«Locker bleiben, keinen Druck aufbauen.» Mit diesen Worten versuchte Bellachs Trainer Sandro De Cubellis beim Einlaufen, vor dem Saisonhöhepunkt seiner Mannschaft die Last der grossen Erwartungshaltung von den Schultern zu nehmen. Als Sieger des Solothurner Cups durfte Bellach am Schweizer Cup teilnehmen. Das Los meinte es nicht sehr gut: Köniz aus der Promotionsliga war zwar ein übermächtiger Gegner, aber eben kein Publikumsmagnet wie es YB oder Basel gewesen wären.

So ging Bellach konzentriert ins Cupspiel, und man sah, dass das Team aus der Solothurner 2. Liga bestens auf den Gegner eingestellt war, der drei Klassen höher eingestuft ist. Köniz seinerseits machte mit einem frühen Forechecking die Räume eng und zwang die Solothurner zu langen Pässen. Der Underdog liess in der ersten Viertelstunde nichts anbrennen – bis ein in der Vorwärtsbewegung verschenkter Ball und zwei verlorene Zweikämpfe alles zunichtemachten.

Der Brasilianer Guto konnte den Ball mit der Fussspitze an Goalie Luca Palermo vorbeilegen. Die Berner Halbprofis nutzten ihre erste Chance und gingen in Führung. Und in diesem Rhythmus ging es weiter: Das 0:2 entstand aus einem unnötigen Penalty. Weil keine Torgefahr bestand, war das Foul absolut unnötig. Beim 0:3 nur wenige Augenblicke später waren die Bellacher noch nicht richtig sortiert und das 0:4 entstand kurz vor der Pause wiederum aus einem in der Vorwärtsbewegung verlorenen Zweikampf. Köniz wirkte zwar leicht überlegen, zeichnete sich aber eigentlich nur durch seine perfekte Chancenauswertung aus.

Enttäuscht und genervt

Vier Tore nach vier Fehlern waren die Maximalstrafe für eine an sich gute Leistung. «Entsprechend enttäuscht und genervt war die Mannschaft in der Pause», kommentierte dies Trainer Sandro De Cubellis. Er schien in der Kabine die richtigen Worte gefunden zu haben. Die Bellacher wirkten in der zweiten Halbzeit wie verwandelt. Sie dominierten, verzeichneten mehr Ballbesitz als der oberklassige Gegner.

Shaban Arifi war der Erste, der den Ehrentreffer auf dem Fuss hatte, aber er traf mit seinem Schuss nur die Latte. Alban Xhema gewann nun im Mittelfeld jeden Zweikampf, und es rollte ein Angriff nach dem anderen Richtung Könizer Tor. «»Jetzt sind wir seit 33 Minuten die bessere Mannschaft», sagte Co-Trainer Oscar Tavoletta in der 78. Minute. «Der Druck ist weg und jetzt können sie zeigen, was sie spielerisch draufhaben.»

Der FC Köniz beschränkte sich auf das Minimum und enttäuschte in der zweiten Halbzeit auf der ganzen Ebene. Als einziger Unterschied zu den Hobbykickern aus Bellach war nur die physische Überlegenheit und die Fitness zu erkennen. Die Bellacher waren am Ende zurecht mit ihrer Leistung zufrieden. «Wir haben vier dumme Fehler gemacht und Köniz hat jede Torchance gnadenlos verwertet», analysierte Sandro De Cubellis nach dem Schlusspfiff die beiden unterschiedlichen Hälften. «Aber alle haben sich noch einmal aufgerafft und wir haben eine hervorragende zweite Halbzeit gespielt.»

Nur gerade 250 Zuschauer auf der Brunnmatt, meldete der FC Bellach, was für ein Spiel in der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups doch etwas enttäuschend ist. Anwesend waren aber sicher etwa 500 Personen, denn es wurden nur die tatsächlich zahlenden Zuschauer gezählt. Ein einziger hatte übrigens seinen Eintritt über den Ticketcorner gekauft. Es war Bellachs Vizepräsident Peter Bieli, der unbedingt wissen wollte, ob denn das überhaupt funktioniert.