Abwehr: Matej Markovic (02), Alexander Meier (00), Tobias Ramel (88), Egzon Sej (93), Thomas Schenker (00), Ivan Suarez (85), Patrick Wermuth (01), Ikram Abduramani (03), Jesper Noordijk (97). Mittelfeld: Manuel Thut (00), Sven Pally (01), Marco Mirarchi (88), Joel Mangold (02), Alec Dogan (99), Martin Castro (02), Enis Ademovic (95), Daniel Bärtschi (88), José Garcia Dos Santos (95). Angriff: Lucien Baumgartner (88), Luca Schifferle (91), Kushtrim Osaj (99), Tobias Flury (01).
Zuzüge: Markovic (HNK Croatia), Huruglica (FC Fortuna Olten), Dogan (FC Adliswil), Osaj (FC Schötz). Abgänge: Jathuvaaran Manoharan (FC Fortuna Olten).

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