Als an den Schweizer Meisterschaften im Natural Bodybuilding der Name der Viertplatzierten aufgerufen wurde, erschrak Luana Finelli. Es war nicht ihr Name, was bedeutete, dass sie bei ihrer Premiere gleich auf dem Podest landete.

Obschon die Zuchwilerin im Vorfeld nicht genau wusste, worauf sie sich einlässt. «Mit meinem dritten Platz bin ich sehr zufrieden», sagt die bald 24-Jährige. «Realisiert habe ich es erst am Montagmorgen, als ich erwachte und den Pokal betrachtete.»

Vor einem Jahr begann die gelernte Tänzerin zu trainieren. Ein Kollege nahm sie damals mit ins Fitnessstudio. «Mein Körper veränderte sich innert kürzester Zeit.» Das gefiel Luana Finelli, die darob das Tanzen in den Hintergrund stellte und sich ganz dem Krafttraining an den Geräten verschrieb.

Seit Anfang Jahr trainiert sie mit dem «Team Adoniss». Valentin Marjakaj, mehrfacher Schweizer Meister und WM-Zweiter im Natural Bodybuilding, nahm die Italienerin unter seine Fittiche. «Ab Januar bereitete ich mich unter seiner Anleitung auf die SM vor und blendete alles andere aus.»

Ausdauertraining auf nüchternem Magen

In der ersten Phase bestand der strikte Plan aus fünf bis sechs Krafttrainings pro Woche. Später kam der Ausdauer-Bereich dazu: «Die Ausdauertrainings absolvierte ich am Morgen auf nüchternen Magen. Plus weiterhin die Krafttrainings am Abend», schildert sie.

Einen Cheat Day – also ein Tag, an dem ausnahmsweise alles erlaubt ist – gönnte sie sich nicht. «Wenn man etwas erreichen will, muss man den Plan konsequent und fokussiert durchziehen. Jeden Tag, auch in den Ferien.»

Luana Finelli erobert Bodybuilding-Spitze

Luana Finelli erobert Bodybuilding-Spitze

Von der zierlichen Balletttänzerin zum muskulösen Kraftpaket. Die Solothurnerin schaffte es mit ihrem Stahlkörper auf das Podest der Schweizermeisterschaft des Natural Bodybuildings.

Dies gilt auch für die Ernährung: «In den letzten zwölf Wochen habe ich nur noch Reis, Poulet und Gemüse gegessen. Auf alles andere habe ich verzichtet.» Keine Süssgetränke, keine Schokolade, nicht einmal ein Kaugummi lag drin. «Es braucht viel Disziplin», blickt sie zurück.

Nicht nur auf diverse Speisen verzichtete sie, sondern auch auf Ausgang und Freizeitaktivitäten. «Man wird ein wenig zu einem Egoisten. Ich lernte, Dinge zu geniessen wie einfach vor dem Fernseher zu liegen am Abend oder früh zu Bett zu gehen. Wegen des Kaloriendefizits hat man abends nicht mehr die Kraft für andere Aktivitäten.»

Nicht zu empfehlen

Klingt nicht wirklich gesund. Ist es auch nicht, bestätigt Finelli: «Sich so zu ernähren wie ich in den letzten Wochen, darf ich niemandem empfehlen. Die intensive Vorbereitung auf den Wettkampf ist nichts Gesundes.»

Es sei auch nicht immer einfach gewesen, im Beruf noch zu funktionieren. Finelli arbeitet als Fitness-Trainerin. Sie hat täglich mit Kunden zu tun und kann sich nicht in ein Büro zurückziehen, wenn sie ausgelaugt ist. «Ich musste immer der Sonnenschein Luana sein, auch wenn ich keine Energie mehr hatte.»

Doch die Vorbereitung auf ihren ersten Wettkampf habe ihren Charakter gestärkt. «Und ich lernte, die Dinge mehr zu schätzen als vorher. Es verändert einen extrem.» Die Belohnung für die Mühen ist der Podestplatz an den SM. Nach dem Wettkampf gönnte sie sich eine Pizza und anschliessend noch einen Besuch im McDonald’s.

«Ich habe so richtig reingehauen. Gestern auch noch. Ab heute ist Zurück-Diäten angesagt.» Das heisst, sie will Schritt für Schritt zum Normalzustand zurück. An den SM wog sie knapp 37 Kilogramm, 45 Kilogramm sind ihr Optimalgewicht.

Ob sie im kommenden Jahr wieder an den SM und eventuell auch an den Italienischen Meisterschaften an den Start gehen wird, entscheidet sie im Januar. Auf jeden Fall weiss Luana Finelli jetzt schon, was sie verbessern müsste: «Im Vergleich zur Siegerin ist mein Körper schon zu fest definiert. Beim Natural Bodybulding geht es nicht um eine pompöse Muskelmasse, sondern um die Symmetrie. Weiblichkeit und Ästhetik stehen im Vordergrund. »