Schwingen
Florian Gnägi hat seinen Vater doch noch klar getoppt

Florian Gnägi tritt am Hallenschwinget in Büren erstmals als Eidgenosse auf – endlich. Am Eidgenössischen in Burgdorf reihte sich der 25-jährige in der V.I.P.-Loge der Schwinger ein und bekam den eidgenössischen Kranz aufs Haupt gesetzt.

Michael Schenk
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Florian Gnägi (oben) ringt am «Eidgenössischen» Bruno Gisler nieder.

Florian Gnägi (oben) ringt am «Eidgenössischen» Bruno Gisler nieder.

Keystone

«Mach de nid so lang wie di Vater», hat er immer wieder zu hören gekriegt. Sooo... lang, bis er endlich seinen ersten eidgenössischen Kranz aufs Haupt gesetzt erhält. Vater Erich Gnägi wurde 1989 am ESAF in Stans im gesetzteren Schwingeralter von 32 Jahren geadelt.

Sohnemann Florian hat sich zwar länger Zeit gelassen, als das in Anbetracht seiner unbestrittenen Klasse hätte sein müssen – aber jetzt ist es vollbracht: Am Eidgenössischen in Burgdorf reihte sich der 25-Jährige, der vorher als bester Nicht-Eidgenosse im Land galt, in der V.I.P-Loge der Hosenlupfer ein. Endlich.

Schon 2007 in Aarau und 2010 in Frauenfeld machte der Seeländer mit besten Chancen ums begehrte Eichenlaub. Die Nerven spielten dem 51-fachen Kranzer damals indes noch einen Streich. «Ich bin froh, dass es endlich geklappt hat.» Es fühle sich gut an, auch wenn es dadurch an kommenden Schwingfesten für ihn nicht einfacher werde. Aber ich kann vielleicht etwas befreiter und lockerer ans Werk», so der Turnerschwinger.

Just an diesem «lockerer» könnte sich die Konkurrenz künftig noch mächtig die Zähne ausbeissen. X-Mal hat Gnägi in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein Siegschwinger auf jeder Stufe sein kann. Oft indes gingen die dicken Dinger – die Gänge also, die über Sieg oder Ehrenmeldung, über Schlussgang oder nicht entschieden – verloren. Dies, trotz seiner bis heute vier Kranzfestsiege. Sehr gut möglich, dass der Eidgenosse Gnägi im Gegensatz zum Nicht-Eidgenossen Gnägi die «Muni-Gänge» in Zukunft nicht mehr oder nur noch selten verliert.

Sieg ist immer das Ziel

Zum ersten Hosenlupf als Eidgenosse tritt der Ex-Feldweibel der Sportler RS in Magglingen am Hallenschwinget in Büren an. «Wie gut ich in Form bin, wird sich zeigen. Ich fühle mich fit. Für mich sind Hallenschwinget ein Art Training in ernsthafter Umgebung», sagt Gnägi. Sprich, wenn etwas in die Hose geht, ist es nicht so schlimm.

Aber: «Als Sportler will man immer gewinnen.» Gnägi ist seit vielen Jahren regelmässiger Gast in Büren und auch mehrfacher Sieger. Eine höhere Gage, weil er jetzt als Eidgenosse antritt, erhält er morgen aber nicht. Im Gegenteil: «Ich zahle wie alle mein Startgeld und das ist auch gut so.»

Der Gisler-Gang ist abgehackt

Aufsehen erregte Florian Gnägi am Eidgenössischen in Burgdorf im 6. Gang. Der Brünig-Finalist 2013 legte das Nordwestschweizer-Ass Bruno Gisler flach – eine Sekunde nach Ablauf der Zeit allerdings. Der Ansatz des Zuges lag insofern noch in der «Kampfzeit». Ein sehr umstrittener Kampfrichter-Entscheid. Hätte der Sieg gezählt, hätte Gnägi, um es olympisch zu sagen, um einen Podestplatz geschwungen.

So blieb letztlich der 11. Rang. «Wenn ich am Schluss ohne Kranz dagestanden wäre, hätte mich dieser Gang sicher viel mehr geärgert. So kann ich damit leben.» Dass Gisler inzwischen aufgrund eines Dopingvergehens aus der Rangliste des ESAF 2013 gestrichen wurde – Gnägi indes gegen Gisler 1,25 Punkte einbüsste – kümmert den Aarberger nicht mehr. «Das ist vorbei – es bringt nichts, sich darüber Gedanken zu machen.»

Dank Militär gute Trainings-Bedingungen

Das Sideboard, das er in Burgdorf als Preis gewählt hat, erinnert ihn so oder so an einen besonderen Moment in seiner Schwingerkarriere. Eine Laufbahn, die noch etliche Jahre dauern kann. Der Seeländer ist nach wie vor vom Militär angestellt und kümmert sich jetzt um die Organisation der Sportler-WK’s. «Ich habe in Magglingen sehr gute Trainings-Bedingungen, weil ich die gesamte Infrastruktur inklusive medizinische Betreuung nutzen kann.» Bis Florian Gnägi wie sein Vater damals in Stans 32 Jahre ist, liegen also noch etliche weitere eidgenössische Kränze drin.