Wenn der EHC Zuchwil Regio sportlich Bilanz zieht, darf man sehr zufrieden sein. Mit einer gegenüber früherer Jahre verjüngten und vereinheimischten Equipe, zählte man auf dem Papier nicht zu den Topfavoriten. Ja selbst die Playoffs der besten acht waren heuer kein „fait a compli“ für die Solothurner. Am Ende eliminierte man im Viertelfinal freilich Basel und forderte Qualifikationssieger Brandis im Halbfinal mehr ab, als es das Ergebnis vermuten lässt.

Dass die Emmentaler letztlich vermeintlich leichtes Spiel hatten und nach dem 0:4 zu Beginn der Serie, drei Matches „en suite“ klar gewinnen konnten (6:2, 7:1, 4:1) lag in allererster Linie an der unterirdischen Chancenauswertung Zuchwils. Es grenzte schon fast an Comedy, was die Wasserämter diesbezüglich auch in Spiel 4 darboten.

Nach zwei Dritteln hätte es viel mehr  5:2 denn 1:2 stehen sollen. Doch als ob Zuchu dem leeren Tor nicht wehtun wollte oder Mitleid mit dem Gegner gehabt hätte, versemmelte man rudelweise beste Möglichkeiten. Und mit einem einzigen Tor lässt sich nun Mal sehr schwer ein Eishockeyspiel gewinnen.  

Dabei ist die Truppe von Brandis nahezu doppelt so teuer wie jene von Zuchwil Regio und bedarf eigentlich keines Welpenschutzes. Alimentiert werden die Emmentaler von CEO Hienz Krähenbühl. Der Unternehmer führt in Huttwil die im Bereich Maschinenbau tätige Firma Pro Cam CNC AG. 

Wo der 52-Jährige tätig ist, wird Erfolg angestrebt. Derlei ist aus dem einstigen Schwanz- ein Topklub geworden, der nächste Saison in der neuen Swiss Regio League (SRL), per se der Nationalliga C, auf Punktejagd gehen wird.   

Ulrich ist zufrieden

Den gwonnen Ottokar, den Bruder von Oskar fürs Auslasen bester Chancen hin oder her – der EHC Zuchwil Regio hat eine starke Saison gezeigt. Nun, da sie vorbei ist, könnte man sich über die ausgelassenen Möglichkeiten ärgern und sich fragen, was noch alles drin gelegen wäre wenn…  oder aber man kann sich auf die Fahne schreiben, es diesbezüglich nächste  Saison besser zu machen.

Wenn da nur 30 % mehr kommt, dann gehören die Zuchwiler absolut zu den Titelanwärtern in der dannzumal 1. Liga Classic. Der regionalen 1. Liga also wie man sie heute kennt. Von wem Basel, Brandis, Thun und Wiki-Münsingen dannzumal ersetzt werden, steht noch nicht fest. Zunzgen-Sissach, Rheinfelden und Reinach haben unter anderem  Interesse bekundet. „Für mich stimmt es so, wie es ist“, sagt Zuchwil-Präsident Walter Ulrich.

«Für mich stimmt es so, wie es ist.»

EHC Zuchwil Regio-Präsident Walter Ulrich

«Für mich stimmt es so, wie es ist.»

Der "Mister Zuchwil Regio" kann mit dem Out im Halbfinal in dem Sinn "gut leben. Wir haben mehr erreicht, als wir uns erhoffen durften und haben zuletzt noch einmal ein sehr gutes, unterhaltsames Spiel gezeigt.“ In der Tat, Level und Unterhaltungsfaktor dieser Halbfinal-Serie waren bemerkenswert hoch.

Schwer nachzuvollziehen, weshalb sich nicht mehr Solothurner Erdenbürger dieses attraktive 1.-Liga-Eishockey, dass der NLB sehr nahe kommt, „antun“. Dass Brandis jetzt im Final gegen Thun oder Wiki-Münsingen steht, ist so für Ulrich durchaus stimmig. „Brandis war die ganze Saison vorne und steht darum verdient im Final.“ 

Team praktisch beisammen

Was "Zuchu"  angeht, geht’s jetzt in die Sommerpause. Die Mannschaft für die nächste Saison steht praktisch. Rund ein Drittel des Teams wird sich namentlich verändern. „So früh waren wir noch nie dran“, sagt Ulrich. Das hängt auch damit zusammen, dass die Schaffung der erwähnten  Swiss Regio League zu einem reichhaltigen Angebot auf dem Transfermarkt geführt hat.

Etliche Spieler wollen und können sich die SRL nicht antun, weil ein 100-Prozent Arbeitspensum in dieser NLC kaum mehr möglich ist. „Insofern konnten wir einige vielversprechend Zuzüge tätigen“, verrät Ulrich. Schliesslich ist der EHC Zuchwil Regio die erfolgreichste Mannschaft der Zentralschweizer 1.-Liga-Gruppe, die nicht aufsteigen will.

 „Unsere Zukunft ist in der regionalen 1. Liga und da wollen wir Spitze sein“, sagt Ulrich. Wie lange diese Swiss Regio League überleben wird hängt allein damit zusammen, wie lange es in allen Regionen Leute wie Heinz Krähenbühl gibt, die bereit sind, Solches vorab aus dem eigenen Portemonnaie zu finanzieren.

Denn Zuschauer dürften eher weniger denn mehr kommen und für Sponsoren ist sowas eher weniger denn mehr attraktiv. Wie dem auch sei, in Zuchwil darf man sich auf eine gewiss interessante und tendenziell gute Saison 2017/18 schon jetzt freuen.