Anlässlich der Euro 08 führte die UBS einen Städtewettkampf im Rahmen ihrer Public Viewings durch. Solothurn ging als Sieger hervor und kassierte 20 000 Franken. Der Betrag sollte gemäss der sponsernden Grossbank zweckgebunden in den Fussball-Nachwuchs fliessen. Der FC Blustavia, der FC Post Solothurn und der FC Solothurn, die an diesem Public Viewing involviert waren, standen als Begünstigte allseits ausser Frage.

Freilich verlangte die Stadt ein entsprechendes Projekt, wie der jeweilige Gewinnanteil genutzt werden soll. Die Sportkommission mit Präsident Alexander Rudolf von Rohr und in oberster Instanz Stadtpräsident Kurt Fluri standen so im Gegensatz zu den genannten Vereinen jahrelang auf dem Standpunkt, dass sie nie ein ädaquates Projekte zu sehen gekriegt hätten. Das änderte sich auch nicht, als sich Ende 2012 die Vereinigung für Sport in Stadt und Region Solothurn (VSSO) der Sache annahm und im Namen ihrer Mitglieder - zu denen die drei Fussballklubs zählen - auf die Auszahlung des Betrags pochte.

Untereinander hatten sich die drei FC’s darauf geeinigt, dass Blustavia und Solothurn je drei Siebtel und Post einen Siebtel des Gewinns erhalten soll. Vorab für den Stadtpräsidenten war immer klipp und klar: Ohne Projekt - keine Kohle. Blankoauszahlung gibt es nicht. Derlei lag das Geld bis vor Kurzem auf dem Konto «Jugendsportförderung der Stadt Solothurn» - mit entsprechender Verzinsung versteht sich.

Die Kugeln können wieder rollen

Inzwischen - fast fünf Jahre nach der Euro 08 - haben die drei städtischen Fussballklubs ihr Geld erhalten. Dies, nachdem die Stadt die Projekt-Auflagen gelockert hatte. Statt eines ausserordentlichen «Events» wie etwa ein Trainingslager oder das Engagements eines Gasttrainers konnten die Vereine auch schlicht benötigtes «Material» als Projekt einreichen. Das haben sie denn auch getan. Der FC Post Solothurn hat derlei seinen Gewinnanteil von rund 3000 Franken primär in neue Bälle investiert. «Ich glaube es waren so an die 60 Stück», sagt der ehemalige Junioren-Obmann und heutige D-Junoiren-Trainer Dirk Sauerbier. Sein Team habe allein 20 neue Bälle erhalten.

Dazu gab es ein Transportwägeli für die schweren, kleinen Trainingstore. Beim FC Blustavia, der wie der FC Solothurn rund 9000 Franken bekommen hat, floss das Geld im wahrsten Sinn des Wortes in Tore: «Jetzt müssen wir sie nur noch treffen», freut sich Junioren-Obmann Urs Haller.

Vom grossen, 2000-fränkigen Kasten, den auch Messi und Co. treffen müssen, bis zu zahlreichen kleinen und ganz kleinen Gehäusen reicht die neue Goal-Palette. Sowohl der FC Post wie Blustavia mussten das Material selber einkaufen, ehe ihnen das Geld von der Stadt aufgrund der vorgelegten Belege zurückerstattet wurde.

FCS zahlt Rechnungen

Der grosse FC Solothurn seinerseits mit seinen rund 250 Nachwuchsspielern hat seinen Gewinnanteil in die Begleichung ausstehender Rechnungen gegenüber der Stadt investiert. «Wir haben das Geld dazu verwendet, einen Anteil an offenen Gebühren für die Benutzung von Hallen und Sportplätzen zu tilgen», sagt Vorstandsmitglied Jürg Naegeli.

Ein Schelm wer nun denkt, die Stadt habe darauf bestanden. Wie dem auch sei - Ende gut alles gut: Nach fünf Jahren haben die Solothurner Fussball-Junioren den Sieg über Bürokratie und etlichen Eitelkeiten doch noch davongetragen.