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FC-Solothurn-Trainer: «Spieler müssen schnell begreifen, wer der Chef ist»

Zeigt seinen Spielern wo es lang geht: Der Solothurn-Retter Aziz Sayilir steht vor einer richtungsweisenden Saison.

Zeigt seinen Spielern wo es lang geht: Der Solothurn-Retter Aziz Sayilir steht vor einer richtungsweisenden Saison.

Aziz Sayilir führte den FC Solothurn zum nicht mehr für möglich geglaubten Ligaerhalt. Im Interview spricht der FCS-Retter über unpopuläre Massnahmen und anstehende Saisonziele.

Der FC Solothurn startet am Samstag zu Hause gegen Münsingen in die 1.-Liga-Saison 2014/2015. Dass die Solothurner auch die kommende Spielzeit in der 1. Liga starten dürfen, ist ein grosser Verdienst von Aziz Sayilir. Ende März übernahm der bis zu diesem Zeitpunkt U16-Trainer die erste Mannschaft. Mit 19 Punkten aus den letzten neun Spielen – der FCS hatte bis zu diesem Zeitpunkt gerade mal 13 Punkte auf dem Konto – führte Sayilir seine Schützlinge zum wundersamen Ligaerhalt.

Herr Aziz Sayilir, was war ihr Erfolgsrezept gegen den sicher geglaubten Abstieg?

Aziz Sayilir: Das ist schon so lange her, das weiss ich fast nicht mehr (lacht). Im Ernst, ich schaue lieber in die Zukunft. Ausserdem waren es viele Details, die ich verändert habe. Ich musste das Vertrauen der Mannschaft gewinnen und den Jungs das Selbstvertrauen zurückgeben. Aber ich musste auch sofort meine Autorität untermauern und unpopuläre Entscheidungen treffen.

Was waren das konkret für Entscheidungen?

Zum Beispiel habe ich den Torhüter gewechselt. Dazu habe ich aufgrund von Disziplinlosigkeiten einen Spieler gesperrt. So habe ich den Jungs von Beginn an gezeigt, dass ich keine Störfaktoren dulde. Gegenseitiger Respekt steht für mich an vorderster Front und sie mussten schnell begreifen, wer der Chef ist. Aber auch spielerische Elemente habe ich verändert. Beispielsweise die Systemumstellung auf 4-3-3 oder das Gegenpressing, also das schnellere Umschalten von Offensive auf Defensive. Das waren alles sehr gewagte Entscheidungen, zum Glück sind diese gut gegangen.

Wie gross war für Sie persönlich die Umstellung von der U16 zur ersten Mannschaft?

Ehrlich gesagt habe ich mir die Umstellung schwieriger vorgestellt. Ich hatte schon einen gewissen Respekt, nicht mehr nur mit Junioren zusammenzuarbeiten. Es ist mir aber zugute gekommen, dass ich die meisten Spieler noch von der U16 gekannt habe. So konnte ich auch Positionsveränderungen einzelner Spieler vornehmen, die sich im Laufe der Saison bezahlt gemacht haben. Die grösste Umstellung war das ganze Drumherum. Plötzlich interessieren sich die Medien oder das Umfeld des FC Solothurn für mich.

Zu Beginn waren viele aus dem Umfeld Ihnen gegenüber skeptisch – oder gar fast schon enttäuscht mit der Trainerwahl. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich war schon etwas enttäuscht, besonders von gewissen Medien. Klar war ich nicht die prominente Lösung, aber wieso sollte ein berühmter Name die bessere Variante sein? Der FC Solothurn will viele Eigengewächse integrieren, dafür bin ich der Richtige? Ausserdem habe ich mir die Chance nach sechs Jahren guter Arbeit verdient.

Demzufolge war die Genugtuung über den Ligaerhalt entsprechend gross?

Klar war ich zufrieden, dass wir nicht abgestiegen sind. Ich denke, das war für den ganzen Kanton eine gute Nachricht – schliesslich spielen wir unter dem Kantonsnamen. Aber eine Genugtuung gegenüber den Skeptikern verspürte ich keine, es darf ja jeder seine eigene Meinung haben.

Wer hat Ihnen alles zur Rettung gratuliert?

Besonders hat mich die Gratulation des Stadtpräsidenten (Kurt Fluri, d. Red.) gefreut. Es macht mir grosse Freude, wenn die Leute unsere Arbeit schätzen. Das motiviert mich für weitere Aufgaben.

Was sind Ihre Ziele für die neue Spielzeit?

Wir haben, bis auf der Stürmerposition, alle Abgänge gut kompensiert. Ich schätze unsere Mannschaft sogar noch stärker ein als letzte Saison, wo wir in den letzten neun Spielen die zweitbeste Mannschaft der Liga waren. Auch wenn uns vorne noch ein Knipser fehlt und diese Gruppe wohl die Stärkste in der 1. Liga ist, denke ich, dass wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden. Wir nehmen es von Spiel zu Spiel, aber mein Ziel ist es eigentlich vorne mitzuspielen.

Zu Beginn sass der Sportchef neben Ihnen auf der Ersatzbank – wird das auch in Zukunft zu sehen sein?

Das war nur im ersten Spiel so, weil mich die sportliche Leitung unterstützen wollte. Danach wollte ich das nicht mehr, weil es meine Autorität gegenüber den Spielern untergraben hätte.

Was sind Ihre persönlichen Ziele als Trainer?

Zunächst möchte ich das A+-Diplom absolvieren, wo ich noch auf die Teilnahmebestätigung warte. Ansonsten nehme ich alles wie es kommt, mein Traum war eigentlich immer eine Nachwuchs-Spitzenmannschaft zu trainieren. Dies durfte ich beim FCS ja bereits. Von einem Engagement in der 1. Liga hätte ich nie zu träumen gewagt. Ich bin Realist und will erst mal meine Arbeit bestätigen.

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