Schiesssport
Fabienne Füglister: Sie sucht den Weg aus der Stagnation

Ihr Talent wurde früh erkannt, Fabienne Füglister gehört seit vielen Jahren zum Nationalkader. Doch nach ersten, vielversprechenden Erfolgen lässt der ganz grosse Durchbruch auf sich warten. Olympia bleibt das Ziel.

Hans Peter Schläfli
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Fabienne Füglister wohnt in Aeschi, arbeitet als Berufsbildnerin bei der VEBO in Oensingen und trainiert in den bernischen Gemeinden Neuenegg und Oberburg.

Fabienne Füglister wohnt in Aeschi, arbeitet als Berufsbildnerin bei der VEBO in Oensingen und trainiert in den bernischen Gemeinden Neuenegg und Oberburg.

Hans Peter Schläfli

Als Zehnjährige wurde sie vom Vater zum Jungschützenkurs gebracht. Klein Fabienne war begeistert und schoss auch gleich sehr gute Resultate. Bald darauf erkannte auch der Schweizer Verband «Swiss Shooting» das Talent und förderte die heute 26-Jährige. 2004 wurde sie ins Zielkader aufgenommen, das zur Förderung für die WM 2010 gegründet wurde. 2009 durfte sie an die Juniorinnen-EM und belegte mit dem Kleinkalibergewehr im Wettkampf 3×20 den beachtlichen neunten Schlussrang. Es folgte 2011 der Sieg im Dreistellungsmatch der «Shooting Hopes».

«Mein grösster Erfolg war der vierte Platz am Weltcup 2013 in den USA», blickt Fabienne Füglister auf den steilen Start ihrer Karriere zurück. Dann wird sie nachdenklich. «Ich habe rasch ein gutes Niveau erreicht, aber in der letzten Zeit stagniere ich. Ich mache im technischen und im mentalen Bereich vieles richtig und trainiere auch intensiv, bin aber resultatmässig stehen geblieben.»

Beim Qualifikationswettkampf für die kommenden Luftgewehr-Europameisterschaften kam sie auf Rang sieben. Rang fünf wäre nötig gewesen, um in die nächste Runde zu kommen. Zweimal 618,8 sei ein ansprechendes Resultat, aber 624 Punkte wären nötig gewesen. «Schade», gibt sie zu, «aber nach der ersten Enttäuschung bin ich jetzt wieder voll motiviert».

«Mein grösster Erfolg war der vierte Platz am Weltcup 2013 in den USA.» So blickt Fabienne Füglister auf den steilen Start ihrer Karriere zurück.   

«Mein grösster Erfolg war der vierte Platz am Weltcup 2013 in den USA.» So blickt Fabienne Füglister auf den steilen Start ihrer Karriere zurück.   

zvg

Weite Wege und viel Aufwand

Dort, wo sich hinter Bern Hase und Fuchs Gute Nacht sagen, geht es noch ein paar Kilometer weiter durch den Wald und über Wiesen, bis man an idyllischer Lage auf dem Landstuhl in Neuenegg zur Schreinerei Daniel Streit AG kommt, wo im Keller die Sportschützen Thörishaus mit dem Luftgewehr trainieren. Seit ihrer Lehre als Polymechanikerin schiesst sie hier mit diesem Team in der Nationalliga A.

Aufgewachsen in Nussbaumen bei Baden begann Fabienne Füglister mit dem Schiessen bei den Freischützen Obersiggenthal und wechselte dann zu den Sportschützen Wettingen. Die Wege, die sie jede Woche für ihr Hobby zurücklegt, sind lang: Heute lebt sie in
Aeschi, sie arbeitet als Berufsbildnerin in der VEBO Oensingen und trainiert auch noch in Oberburg. «Der zeitliche Aufwand ist gross und ich muss schauen, dass die Regeneration nicht zu kurz kommt», weiss die junge Schützin. Aber es lohnt sich: Das Team der Sportschützen Thörishaus hat heuer den Schweizer-Meister-Titel erfolgreich verteidigt.

Fabienne Füglister sagt: «Der zeitliche Aufwand ist gross und ich muss schauen, dass die Regeneration nicht zu kurz kommt.»   

Fabienne Füglister sagt: «Der zeitliche Aufwand ist gross und ich muss schauen, dass die Regeneration nicht zu kurz kommt.»   

zvg

Tokio heisst das Ziel

Dass die Resultate stagnieren, das hat man auch beim Schweizer Verband bemerkt. Fabienne Füglister gehört weiterhin dem Kader an, aber die Trainer haben ihr mitgeteilt, dass ihnen die Ideen ausgegangen seien. Sie müsse es nun auf eigene Faust versuchen. Die Kritik des Verbandes nimmt sie sportlich. «Ich sehe es als Chance. Es ging wirklich nicht mehr weiter, die Trainer des Verbandes haben recht. Nun warte ich auf die Auswertung der Leistungsdiagnostik durch den Verband, um meine Trainings gezielter planen zu können.» Dann will sie mit einer neuen Gruppe und neuen Trainern versuchen, den zusätzlichen Kick zu bekommen, den sie braucht, um die zwei Prozent besser zu werden, die sie benötigt, um an die absolute Spitze zu kommen.

Denn ihr Ziel ist ambitioniert: «Jetzt will ich im Frühling im Kleinkaliber versuchen, mich für die Europameisterschaften zu qualifizieren. Danach werden bereits die Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2020 vergeben.» Um sich den Startplatz in Tokio erobern zu können, müsse sie sich rasch auf 1170 Punkte steigern können. «Derzeit liegen meine Resultate zwischen 1150 und 1158 Punkten. Das klingt nach einem kleinen Unterschied, es ist aber nicht einfach, so viel zuzulegen.» Knapp daneben ist eben auch daneben. Dessen ist sich Fabienne Füglister bewusst. «Ich weiss, dass ich das kann. Jetzt muss ich es aber endlich beweisen.»

Fabienne Füglister hat die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Blick.   

Fabienne Füglister hat die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Blick.   

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