Wer am Donnerstagabend bei der Pressekonferenz des FC Solothurn zum Trainerwechsel einen Knallefekt im Stadion erwartet hatte, einen grossen Namen wie Beni Huggel etwa, einer, der ein Zeichen gesetzt hätte, der ging enttäuscht nach Hause. Der neue Cheftrainer des FC Solothurn heisst Aziz Sayilir und ist auf Niveau 1. Liga ein gänzlicher Nobody.

Selber spielte Sayilir, der in Rothrist lebt, nie höher als in der 2. Liga. Mit dem FC Oensingen sammelte er während dreier Jahren als Spielertrainer Erfahrung – auch das keine Adresse, um berühmt zu werden.

Seit fünf Jahren trainiert Aziz Sayilir nun den Solothurner U16-Nachwuchs und hier hat er sich als Ausbildner einen guten Ruf verdient. «Als mich die Vereinsleitung anfragte, konnte ich in dieser schwierigen Situation nicht Nein sagen», erklärt Sayilir, wie er als Unbekannter zum Trainer einer Erstligamannschaft wurde.

Mit Aziz Sayilir wird also der U16-Trainer Nachfolger des nach dem misslungenen Start in den Frühling entlassenen Patrik Grolimund. Und der war vor einem Jahr noch U15-Trainer, als er die «Mission impossible» übernahm, mit einem total unerfahrenen, extrem jungen Kader, das aus Geldmangel hauptsächlich aus dem eigenen Nachwuchs gebildet wurde, in der 1. Liga zu bestehen. Grolimund ist gescheitert.

Du hast keine Chance, nutze sie! Unter diesem Motto muss Aziz Saylir die Rettung vor dem Fall in die totale Anonymität versuchen. Denn das FCS-Kader ist in der Winterpause nicht besser geworden. Von den sieben Neuzuzügen hat bisher nur die Rückkehr von Marc Du Buisson etwas Positives ausgelöst. Auf der anderen Seite dämpft die schwere Verletzung von Silvan Büchli die Solothurner Hoffnungen.

Die Frage, was sich der FC Solothurn von diesem Trainerwechsel verspricht, blieb ohne Antwort. Jürg Naegeli verweigerte als Mitglied der Geschäftsleitung ein Statement. Ronny Vetter, der andere starke Mann der Geschäftsleitung, wurde nicht mehr gesehen, nachdem er um 18 Uhr den neuen Trainer den Spielern vorgestellt hatte. Dabei musste man Aziz Sayilir den meisten Spielern gar nicht vorstellen. Mehr als die Hälfte spielte eine Zeit lang unter ihm im Nachwuchs. Das könnte Sayilirs Trumpf im harten Kampf gegen den Abstieg sein, denn er kennt seine Kicker bereits, sowohl ihre Stärken wie ihre Schwächen.

Das hilft wenig, weil der Mannschaft die Erfahrung und einigen Spielern das Rüstzeug für die 1. Liga fehlt. Das ist im Kampf gegen den Abstieg ein grosses Risiko. Was kann ein neuer Trainer in dieser extrem schwierigen Situation unternehmen? «Das Wichtigste ist, dass wir alles vergessen, was vorher passiert ist. Wir beginnen bei Null und ich erwarte eine Reaktion der Spieler», antwortet Sayilir. Obwohl er bei Durchhalteparolen bleibt und keine konkreten Massnahmen nennt, will der neue Trainer die Abstiegsgefahr nicht wegdiskutieren. «Für den FC Solothurn wäre das sehr schlimm. Ich will den Abstieg um jeden Preis verhindern. Ich glaube, wir schaffen das.»