Fussball
Frauen des SC Derendingen haben unfreiwillige Renovation gut überstanden

Die Frauen des SC Derendingen starten am Sonntag in die NLB-Rückrunde. Trotz Änderungen bleibt das Team erfolgreich.

Cedric Heer
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Trotz Improvisation wegen teilweise fehlender Infrastruktur und Abgängen starker Spielerinnen halten die Derendinger Frauen nach wie vor vorne mit.

Trotz Improvisation wegen teilweise fehlender Infrastruktur und Abgängen starker Spielerinnen halten die Derendinger Frauen nach wie vor vorne mit.

Cedric Heer

Der Sportplatz Heidenegg in Derendingen ist eine Baustelle. Die Gemeinde erneuert die Flutlichtanlagen. Der Anblick gleicht einem Acker, an Fussball ist momentan nicht zu denken. Auf den ersten Blick nicht weiter besorgniserregend, denn der Meisterschaftsbetrieb der NLB-Frauen pausiert zurzeit ohnehin. Und von Ende November bis Mitte März ist der Platz witterungsbedingt allemal gesperrt.

Auf der Heidenegg bestreiten die Frauen des SC Derendingen ihre Heimspiele. Und das mit beachtlichem Erfolg. Seit dem Aufstieg 2014 reihte die Mannschaft 26 NLB-Spiele ohne Niederlage aneinander. Mitte November beendete der FC Aarau diese Serie. Eine Runde später folgte gegen den Nachwuchs des Serienmeisters FC Zürich die zweite Niederlage.

Dass dies aus Derendinger Sicht vorerst nicht weiter alarmierend ist, bestätigt der dritte Tabellenrang zur Winterpause. Und da die erstklassierte Zürcher U21 ohnehin nicht zur Promotion berechtigt ist, liegt das Team von Trainer Urs Bachmann in der bereinigten Tabelle auf Rang zwei. «Bis auf die letzten zwei Partien haben wir erstaunlich gut mithalten können», sagt Bachmann.

Erstaunlich ist dieser Fakt deshalb, weil auch teamintern bei den Derendingerinnen eine Art unfreiwillige Renovation stattfand. Gleich vier Teamstützen haben den Verein verlassen. Und damit viele der Eigenschaften, die das Team derart stark gemacht haben. Tania Chassot, mit nur 11 Gegentreffern die statistisch beste Torhüterin vergangener Saison, zog in Richtung Yverdon in die NLA. Denise Marti, die erfahrene Mittelfeld-Regisseurin, ist zurückgetreten. Und Manuela Marra, die laufstarke Flügelspielerin, macht Babypause. Ihr Verbleibt ist noch ungewiss.

Fest steht dagegen das Comeback von Ilona Sieben. Die Goalgetterin wird nach einer Weltreise Mitte Rückrunde in die Mannschaft zurückkehren. «Die Tore der beiden Offensivspielerinnen fehlen uns natürlich sehr», sagt Bachmann, um sogleich anzufügen: «Letztendlich ist es aber eine Mischung aus allem. Momentan ist zu viel Hektik in unserem Spiel und die Pass-Qualität ist ausbaufähig. Das zeigt sich vorne wie hinten.» Das Kader wurde mit drei eigenen Juniorinnen ergänzt. Umso wichtiger wird das regelmässige Training.

Ständig wird improvisiert

Doch die Infrastruktur in Derendingen ist alles andere als optimal. «Die Improvisation ist unser ständiger Begleiter», erklärt Bachmann. Da in Derendingen ein Kunstrasenplatz fehlt, muss das Team in den Wintermonaten notdürftig draussen oder in der Halle trainieren. Nur gelegentlich kann in Solothurn auf dem Kunstrasen trainiert werden. «Das kann dann aber auch mal am Sonntagmorgen um neun Uhr sein», so Bachmann. Auf diesem Niveau ein immenser Nachteil, dem mit vielen Testspielen notgedrungen entgegenzuwirken versucht wird.

Dass das Team trotz all dieser Umstände erneut um die Aufstiegsspiele mitspielt, zeugt von einer umsichtigen Planung. Einerseits wurden unmittelbar nach dem Aufstieg in die NLB die Weichen in die richtige Richtung gelegt, andererseits stützt sich der Verein auf eine nachhaltige Entwicklung.

Durchgehende Nachwuchsstufen

Beachtlichstes Kind dieser Entwicklung ist die Umgestaltung der Nachwuchsabteilung der Frauen. «Ein auf diesem Niveau überlebenswichtiger Schritt», betont Bachmann. Vom Verband wurden die U16- und U19-Teams übernommen und integriert. Dadurch verfügt Derendingen nun über durchgehende Nachwuchsstufen. Zudem soll die U16 kommende Saison in der nationalen U17-Meisterschaft mitwirken können.

Auch wurde im November eine Zusammenarbeit mit dem NLA-Verein BSC YB Bern besiegelt. Weitere Projekte sind in Arbeit. «Wir wollen den Nachwuchs und den ganzen Verein auf professionellere und somit stabilere Beine stellen», sagt Bachmann, der in der Rückrunde neu von Andrea Rüfenacht als Assistenztrainerin unterstützt wird.

Ein weiteres Novum war das erstmals gemeinsam durchgeführte Trainingslager. Nebst der NLB-Truppe reisten die beiden Nachwuchsteams nach Benicàssim, Spanien. «Oberste Priorität hat die gemeinsame Spielphilosophie», sagt Bachmann. «Das ist grundlegend für die Zusammengehörigkeit und dieselbe Ausrichtung im Verein», was der Etablierung in der Nationalliga entspricht. «Mittelfristig ist die NLA sicher ein grosses Ziel. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg.»

Dieser Weg führt zunächst über das etablierte Worb (19 Punkte), die Aufsteigerinnen aus Therwil (17 Pkt.) und den Geheimfavoriten Aarau (13 Pkt.). Ein Selbstläufer wie vergangene Saison wird dies für das verjüngte Derendingen (18 Pkt.) nicht. Kommt hinzu, dass eine solche Ausgangslage für die allfälligen Aufstiegsspiele sicherlich kein Nachteil ist. «Wir sammelten vergangene Saison viele Erfahrungen und würden uns gänzlich anders vorbereiten», so Bachmann. «Zweifellos braucht es aber auch eine zünftige Portion Glück, um gegen die beiden NLA-Mannschaften bestehen zu können.»

Am Sonntag startet die Rückrunde gegen Rapperswil-Jona (14 Uhr, Wyler, Bern). Die höchsten Klippen zur erfolgreichen Weiterführung des Derendinger Märchens scheinen überwunden.

Dass Bachmann jedoch nichts dem Zufall überlassen will, unterstreicht die Frage nach seinem grössten Wunsch. Dieser ist entgegen den Erwartungen nicht der schnellstmögliche Aufstieg in die NLA, sondern eine weitere Baustelle: «Ein Kunstrasenplatz! Mit diesem entscheidenden Baustein käme der grosse Erfolg dann von ganz alleine.»

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