Sein Wechsel vom FC Olten zum FC Wangen schlug im Juni in der Region hohe Wellen: Juan Castro hatte beim Stadtklub für die neue Saison schon zugesagt, als sich bei seinem Stammverein FC Wangen nach dem Abstieg aus der 1. Liga eine neue Türe öffnete. «Es ist eine Herzensangelegenheit für mich. Ich will meinem Jugendverein beim Umbruch helfen», begründete der 38-Jährige seinen Abgang vor knapp zwei Monaten.

Kann sich Juan Castro überhaupt noch in Olten blicken lassen? «Klar, ich wohne ja sogar in Olten», antwortet er. Aufgelauert habe ihm bis jetzt noch niemand. «Es gibt schon mal einen dummen Spruch, aber so viele Leute gabs beim FC Olten ja dann auch nicht im Verein.» Er ist aus seiner Sicht im Guten gegangen: «Mit den Spielern, mit denen ich es gut hatte, habe ich weiterhin Kontakt», betont er.

Vor drei Jahren war Castro noch Sportchef beim FC Wangen. Jetzt kehrt er als Trainer zurück. Sein Abgang bei Olten war vielleicht etwas undurchsichtig, doch man kann ihm nicht vorwerfen, dass er den Weg des geringsten Widerstands sucht. «Es war ein Risiko», stellt er klar, «ich hätte auch beim FC Olten bleiben und einfach weitermachen können. Als ich beim FC Wangen offiziell zusagte, hatte noch kein einziger Spieler sein OK für die nächste Saison gegeben.» Nur eine Handvoll Spieler entschied sich schliesslich dazu, trotz Relegation auf der Chrüzmatt zu bleiben.

Nur noch am Telefon

Castro war gefordert. Doch da die Konkurrenz in der 2. Liga inter mit vielen Klubs auf engem Raum gross sei, gestaltete sich die Spielersuche schwierig: «Ich verkürzte extra meine Ferien und war praktisch nur noch am Telefon.» Nun ist er froh, dass er «eine gute Mannschaft zusammengebracht» hat. «Wir nahmen viele junge Spieler ins Kader auf und geben diesen die Möglichkeit, sich zu beweisen.» Die Kaderplanung sei aber noch nicht abgeschlossen. Der 38-Jährige will in der Defensive noch zulegen: «Hinten sind wir nicht so breit aufgestellt. Vor allem wird uns Faton Hajdari noch eine Weile fehlen.» Castro sucht daher einen Innen- sowie einen Aussenverteidiger, um das Kader zu komplettieren.

«Ein Goldgriff»

Die Lücke in der Offensive konnte Castro letzt Woche mit einem Blitztransfer füllen. Er holte den Brasilianer Douglas Tardin zurück zum FC Wangen. Der 25-Jährige hatte in der Saison 2014/15 in 19 Spielen in der 1. Liga 11 Tore erzielt. Zuletzt war Douglas ohne Verein. «Das ist ein richtiger Goldgriff für uns», freut sich Castro. «Ich war immer in Kontakt mit ihm, so hat sich der Wechsel halt ergeben.»

Nach mehr als zwanzig Spielzeiten in höheren Ligen muss sich der FC Wangen jetzt in der 2. Liga inter wieder neu orientieren. «Nach dem Umbruch und der nicht optimalen Vorbereitung ist es schwierig zu sagen, wie gut wir sind», wägt der Trainer ab. «Aber wir wollen sicher in die erste Ranglistenhälfte.» Der Topfavorit für den ersten Platz sei Muri. «Auf jeden Fall wird es sehr eng und wegen den vielen Derbys eine brisante Saison.» Welcher der vier Solothurner Klubs hat am Ende die Nase vorne? «Der FC Wangen», ist Castro überzeugt.