Schwingen
Florian Gnägi gewinnt alle sechs Gänge

Am Hallenschwinget in Büren demonstriert Florian Gnägi in Abwesenheit von Christian Stucki seine Klasse. Kein Schwinger war dem 23-jährigen Feldweibel der Sportschule in Magglingen gewachsen.

Beat Gehri
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Florian Gnägi (hinten) nagelt seinen Teamkollegen Christian Lanz im Schlussgang fest.

Florian Gnägi (hinten) nagelt seinen Teamkollegen Christian Lanz im Schlussgang fest.

Solothurner Zeitung

Christian Stucki stand zwar im Sägemehl – aber zur Schonung seiner Schulter nur als Kampfrichter. Der traditionelle Hallenschwinget in Büren wird so allmählich zum Fest von Florian Gnägi: Der Bühlener gewann die diesjährige Ausmarchung souverän mit sechs klaren Siegen. Seine Dominanz an diesem ersten Rendez-vous der Seeländer Schwinger dauert aber schon lange.

Im letzten Jahr stellte er im Schlussgang mit Christian Stucki, ein Jahr früher mit dem Schwingerkönig Kilian Wenger und 2008 mit dem Emmentaler Mathias Siegenthaler. Und zwei Jahre zuvor siegte er nach gestelltem Schlussgang mit Jean-Philipp Kläy. «Es ist schon erstaunlich», lachte er, «aber irgendwie passt es hier immer.» So auch gestern: Kein Schwinger war dem 23-jährigen Feldweibel der Sportschule in Magglingen gewachsen. Im Schlussgang bodigte er auch seinen Teamkollegen Christian Lanz, der überraschend vorgerückt war und lange heftige Gegenwehr gezeigt hatte.

Verzögerter Trainingsbeginn

«Es ist nicht einfach», erklärte Gnägi, «gegen einen Kameraden zu kämpfen, den man aus dem Training bestens kennt.» Trotzdem schaffte er es – und der tapfere Lanz fiel auf Rang vier zurück. Gnägis Trainingsbeginn wurde zudem verzögert: «Ich litt an einer Verletzung eines Fingers und an einer Zerrung am Muskelansatz im Ellbogen.» Erst im Januar konnte er seinen Aufbau beginnen. Deshalb habe er einen gewissen Nachholbedarf gehabt – vielleicht gerade der Grund, weshalb er sich in Büren so souverän durchsetzte. Jedenfalls befinde er sich noch nicht
in Bestform: «Ich habe noch Steigerungspotenzial.»

Genau so souverän wie Gnägi setzte sich in der Abteilung der Nachwuchsschwinger Philipp Roth durch. Der 15-Jährige des Schwingklubs Aarberg realisierte auch sechs Siege – im Schlussgang gegen seinen um ein Jahr jüngeren Bruder Dominik.

Stucki: Operation im Herbst

Christian Stucki zeigte seine Zugehörigkeit zum organisierenden Schwingklub Unteres Seeland als Kampfrichter. «Ich habe zwar bereits seit drei Wochen ein intensives Fitnesstraining begonnen», so der Neo-Schnottwiler, «aber noch kein Schwingtraining absolviert.»

Der Grund: seine linke Schulter. «Ich habe schon seit Jahren Probleme», erklärt er schweren Herzens, «aber jetzt ist die Verletzung an einem Punkt angekommen, wo es langsam ernst wird.» Das «AC-Gelenk» sei kaputt, erklärt er. Der Knorpel habe sich zurückgebildet, «was dann bei gewissen Bewegungen Knochen auf Knochen reiben lässt». Eine Operation ist unumgänglich. «Aber wenn ich jetzt unters Messer gehe», bedauert er, «ist die Saison futsch.» So wird er sich durchzuseuchen versuchen – «und dann im Herbst die lädierte Schulter operieren lassen».

Und Stucki ist beleibe nicht der Einzige, der unter einer Verletzung leidet: Florian Ruch, neuer Trainingspartner des Aushängeschilds, leidet an einer Knorpelverletzung am Knie, Dominic Bloch schmerzt der Rücken.