Fussball 1. Liga

«Früher habe ich von den Älteren gelernt. Jetzt gebe ich den Jungen Tipps»

Hannes Hunziker stand in sieben von neun Vorrundenspielen in der Startelf. Zweimal musste er verletzt passen.

Hannes Hunziker stand in sieben von neun Vorrundenspielen in der Startelf. Zweimal musste er verletzt passen.

In seiner achten 1.-Liga-Saison ist Hannes Hunziker beim FC Solothurn Vizecaptain und nicht mehr wegzudenken im Mittelfeld. Sein Fazit zur Vorrunde: «Der dritte Platz ist verdient, aber wir haben sicher noch etwas Luft nach oben.»

Mit 17 debütierte Hannes Hunziker im April 2013 in der 1. Liga für den FC Solothurn. 2007 war er vom FC Kappel zur Juniorenabteilung des FCS gestossen. Im Kader der ersten Mannschaft ist er offiziell seit Beginn der Saison 2013/14.

In seiner mittlerweile achten Saison in der 1. Liga zählt er zusammen mit Verteidiger Fabian Kohler und Angreifer Massimo Veronica zu den dienstältesten Spielern des Teams. 176 Pflichtspiele hat der Mittelfeldspieler absolviert und dabei 35 Tore erzielt.

Hunzikers achte Saison hat es in sich. Nach fünf Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen musste die Vorrunde im Oktober vorzeitig beendet werden. Die Solothurner mussten sich zuerst in Quarantäne begeben, weil ein Spieler des Teams positiv getestet worden war. Das Heimspiel gegen Schötz vom 24. Oktober fiel deshalb aus. Vier Tage später schickte der Verband die Klubs wegen der steigenden Coronafallzahlen in die Winterpause. Der FC Solothurn liegt auf Platz drei hinter Biel und Baden.

Der FCS mit der statistisch besten Offensive der Liga

«Wir haben die Punkte geholt, die es braucht», lautet das Fazit von Hannes Hunziker. «Der dritte Platz ist verdient, aber wir haben sicher noch etwas Luft nach oben.» Die beiden Niederlagen in der Vorrunde resultierten gegen die zwei Aargauer Konkurrenten. «Baden und Wohlen waren zusammen mit Biel von Anfang an die Favoriten», erklärt Hunziker. «Wohlen war knapp (0:1; d. Red.), Baden etwas unglücklich (0:3; d. Red.). Beide hatten wir auswärts. Zu Hause sieht es dann hoffentlich anders aus in der Rückrunde.»

Was auffällt: Die Solothurner haben von allen Mannschaften der Gruppe 2 am meisten Tore erzielt. «Wir haben viel Qualität in der Offensive. Loic Chatton beweist nicht erst seit dieser Saison, wie torgefährlich er ist», so Hunziker. Chatton ist mit acht Toren der Topskorer beim FCS, dahinter folgen Emmanuel Mast mit sechs und Fabio Bruni mit drei Toren. Jano Loosli, Shpetim Arifi, Marco Mathys, Massimo Veronica und Hannes Hunziker waren je einmal erfolgreich.

«Ich hätte sicher noch das eine oder andere Tor mehr schiessen können», beurteilt Hunziker seine persönlichen Leistungen. «Im Grossen und Ganzen bin ich aber zufrieden. Ich gab mein Bestes, um der Mannschaft zu helfen, und wir konnten ja doch ein paar Spiele gewinnen.»

Der 25-Jährige stand in sieben der insgesamt neun Vorrundenspiele in der Startformation. Zwei Partien verpasste er wegen einer Leistenzerrung. Je nach Bedarf stellte ihn Trainer Jürg Widmer im Mittelfeld auf dem Flügel oder im Zentrum auf. «Ich spiele eigentlich am liebsten hinter der Spitze», sagt Hunziker.

Seine Kollegen aufs Feld zu führen, macht ihn stolz

Wie wichtig der gebürtige Kappeler für den FC Solothurn mittlerweile ist, unterstreicht Hunzikers Status als Vizecaptain. «Wenn Loic Chatton nicht auf dem Platz steht, bin ich Captain», erklärt er. Im Heimspiel gegen Buochs Anfang Oktober, das der FCS mit 4:0 für sich entschied, führte er die Mannschaft auf den Platz. «Das macht mich natürlich stolz», sagt er. «Die Captainbinde bringt noch etwas mehr Verantwortung mit sich.» Die Rolle liegt ihm, ist er überzeugt: «Ich bin kommunikativ und versuche, die Mitspieler zu unterstützen, indem ich positiv rede und sie motiviere.»

Mit 25 ist Hunziker der fünftälteste Spieler des jungen Solothurner Teams. Marco Mathys (33) und Loic Chatton (29) sind die Routiniers, Fabian Kohler und Massimo Veronica haben wie Hunziker Jahrgang 1995 und sind nur wenige Monate älter. «Es ist krass, wie jung unsere Mannschaft ist. Langsam, aber sicher fühle ich mich etwas alt», sagt der Primarlehrer lachend. «Früher habe ich von den Älteren gelernt, jetzt bin ich in die Position gerückt, den Jungen Tipps zu geben.»

Er erkenne sich in den jungen Spielern oft wieder. Sie erinnern ihn daran, wie er mit 17 zur ersten Mannschaft stiess. Von der Ausbildung her seien diese nicht weiter als er damals. Den grossen Unterschied macht Hunziker in der Mentalität aus: «Sie sind extrem hungrig, selbstbewusst und überzeugt von sich, das bewundere ich.»

Neue Spieler zu holen, ist nicht zwingend nötig

Nach aktuellem Stand wäre der FC Solothurn als einer der besten beiden Tabellendritten der drei Erstligagruppen für die Aufstiegsspiele qualifiziert. Die sind in Hunzikers Augen ein realistisches Ziel für die Rückrunde. «Wir planen sicher noch gar nichts hinsichtlich der Aufstiegsspiele, aber wir wollen in der zweiten Saisonhälfte wieder vorne mitspielen und dann mal schauen, was am Ende drinliegt. Von der Qualität her sind wir gut genug, die Aufstiegsspiele zu erreichen.»

Hannes Hunziker lässt die Langenthaler stehen.

Hannes Hunziker lässt die Langenthaler stehen.

Die Frage, ob es in der Winterpause Verstärkungen geben wird beim FC Solothurn, könne er nicht beantworten. Grundsätzlich sei es immer schwierig, neue Spieler ins Team zu integrieren. «Wir haben im Moment einen sehr starken Kitt untereinander. Es müssten schon Neue sein, die perfekt ins Team passen. Wir sind natürlich immer froh um Verstärkungen, aber wir haben auch ohne Transfers ein sehr gutes und vor allem junges Team, dem die Zukunft gehört.»

Hannes Hunziker stand mit dem FC Solothurn schon mehrmals an der Schwelle zur Promotion League. Für den Aufstieg hat es allerdings nie ganz gereicht in den vergangenen Jahren. Trotzdem habe er sich nie überlegt, ein Angebot aus einer höheren Spielklasse anzunehmen. «Ich bin überzeugt davon, dass wir den Aufstieg in die Promotion League mit dem FC Solothurn schaffen können», begründet er. «Ich bin nun schon so lange beim FC Solothurn, irgendwann werden wir es hoffentlich noch packen.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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