Eishockey 4. Liga

Freude und Trauer nahe beieinander – ein Abschied und ein Aufstieg beim EHC Zuchwil

Mit Ausnahme der Piccolos hat Bruno Hebeisen bei Zuchwil Regio schon alle Nachwuchsstufen trainiert, jetzt steht er beim Fanionteam an der Bande.

Mit Ausnahme der Piccolos hat Bruno Hebeisen bei Zuchwil Regio schon alle Nachwuchsstufen trainiert, jetzt steht er beim Fanionteam an der Bande.

Vor dem 3.-Liga-Aufstieg musste sich der EHC Zuchwil Regio von Präsident Walter Ulrich verabschieden

Nach dem freiwilligen Rückzug aus der 1. Liga und dem daraus folgenden Zwangsabstieg in die 4. Liga hat der EHC Zuchwil Regio nun wieder einen Schritt vorwärtsgemacht: Der Aufstieg in die 3. Liga ist geschafft. Wie erwartet, denn das Team besteht vorwiegend aus Spielern mit Zweitliga-Erfahrung.

So spielte der EHC Zuchwil Regio heuer denn auch Katz und Maus mit den überforderten Gegnern. Alle bisherigen 13 Meisterschaftsspiele gewannen die Zuchwiler und schossen dabei nicht weniger als 170 Tore. Dies entspricht einem Schnitt von ziemlich genau 13 Treffern pro Partie. Der höchste Erfolg war ein 32:0-Sieg gegen das Schlusslicht Büetigen.

Ein emotionaler Aufstieg

Obwohl man fest damit gerechnet hatte, sei es am Ende dennoch ein emotionaler Aufstieg gewesen, sagt Headcoach Bruno Hebeisen: «Die Spieler haben natürlich gefeiert und Stumpen wurden ebenfalls herumgereicht. So soll es auch sein. Schliesslich haben wir hart dafür gearbeitet. Und wir werden sicher auch heute nach dem letzten Saisonspiel noch einmal feiern.»

Hebeisen hat das EHCZR-Fanionteam auf diese Saison hin übernommen. Dass seine Equipe die 4. Liga gleich nach Belieben dominieren würde, hatte er nicht erwartet. «Wir wussten zuerst überhaupt nicht, was uns in der 4. Liga erwartet und wie wir diese einstufen müssen», sagt der 51-Jährige. «Aber mit mehrheitlich 2.-Liga-Spielern im Kader bist du in dieser Liga natürlich der Favorit und musst dementsprechend auch Leistung bringen.» Er habe durchaus auch mit hohen Siegen gerechnet, «aber nicht gerade ein 32:0».

Vor Ehrfurcht erstarrt

In der ersten Hälfte der Meisterschaft kam Zuchwil Regio sehr locker zu seinen Punkten. 9:0, 14:0, 19:1, 9:0, 22:0, 13:1 und 32:0 – dies die Resultate in der Vorrunde. «Am Anfang ging es sehr ‹ring›», bestätigt Hebeisen in breitem Emmentaler Dialekt. Die Gegner seien regelrecht vor Ehrfurcht erstarrt vor dem EHC Zuchwil Regio. Erst in der zweiten Saisonhälfte wurde Hebeisens Team auch mal gefordert.

Etwa beim 7:5-Sieg gegen Brandis II oder dem 4:1-Erfolgt zuletzt gegen die Huttu High Flyers. Dass es enger wurde, lag nicht an seinem Team, sondern an der Konkurrenz, stellt Hebeisen klar: «Wir liefen nicht im hohlen Kreuz und haben auch nicht die ‹Scheichen› raufgebunden in der Rückrunde. Die Gegner sind einfach nur noch hinten reingestanden und haben sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen.»

Ein Ziel bleibt noch

Trotzdem werden die Zuchwiler die Saison mit einer weissen Weste beenden. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie sich heute Abend gegen Schlusslicht Büetigen einen Ausrutscher erlauben. Im Gegenteil, «Zuchu» hat noch ein Ziel. «Wir brauchten halt einfach eines für die Rückrunde», meint Hebeisen etwas zögernd und lässt dann die Katze aus dem Sack: «Ich will am Ende 200 Tore auf dem Konto haben.»

