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FC Grenchen: Weitere Abgänge und ein schweigender Präsident

Präsident Rolf Bieri (links) schweigt und lässt sich nach wie vor über seinen Pressechef Gerd Frera zitieren.

Präsident Rolf Bieri (links) schweigt und lässt sich nach wie vor über seinen Pressechef Gerd Frera zitieren.

Nach dem Eklat und den Abgängen von Trainer Max Rüetschli und Sportchef Peter Baumann herrscht beim FC Grenchen Sprachlosigkeit. Vor allem bei Präsident Rolf Bieri, der sich zu den Vorgängen nach wie vor nicht persönlich äussert.

Trainer weg, Sportchef weg, Assistenztrainer weg, Masseurin weg. Die Zukunft der Spiko-Präsidentin ungewiss, das Verhalten der Mannschaft unklar. Die Lage beim FC Grenchen gleicht drei Tage vor dem Meisterschaftsstart einem einzigen Scherbenhaufen. «So macht das Ganze keinen Spass mehr», sagt Lilo Dellsperger konsterniert und gibt den Zustand im Verein treffend wieder.

Die Spiko-Präsidentin führt seit 13 Jahren die Geschicke umsichtig im Hintergrund. Wie lange noch, lässt sie offen. Einen Entschluss hat Dellsperger allerdings gefasst. In der aktuellen personellen Zusammensetzung des Vorstands sieht sie keine Zukunft mehr. Ihre Botschaft ist unmissverständlich an die Adresse von Klubpräsident Rolf Bieri gerichtet.

Trainer: Della Casa oder Fimian

Die Stimmung ist am Boden, die Nerven liegen blank. Die Trennung von Trainer Max Rüetschli und Sportchef Peter Baumann am Dienstag war ein Paukenschlag und liess die Emotionen auch gestern hochkochen.

Wie geht es weiter, lautet die Frage. Das Fundament des FC Grenchen ist am Bröckeln. Lilo Dellsperger spricht das aus, was viele andere denken. «Die Existenz des FC Grenchen steht auf dem Spiel.»

Jene Person, die eine Antwort liefern müsste und Ruhe reinbringen könnte schwieg auch gestern eisern. Rolf Bieri stand erneut für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Der Klub-Boss lässt sich weiterhin über seinen Pressechef und notabene Hauptsponsor, Gerd Frera, verlauten.

«Herr Bieri ist mit der Verpflichtung des neuen Trainers beschäftigt, der heute der Mannschaft und den Medien vorgestellt wird», so Frera. Beim neuen Mann soll es sich, gemäss Recherchen, um Edvaldo Della Casa handeln, der in der vergangenen Saison den Ligakonkurrent FC Wangen bei Olten betreute.

«Ja, ich wurde kontaktiert», bestätigt der Brasilianer. Als weiter Kandidat wird André Fimian gehandelt, der bei den Solothurnern letzte Spielzeit bereits ein kurzes Gastspiel als technischer Leiter Nachwuchs gab.

Rolf Bieri hatte gestern Abend noch einen weiteren Termin. Er musste sich bei den Gönnervereinigungen Club 200 und Club 3000 erklären, die den FC Grenchen mit namhaften Beiträgen unterstützen. «Das Treffen war schon länger geplant.

Durch die Vorkommnisse der letzten Tage wollen wir wissen, was los ist», sagt Rolf Probst, Präsident vom Club 200. Vom Entscheid der Donatoren, ob sie unter den gegebenen Umständen den Verein weiter unterstützen werden, dürfte Rolf Bieris präsidiales Schicksal beim FC Grenchen abhängen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Max Rüetschli und Peter Baumann einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das finanzielle Engagement der Gönner ausübten. Rolf Probst lässt sich in diesem Punkt nicht in die Karten blicken.

Spesen sollen beglichen werden

Nach wie vor unklar ist, wie sich die Mannschaft nach dem Zerwürfnis verhalten wird. Die Verabschiedung der sportlichen Leitung in der Kabine vor der Partie gegen Biel verdeutlichte die enge Beziehung des Teams zu Trainer und Sportchef.

Gerd Frera geht davon aus, dass sämtliche Spieler heute im Training erscheinen werden, zumal er in Aussicht stellt, dass die ausstehenden Spesen in den nächsten Tagen beglichen werden sollen.

Freras Aussage macht die Posse mit existenziellem Hintergrund perfekt. Es handelt sich um jene offenen Rechnungen, die an der ausserordentlichen Vorstandsitzung am Montag das Fass emotional zum Überlaufen brachten.

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