Das Konzept der beiden starken Erstligisten glich sich wie ein Ei dem anderen: Mit frühem Pressing den ballführenden Gegenspieler unter Druck setzen in der Defensive, geduldiger Aufbau über die ganze Spielfeldbreite in der Offensive. Das hatte eine ausgeglichene erste Halbzeit zur Folge. Das taktisch-spielerische Niveau war hoch, aber spannende Strafraumszenen blieben im Spitzenkampf zwischen der GC-Reserve und Solothurn selten.

Einen grossen Unterschied gab es aber doch: Mit Meriton Kastrati, Cédric Zesiger, Nathan Cardoso, Marko Basic und Petar Pusic standen bei den Grasshoppers nicht weniger als fünf Spieler aus dem Kader der Super League auf dem Platz, während bei Solothurn ausgerechnet der ehemalige FCZ-Profi Raphael Koch wegen muskulärer Probleme nicht mitmachen konnte.

Viele Inputs vom Trainer

Und trotzdem: Die erste Chance bot sich Solothurn. Loïc Chatton brach seitlich durch, pokerte dann aber etwas zu offensichtlich auf einen Strafstoss, und der FCS-Topskorer wurde wegen Unsportlichkeit verwarnt.

Das anstrengende Vorbereitungsprogramm hat sich für Solothurn gelohnt. Die Mannschaft wirkte im ersten Meisterschaftsspiel des Jahres parat, fit und eingespielt, als hätte es gar keine Winterpause gegeben. Was auffiel, war das aktive, konstruktive Coaching des Solothurner Trainers: «Zwei Schritte nach rechts, Ballbesitz, Ballbesitz, aufrücken», rief Dariusz Skrzypczak seinen Spielern Anweisungen zu, die diese auf dem Rasen willig umsetzten.

GC gleicht postwendend aus

«Steven Ukoh lief auf die Verteidiger zu, Loïc Chatton und Hannes Hunziker gingen in die Breite und zogen ihre Gegner mit. Dadurch öffneten sie die Schussbahn und Ukoh traf perfekt ins tiefe Eck.» Mit diesen Worten analysierte FCS-Captain Marc Du Buisson nach dem Match das 1:0 der Solothurner.

Die meisten Tore fallen in der Minute, nach welcher bereits ein Tor gefallen ist. Diese alte Fussballerweisheit bewahrheitete sich auf dem GC-Campus in Niederhasli. Im Anschluss an einen Eckball brachten die Solothurner den Ball nicht aus der Gefahrenzone, und schliesslich war es Amel Rustemoski, der den Ausgleich erzielte. «Das war ein Dämpfer und ich regte mich schon ein wenig auf», meinte Du Buisson zu dieser Szene. «Aber es spricht für die Moral der Mannschaft, dass wir den Glauben an den Sieg trotzdem nicht verloren haben.»

Hunziker mit dem Gamewinner

Die Grasshoppers setzten nach und machten weiter Druck. Solothurn hatte in der Defensive etwas mehr Mühe, bekam aber etwas mehr Raum für Gegenstösse. Mehrfach scheiterten die überfallartigen Angriffe beim letzten Pass. So fasste sich Hannes Hunziker ein Herz. Mit seiner Antrittsgewalt liess er die erste Reihe der Verteidiger hinter sich, täuschte links an, dann rechts, schoss selber und traf zum 2:1 für den FC Solothurn. Hunziker entschied so mit seiner individuellen Klasse ein Spiel zwischen zwei gleichwertigen Mannschaften für Solothurn.

Es war ein perfekter Start in die Frühlingsrunde und auch Trainer Skrzypczak hatte nur Lob für seine Mannschaft: «Nach einem Sieg gegen einen direkten Konkurrenten um den Gruppensieg, der zudem noch sehr gut gespielt hat, kann ich nur zufrieden sein. Wir haben unsere Qualitäten gezeigt, obwohl es uns die Grasshoppers nicht einfach gemacht haben.» Dariusz Skrzypczak sprach von der Laufbereitschaft, dem kompakten Auftritt und der konzentrierten Leistung in der Defensive. «Wir haben heute aber nur einen kleinen Schritt Richtung Finalrunde gemacht. Es müssen noch viele weitere folgen.»