Vanessa Bürki, wie geht es Ihrem Fuss?

Vanessa Bürki: Super, danke. Ich fühle mich gut und bin zuversichtlich, dass sich die Sache so positiv weiterentwickelt.

Können Sie denn den linken Fuss wieder voll belasten?

Vollgas kann ich noch nicht geben, aber ich bin auf dem besten Weg dahin.

Wie viel von 100 Prozent Leistung können Sie derzeit bringen?

Das kann ich so nicht sagen, aber ich bin, wie gesagt, auf gutem Weg und auf einem guten Niveau. Was noch fehlt, ist der Feinschliff.

Der letzte Match liegt für Sie drei Monate zurück. Reicht Ihre Routine, um der Mannschaft in Kanada dennoch zu helfen?

Ich bin überzeugt davon. Das Gute an dieser Verletzung ist, dass es ein Bruch ist. Wenn der einmal geheilt ist, ist er geheilt – dann ist wieder alles zusammengewachsen. Nach einer Bänderverletzung ist es mental schwieriger, im Moment wo du zurückkommst, den unterbewussten Schongang auszuschalten.

Es gab Zeiten, da wollten Sie nicht mehr für die Nati spielen – heute wollen Sie es offenbar unbedingt. Was hat sich verändert?

Wenn man die ganze Qualifikation mitgemacht hat, will man an der WM natürlich auch dabei sein. Die Chance, an einer WM teilzunehmen, kommt für mich wohl nicht mehr so schnell. Abgesehen davon haben wir eine Super-Mannschaft.

Sie haben 2004 in der Nati debütiert – wie fühlt es sich heute in der Nati an?

Der Frauenfussball ist in den letzten Jahren viel professioneller geworden. Es macht mir einfach Spass, in diesem ehrgeizigen Team zu spielen.

Stichwort Professionalität: Sie spielen bei Bayern, Teamkolleginnen von Ihnen in Frankreich oder Schweden. Ein Grund für die Leistungsentwicklung der Nati?

Engagements im Ausland tragen immer dazu bei, das Niveau zu heben – vor allem dann, wenn man in Topnationen engagiert ist. Das gibt definitiv auch Selbstvertrauen. Aber eben, die Strukturen haben sich enorm entwickelt und wir haben mit Martina Voss-Tecklenburg eine Supertrainerin, die uns seit ihrem Amtsantritt zu einem starken Team geformt hat.

Was trauen Sie der Schweiz an der WM zu?

Wir fliegen bestimmt nicht an die WM, um einfach dabei zu sein. An einem guten Tag können wir jedes Team schlagen.

Ist das der Unterschied zu den führenden Nationen? Dass die Schweiz einen Top-Tag braucht, um Topnationen zu schlagen, umgekehrt aber gelegentlich noch 90 oder 95 Prozent reichen?

Ja, so könnte man das sagen.

Was tun Sie, wenn die Schweiz in Kanada Weltmeister wird?

Oh, gute Frage – das habe ich mir noch gar nicht überlegt. Aber keine Angst, es wird mir zweifellos etwas einfallen, das ich mir gönnen würde… (lacht)

Sie sind in Grenchen aufgewachsen – wie oft sind Sie noch zuhause?

Ich habe meine Wurzeln da und bin schon ziemlich oft da, bei meiner Familie – aber mein Lebensmittelpunkt ist seit fast 10 Jahren Deutschland, sprich München.

Die deutsche Mentalität, die bisweilen etwas forsch auf uns Schweizer wirken mag, passt offenbar zu Ihnen?

Ich bin sehr glücklich in München und kann mich schon zur Wehr setzen, wenn es sein muss... (lacht)

Inwiefern haben Sie die zehn Jahre in Deutschland verändert?

Als Mensch gar nicht, denke ich. Ich bin ehrlich und geradlinig und das bin ich geblieben und das werde ich auch immer bleiben. In Sachen Fussball dagegen bin ich viel professioneller geworden.

Haben Sie das Spektakel rund um den FC Grenchen im Verlauf der letzten Jahre mitbekommen?

Ja, mein Vater hat mich auf dem Laufenden gehalten. Aber ehrlich gesagt geht das etwas an mir vorbei. Ich habe genug mit meiner eigenen Karriere zu tun.

Neben Marco Wölfli sind Sie der wohl populärste Grenchner Fussball-Export-Schlager. Kenne Sie ihn?

Ja, wir haben früher öfter zusammen «tschuttet». Ich weiss aber nicht, ob er sich noch daran erinnern kann…?

Dann haben Sie den Ex-Nati-Goalie schon bezwungen?

Ja, das kann sein, aber ob ich heute noch treffen würde…?

Ein WM-Spiel gegen Deutschland – träumen Sie davon?

Das wäre natürlich toll – aber so weit sind wir noch lange nicht. Jetzt fliegen wir erst Mal nach Kanada und nehmen da Spiel für Spiel.