«Bitte haben Sie Verständnis, Herr Bieri wird sich ausschliesslich zu sportlichen Fragen und zum neuen Trainer äussern. Wir werden am Samstag nach dem Spiel gegen Solothurn zu den Vorkommnissen Stellung beziehen, sobald wir die ganze Faktenlage geklärt haben.»

FCG-Pressechef Gerd Frera gab zu ungewöhnlicher Stunde am späten Donnerstagabend an der Präsentation des neuen Trainers Edvaldo Della Casa gleich den Tarif durch.

Der Kommunikations-GAU geht also weiter. Seit Dienstag sprechen alle, nur nicht er, er, der die aufgeheizte Stimmung beruhigen könnte, indem er seine Sicht der Dinge schildern würde.

Die Trennung von Trainer und Sportchef, wie es um den FCG finanziell steht, ob er unter diesen Umständen überhaupt noch Lust verspürt, weiterzumachen. Wir haken nach:«Fragen Sie den neuen Präsidenten, er steht draussen vor der Tür», sagt Rolf Bieri.

Er wundere sich, dass er überhaupt noch hier sitze. Er sei davon ausgegangen, dass er abgesetzt werde. Das ist Rolf Bieri. Polarisierend, Sarkasmus, gepaart mit Galgenhumor. Eine Kombination aus smartem George Clooney (optisch) und impulsivem Büezer (in der Artikulierung).

Pressekonferenz des FC Grenchen mit dem neuen Trainer Edvaldo Della Casa.

Pressekonferenz des FC Grenchen mit dem neuen Trainer Edvaldo Della Casa.

Herr Bieri, haben Ihnen die letzten Tage nicht zugesetzt, Sie werden für den ganzen Schlamassel im FCG verantwortlich gemacht?

Rolf Bieri: Ich schlafe gut, danke. Und die vielen Negativberichte habe ich nur überflogen.

Es macht Ihnen nichts aus?

Ich habe einen breiten Rücken. Problematisch wird es erst, wenn meine Familie oder meine Angestellten in der Firma mit hineinzogen werden.

Bereuen Sie das, was vorgefallen ist?

Nein, ich bereue es nicht. Es ist bedauerlich, dass es so weit gekommen ist. Es entstand aber eine Eigendynamik, die das Fass zum Überlaufen brachte.

Ihnen wird vorgeworfen, dass Sie sich an der Sitzung vom Montag im Ton vergriffen haben.

Das mag sein. Ich habe immer gesagt, dass ich nie Politiker werden könnte. Ich sage das, was ich denke. Und wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, dann wehre ich mich.

Was war denn ungerecht?

Sehen Sie, es wird jetzt so dargestellt, dass ich an allem schuld bin. Tatsache ist aber auch – ohne jetzt zu tief ins Detail zu gehen – dass die Finanzen aus dem Ruder gelaufen sind. Aufwand und Ertrag stimmen nicht mehr überein. Für uns geht es jetzt darum, alle Forderungen zu begleichen. Das wird in den nächsten Tagen geschehen.

Wie steht es finanziell um den Verein?

Wie gesagt, Aufwand und Ertrag stimmen nicht überein. Wir sind nun daran, ein sauberes Budget zu erstellen.

Ist der FC Grenchen gefährdet?

Wir müssen die Finanzen in den Griff bekommen. Wir können die Differenz nicht immer mit unseren eigenen Mitteln ausgleichen.

Sie schiessen aus Ihrem eigenen Vermögen Geld ein. Wie viel?

Darüber spreche ich nicht.

Hand aufs Herz Herr Bieri, macht es noch Spass, Präsident des FC Grenchen zu sein?

Ich schmeiss den Bettel sicher nicht einfach so hin. Das ist nicht meine Art. Aber wenn jemand kommt und das Amt übernehmen möchte, dann bin ich der Letzte, der im Weg steht. Ich finde es aber erstaunlich, von welchen Seiten man angegriffen und kritisiert wird. Sollen all die doch Verantwortung übernehmen und den Verein unterstützen.

Wen meinen Sie?

Das konnte man lesen!

Sie legen sich bereits wieder an!

Nein, ich habe nur einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Wer oder was hat Ihnen in den letzten Tagen Freude bereitet?

Meine Familie, die mich voll unterstützt. Unser neuer Trainer Herr Della Casa bringt Schwung, Temperament, Lebensfreude und Motivation in den Klub. Und natürlich der Zusammenhalt, den wir als Krisenteam in den letzten drei Tagen erlebt haben, ohne den eine solche Aufgabe überhaupt nicht zu bewältigen gewesen wäre. Das tut gut. Das gefällt mir.

Was erwarten Sie von der Mannschaft sportlich?

Dass sie ebendiese Freude spürt und einen schönen Fussball spielt.

Und rangmässig?

Da will ich mich nicht festlegen (hält inne). So, das reicht. Ich habe genug geredet. Das nächste Mal sage ich wieder etwas in drei Jahren.

Typisch Rolf Bieri!