Vom Gokart bis zur Formel 3 sass Philipp Müller schon hinter jedem Lenkrad. Während Jahren kurvte er im Porsche-Team über Europas Rennstrecken, erzielte Siege bei internationalen Rennen und bei Schweizer Meisterschaftsläufen. In einem Toyota wurde er 1986 Europameister bei den Marken-Tourenwagen.

Im Jahr 1992 führte er ein eigenes Porsche-Rennteam. Müller arbeitete auch als Renninstruktor und sitzt im Vorstand des Automobil-Clubs der Schweiz. Privat fährt er einen Mercedes CLS mit 557 PS. 2012 legte sich der «erklärte Bahnabstinenzler» laut «Bilanz» ein 1.-Klasse-GA der SBB zu.

Philipp Müller, haben Sie noch Ihr 1.-Klasse-GA?

Ja, und ich benutze es sehr rege. Ich fahre mit dem Auto praktisch nur noch zum Bahnhof.

Würden Sie sich als Bundesrat überhaupt chauffieren lassen?

Ja klar, sofern der Fahrer einen sicheren und defensiven Fahrstil pflegt.

Wenn Sie wählen könnten, welcher Formel-1-Fahrer wäre Ihr Chauffeur?

Wenn er noch leben würde, Ayrton Senna. Er war in der Lage, mit zurückhaltender Fahrweise trotzdem extrem schnell zu fahren.

Ist Senna auch Ihr Lieblingsfahrer?

Ja. Senna war eine eigene Welt für sich. Er gewann beispielsweise ein Rennen mit einer Runde Vorsprung und hat anschliessend beim sogenannten Debriefing sein Fahrzeug akribisch analysiert und den Technikern und Ingenieuren genaue Anweisungen zur weiteren Entwicklung des Rennautos gegeben. Er war nie zufrieden mit dem Rennwagen, auch nachdem er überlegen gewonnen hatte.

Wem drücken Sie in der kommenden Formel-1-Saison die Daumen?

Das heisseste Fahrer-Duo hat 2014 Ferrari mit Alonso und Räikkönen. Ich bin also gespannt, wer von den beiden Spitzenfahrern sich gegen den Teampartner durchsetzen wird. Wenn das klar ist, werde ich dem Besseren die Daumen drücken.

Was macht Philipp Müller sonntags, wenn die Formel 1 läuft?

Die Rennen schaue ich mir nicht mehr an. Aber die Zeittrainings für die Startaufstellung. Durch meine langjährige Erfahrung sehe ich da Dinge, die man sonst nicht sieht. Zum Beispiel ein verpasster Einlenkpunkt, ein leichtes Abkommen von der Ideallinie und schon ist die gute Rundenzeit weg.

Wie aufmerksam verfolgen Sie die Karriere des Schweizer GP2-Weltmeisters Fabio Leimer?

Ich lese, was in den Zeitungen steht. Ich kenne zudem seinen Mentor (Unternehmer Rainer Gantenbein, Anm.  d.  Red.) gut. Fabio habe ich vor ein paar Jahren auf dem Beifahrersitz meines Rennporsches über den Grand-Prix-Kurs von Monza chauffiert, um ihm die Strecke bekannt zu machen.

Wäre Peter Sauber ein guter Politiker?

Es ginge ihm wohl wie jedem Unternehmer im Parlament: Es dauert alles viel zu lange. Wenn er damit rasch klarkäme, dann wäre er gut als Politiker.

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Politik und Rennsport?

Obwohl man im Rennauto sehr einsam ist, wenn es darauf ankommt, ist Motorsport ein Teamsport. Ein Fahrer kann nur erfolgreich sein, wenn er über ein gut eingespieltes, kompetentes und erfahrenes Team verfügt. Gleiches gilt für die Politik. Ohne Teamgeist, in diesem Fall die Fraktion oder die Partei, ist auch hier kein Blumentopf zu gewinnen.

Wo geben Sie lieber Vollgas, in der Politik oder hinter dem Steuer?

Vollgas heisst nicht in jedem Fall, dass man schneller am Ziel ist. Manchmal ist ein «Lupfen» des Gaspedals vor der Kurve im Effekt schneller, als das Rennfahrzeug mit Vollgas durch die Kurve zu prügeln. Das Rennauto wird damit unruhig und baut Rollwiderstand auf, was bremsend wirkt. Auch in der Politik ist die Methode mit dem «Kopf durch die Wand» nicht oft das richtige Rezept. Fazit: Vollgas zur richtigen Zeit, zurückhaltendes Tempo gezielt einsetzen.

Wie sind Sie eigentlich zum Rennsport gekommen?

Durch die Kart-Bahn in Wohlen, als ich gemerkt habe, dass ich mit den Miet-Karts ganz gut zurechtkomme.

Wann waren Sie letztmals auf der Rennstrecke unterwegs?

Vor drei Jahren als Instruktor, um angehenden Rennfahrern die Geheimnisse des schnellen Fahrens beizubringen. Dazu gehört vor allem, dass die Leute zuerst lernen müssen, langsam zu fahren, um am Ende wirklich schnell zu sein. Nur bei langsamem Studium der Strecke und durch das Zerlegen in einzelne geometrische Abschnitte lässt sich alles rausholen.

Befürworten Sie eine Aufhebung des Rundstreckenverbots in der Schweiz?

Ja. Nicht zuletzt deshalb, damit wir in der Schweiz Fahrerlehrgänge anbieten können. Aber auch um den vielen Firmen, die für die Autoindustrie Komponenten herstellen, zu ermöglichen, dass sie ihre Konstruktionen in der Schweiz testen können.