«Es kam vor, dass er mit der Schweizer Nationalmannschaft unterwegs war und im Italien-Look rumspaziert ist», erinnert sich der Solothurner Kantonalkader-Verantwortliche Fritz Ryser. An der EM 2009 in Osijek etwa. Fabio Sciuto ist stolz auf sein italienisches Blut, das kraft seines sizilianischen Vaters in ihm fliesst. Die helvetische Delegationsleitung war damals in Kroatien weniger «amused» ob der «Sciuto-Fahnenflucht». Aber: «Ich habe mir sogar extra ein T-Shirt bestellt, dass ich an Wettkämpfen unter der Jacke trage», sagt der 36-Jährige. Nun, wenn das Stoffteil hilft, dass der Meisterschütze auf so hohem Level trifft, wie er das zuletzt tat, dann – Viva Italia!

Schon lange ein Oltner

Sciuto gehört schon lange zum Stamm von Oltens NLA-Truppe. 2004, beim bis dato letzten Meistertitel, hat der «Italo-Tell» auch schon seine Volltreffer beigetragen. Seither gab es für die fünffachen nationalen Meister (1995, 1996, 1997, 1998, 2004), elffachen Vizemeister und vierfachen Bronzegewinner indes «nur» noch Plätze links und rechts neben dem obersten Podest. Das soll sich am Samstag, am Final in Weinfelden ändern. «Wenn wir unser Potenzial abrufen, habe wir eine Chance, den Titel zu gewinnen», sagt Sciuto.

An Klasse zugelegt

Die sieben Qualifikationsrunden, an denen jeweils acht Schützen pro Team 20 Schuss stehend abfeuerten, haben die Oltner auf dem zweiten Rang abgeschlossen. Dieses hinter Serienmeister Tafers. Die Freiburger können auf die halben Nationalmannschaft bauen.

Dem Favoriten ein Bein stellen

Nun, was 2013 dem Oktett aus dem Glarnerland gelang, nämlich den Favoriten ein Bein zu stellen, das könnte heuer auch Olten schaffen. Mit dem amtierenden Schweizermeister und diesjährigen EM-Teilnehmer, Jan Lochbihler, sowie der Doppel-Kantonalmeisterin bei den Junioren, Diana Zwald, haben Dreitannenstädter heuer definitiv an «Potenza» zugelegt. Beide haben sich als echte Verstärkungen erwiesen. «Allein schon, dass die beiden dabei sind, hat uns allen einen Kick gegeben», gibt Sciuto zu. Vielleicht auch das ein Grund, weshalb der auch beruflich im Waffenproduktions- und -servicebereich tätige, gebürtige Oberbuchsiter derzeit so volle Kanone trifft. Nebst dem Squadra-Azzura-Shirt selbstverständlich.

«Nicht mehr so verbissen»

«Ich bin nicht mehr so verbissen wie früher», sagt Sciuto. Wie sagt man im Showgeschäft: Eine gute Performance abliefern – darum geht es. Und genau das, «abliefern» was in ihm steckt, will auch Sciuto. Früher hätte er, gelinde gesagt, ganz schön temperamentvoll reagieren können, wenn die Kugeln – porca miseria – nicht da landeten, wo sie sollten. Heute behält er seine Emotionen auf dem Boden, selbst wenn es Mal nicht kugelrund läuft.

Keine internationalen Ziele mehr

So wie etwa an der Kantonalmeisterschaft, an der er jüngst nach einer «schwachen» 95er-Passe hoch fertig schoss, und im Final mit 104,6 Punkten ein Weltklasseresultat ablieferte. «Besser war ich vorher nie», so Sciuto. Dennoch: International, das ist klar, «ist meine Karriere vorbei.» Die Dichte an der Weltspitze sei so enorm hoch und er familiär und beruflich so eingespannt, dass man das realistisch betrachten müsse. Zur Einordnung: Wer im Schiesssport international mithalten will, der muss mindestens Halbprofi sein. Um am Samstag in Weinfelden einen rauszuhauen, und seine Mannschaft vielleicht sogar zum Titel zu führen, dafür ist Fabio Sciuto freilich noch allemal «Ferrari, Lamborghini und Maserati» genug.