Es fehlen noch dreissig. Doch das Hinspiel gewannen die Zuchwiler mit 32:0. «Solange es möglich ist, glauben wir daran», sagt Bruno Hebeisen. Bis Ende Februar lässt er sein Team danach noch trainieren, dann gehts in die verdiente Pause. Das Sommertraining und somit auch die Vorbereitung auf die 3. Liga beginnt Anfang Mai.

Ein verlorenes Jahr

Die Vorfreude auf die nächste Herausforderung eine Liga höher ist bereits spürbar. Hebeisen gibt zu: «Eigentlich war es ein verlorenes Jahr für den Verein. Es ist schade, dass wir ganz runter in die 4. Liga mussten. Aber der Verband wollte es so. Ich denke immer noch, dass der freiwillige Rückzug der richtige Entscheid war.» Die Spieler hätten durchaus profitiert von dieser Saison, fügt er an: «Sie haben viel gelernt. Ich habe darauf geachtet, in den Trainings mindestens den Zweitliga-, ja sogar Erstliga-Standard, zu erreichen. Das wollen die Spieler selber natürlich auch. Sie haben einen riesigen Willen und einen noch grösseren Teamspirit. So etwas habe ich selten gesehen in meiner Karriere.» Die grösste Schwierigkeit 2018/19: «Dass die Spieler auf ihrem Top-Level bleiben.»

Der EHC Zuchwil Regio wird grossmehrheitlich mit dem gleichen Kader in die kommende Saison steigen. Bei der Zusammenstellung des Teams bekommt Bruno Hebeisen mittlerweile Hilfe vom neuen Sportchef Marc Pfister. Die Planung läuft auf Hochtouren, die meisten Spieler haben bereits unterschrieben, gibt Hebeisen Auskunft. «Etwa drei, vier Spieler werden nicht mehr dabei sein. Ersatz haben wir schon gefunden.»

Auch die 3. Liga soll nur ein kurzer Zwischenhalt sein für «Zuchu». Vorne mitspielen und spätestens in zwei Jahren in die 2. Liga aufsteigen, lautet das Ziel. «2. Liga, das muss es schon sein», stellt Hebeisen klar.

Lücken im Vorstand

Sportlich ist der EHC Zuchwil Regio also wieder auf dem richtigen Weg. Doch der Tod von Präsident Walter Ulrich im Januar hat eine grosse Lücke im Vorstand hinterlassen. Diese gilt es so rasch wie möglich zu füllen. «Die Mannschaft und ich fielen in eine Schockstarre. Am Silvester war ich noch bei Walter, ich wohne ja auch in Lohn-Ammannsegg. Wir hatten es sehr lustig. Sein Tod nagt immer noch an mir.»

Walter Ulrich habe alles für den Klub gemacht. «Das kann man gar nicht in Worte fassen. Unser Problem ist, dass wir aktuell keinen Präsidenten und keinen Vizepräsidenten und weitere offene Posten haben.» Hebeisen zeigt sich aber zuversichtlich, dass der Vorstand bald wieder komplettiert werden kann. «Es wird sicher weitergehen. Man muss nicht Angst haben um den EHC Zuchwil Regio», verspricht er.

Bruno Hebeisen ist glücklich, dass er im vergangenen Jahr die Chance erhielt, an die Bande seines Herzensklubs zurückzukehren. Beim EHC Zuchwil Regio hat er mit Ausnahme der Piccolos bereits sämtliche Nachwuchsstufen trainiert, auch Headcoach der zweiten sowie Assistenztrainer der ersten Mannschaft war er schon in früheren Jahren. Während seiner Aktivzeit absolvierte der «Flügelflitzer», wie er sich selber bezeichnet, elf Saisons für den EHCZR in der 1. Liga. «‹Da esch eifach Härzbluet drin wie verrockt›», dies die Worte von Hebeisen. «Zuchwil Regio ist mein Verein und ich gebe alles für diesen Verein. Ich bin hier zu Hause.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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