"Das Geld fehlt an allen Ecken und Enden", sagt Lilo Dellsperger. Die 69-Jährige ist quasi die personifizierte Zentrale des FC Grenchen. Seit sich die französischen Investoren und ihre Entourage Anfang September verflüchtig haben, laufen die Fäden bei der offiziell für Administration und den Spielbetrieb Zuständigen zusammen. Nach all den leeren Versprechungen und den Luftschlössern, die sich in Luft auflösten, ziemlich versponnene Fäden. „Inzwischen geht es langsam wieder“, sagt Dellspeger.  60, 70 ehrenamtliche Stunden pro Woche waren für sie zuletzt keine Ausnahme. "Ich hätte darum nichts dagegen, wenn am Mittwoch an der ordentlichen Generalversammlung jemand aufsteht, und sich als Präsident meldet.“ Am besten natürlich einer, der noch ein ordentliches "Säckli mit Nötli“ mitbringt" oder Derartige kennt, die solche Säcklis haben. Fakt ist, dass die vermeintlichen, französischen Investoren, die im Mai kamen und im September gingen, keinen Franken gebracht aber viele gekostet haben. So musste der Verein für den ersten Lohn der „nouvelle Equipe“, die ja mit neuen Spielern aus Frankreich bestückt war, aufkommen. Und auch die Entschädigung von Coach Najib Mehli ging zu Lasten der Vereinskasse. "Dieses Geld fehlt uns heute spürbar", sagt Dellsperger.

Bieri-Darlehen trägt

Die finanzielle Decke, auf der sich der FC Grenchen tummelt, ist also hauchdünn. Eine Decke notabene, die auch wegen des Darlehens des vor-vormaligen Präsidenten Rolf Bieri, das nach wie vor im Verein steckt, noch nicht zerrissen ist. Dabei handelt es sich um eine Anleihe von rund 80 000 Franken. Je nach Blickpunkt kann man dieses Geld als  Zeitbombe, als Absicherung oder fürstliche Geste betrachten. Fakt ist, dass der vormalige FCG-Präsident auf dieses Geld (noch) nicht verzichtet. Bieri, ein Herzblut-Grenchner und nach wie vor C-Junioren-Trainer, macht freilich keinen Druck, das Geld zurückzufordern. „Vielleicht werde ich es einmal sogar ganz abschreiben“, sagt er. Es dem Klub also schenken. Je nach dem, wer da allenfalls in absehbarerer Zukunft das Kommando beim FCG übernimmt, könnte sich das mit Bieris Grosszügigkeit schnell ändern. Schliesslich gab es da unter seiner Ägide, vor allem im Uhrencup-Zwist, die eine oder andere heftige Fehde. „Es gibt Leute, die mein Geld gar nicht bräuchten und es auch gar nicht wollten, wenn sie den FC Grenchen führen sollten“, sagt Bieri mit „nettem“ Unterton.

Vorsitz statt Präsi

Sollte sich am Mittwoch im Stadion kein neuer Präsident finden, was sich Rolf Probst, Präsident des Klub 200 „gut vorstellen kann“, dann "werden wir einen Vorstandsvorsitz bestimmen", so Lilo Dellsperger. Am ehesten wäre dann das ja ein Job für sie selbst. So oder so aber werde in Zukunft „kein einziger Entscheid mehr im Solo gefällt, sondern fortan alles im Gremium." Neben Dellspegerger gehören der FCG-Führung derzeit Sportchef Renato Brun, Finanzchef Rolf Janz, Juniorentrainer-Koordinator  Beat Schwab und  Kerstin Schlup vom Club 300 an. Verstärkung, vorab im Marketingbereich,  lassen offensichtlich Bereitschaft erkennen, künftig im Hintergrund mitzuwirken. Und was meint Sponsoren-Chef Probst zum Bieri-Darlehen. „Wenn Rolf Bieri das Geld per sofort aus dem Verein rausnähme, ginge der FC Grenchen Konkurs. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass er will oder dem Verein überhaupt schaden will.“ Alles weitere zu diesem Thema folge an der GV, sagt Probst.

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