«Die erste Halbzeit war nicht schlecht, aber im Aufbau und in der Offensive kam klar noch zu wenig», bilanzierte Rothrist-Trainer Willy Neuenschwander nach dem ersten Spiel der Saison. Gegner Wangen, der Absteiger aus der 1. Liga, war den Platzherren in vielen Belangen überlegen. Da war zum einen die individuelle Klasse: Mehrmals erntete ein Wangner Szenenapplaus, wenn er einen Rothrister aussteigen liess. Und da war etwa das Sprinttempo von Douglas Rosa Tardin, mit dem auch Lauret Popaj, der wohl schnellste Rothrister, nicht mithalten konnte.

Abgang vieler Leistungsträger

Immerhin – die Fehlpassquote dürfte bei den Wangnern deutlich höher gewesen sein als beim FCR, der auch punkto Zweikampfverhalten kompromissloser und energischer wirkte. In den Angriffsbemühungen ist bezüglich Kreativität jedoch Steigerungspotenzial vorhanden. «Wir müssen uns als Team erst noch finden», sagt Willy Neuenschwander. Seine Equipe hat im Vergleich zum Vorjahr ein ganz anderes Gesicht. «Nach dem Abgang vieler Leistungsträger kann nur der Ligaerhalt unser Ziel sein, alles andere ist Zugabe. Es ist nun an den Jungen, Verantwortung zu übernehmen. So will es die Vereinsphilosophie – und daran arbeiten wir also», gab er sich kämpferisch nach einem Spiel, das er selbst auch als «eher harmloses Geplänkel» umschrieb.

Chancen vermochten auch die Wangner kaum zu kreieren. An einer Hand konnte man abzählen, wie oft die Solothurner in den gut 90 Minuten vor dem Rothrister Tor auftauchten. Gabriel Strub, mit 17 Jahren der Jüngste auf dem Feld, traf aus dem Gewühl heraus in der 53. Minute zum 0:1. Rosa Tardin profitierte zehn Minuten vor Abpfiff von einem Patzer in der Rothrister Abwehr und schob zum 0:2 ein.

«Unterhaltsam» war die Startviertelstunde. Mehrmals mussten sich die
Rothrister enervieren. Dem ersten Torschuss nach drei Minuten und einer mit einem vermeintlichen Offside erstickten Chance folgte in der 7. Minute ein Schreckmoment. Wangen-Goalie Marco Häfliger rannte dem aufs Tor stürmenden Popaj mit vollem Tempo entgegen und nahm bei seiner Abwehraktion eine Verletzung Popajs in Kauf. Letzterer blieb bei der «Kollision» unversehrt, spürte während dem Rest der Partie aber Rückenschmerzen. Der Schiedsrichter entschied auf Foul am Keeper. Später stand ein ungeahndetes Handspiel am Anfang eines Wangner Konters, dessen Abschluss Rosa Tardin neben das Gehäuse verzog. Luft nach oben haben also viele der Beteiligten des Auftaktspiels: die Wangner, die Rothrister und die Unparteiischen.

Wangen ohne Routiniers

Obwohl noch längst nicht alles zusammenpasste, war Wangens neuer Trainer Juan Castro zufrieden mit dem ersten Auftritt: «Vor dem ersten Spiel weiss man nie so richtig, wo man steht. In der Startviertelstunde waren wir noch etwas nervös und hatten ein paar Abstimmungsfehler.» Mit der Fortdauer des Spiels habe seine Mannschaft das Diktat übernommen. «Douglas hatte in schon der ersten Halbzeit zwei gute Chancen, uns in Führung zu schiessen», sagte Castro und fügte an: «Nach dem Seitenwechsel konnten wir das Spiel kontrollieren, sogar dominieren.» Der Sieg sei auch in der Höhe verdient.

Castro verwies darauf, dass mit Felipe Hajdari (verletzt), Skender Zeqiri (angeschlagen auf der Bank) und Besart Xhema, der mit Fieber spielte, die Routiniers fehlten. «Es standen mehrere Spieler auf dem Platz, die in der letzten Saison noch in der 3. oder sogar in der 4. Liga aufliefen», so Castro. «Diese Jungs sollen sich diese Saison in der 2. Liga inter etablieren. Dass das Potenzial vorhanden ist, haben sie ein erstes Mal bewiesen gegen Rothrist.»