Radsport
Fabian Lienhard aus Steinmaur ist U23 Schweizer Meister

Fabian Lienhard vom EKZ Racing Team holt sich nach einem emotionalen Rennen den Schweizermeistertitel der unter 23-jährigen. Der Steinmaurer gewinnt im Sprint das Duell mit Lukas Spengler vom BMC Racing Team.

Hans Peter Schläfli
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Lienhards Jubel nach der Zieldurchfahrt.

Lienhards Jubel nach der Zieldurchfahrt.

Hans Peter Schläfli

Es war ein tolles Rennen durch das Äussere Wasseramt: Kaum hatte Regierungsrat Roland Heim den Start in Kriegstetten freigegeben, lancierten schon ein paar Desperados den ersten Angriff. So ging es auf den ganzen 171 Kilometern weiter, es wurde kompromisslos gefahren. Nach einer halben Runde hatte sich bereits eine Spitzengruppe gebildet, die nie mehr eingeholt wurde. In diesem 14-Mann-Feld entwickelte sich ein gnadenloses Ausscheidungsrennen und die pausenlosen Angriffe hatten zur Folge, dass ein Fahrer nach dem anderen den Anschluss verlor, bis auf der Zielgeraden nur noch zwei übrig waren: Fabian Lienhard (EKZ) gewann das Duell im Sprint vor Lukas Spengler (BMC) und darf sich U23 Schweizer Meister nennen.

Tolle Ambiance

Man staunt immer wieder: Hätte der Kriegstetter OK-Präsident Roberto Marchetti nicht kurzfristig zugesagt, wäre dieses Jahr gar keine U23 Schweizer Meisterschaft ausgetragen worden. Tausendsassa Marchetti, der im Wasseramt auf ein grosses Team von eingespielten, freiwilligen Helfern zurückgreifen kann, schaffte es wieder einmal, innert kürzester Zeit ein tolles Rennen mit einer wunderbaren Ambiance auf die Beine zu stellen.

 Die EKZ-Taktik ging perfekt auf: Vorne zermürbte Lukas Müller mit seinen Angriffen die Gegner, Lukas Spengler vom BMC-Team musste immer wieder die Löcher stopfen, während sich dahinter der spätere Sieger Fabian Lienhard für den Endspurt schonte.
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 EKZ-Teamtaktik auf der Schlussrunde: Lukas Müller machte vorne die Gegner mit seinen Angriffen mürbe, hinten beobachtete der spätere Sieger Fabian Lienhard das Geschehen.
 Der geschlagene Held: Lukas Spengler (BMC) war auf sich alleine gestellt, führte bis zum Einbiegen in die Zielkurve und wurde von Fabian Lienhard (hinten) noch übersprintet.
 Fabian Lienhard, der neue Schweizer Meister U23, strahlt bei der Siegerehrung.
 Das Podest: Der Zweitplatzierte Lukas Spengler, Schweizer Meister U23 Fabian Lienhard und der Drittplatzierte Lukas Müller (von links).

Die EKZ-Taktik ging perfekt auf: Vorne zermürbte Lukas Müller mit seinen Angriffen die Gegner, Lukas Spengler vom BMC-Team musste immer wieder die Löcher stopfen, während sich dahinter der spätere Sieger Fabian Lienhard für den Endspurt schonte.

Hans Peter Schläfli

Auf der einen Seite durfte Marchetti also als OK-Präsident zufrieden mit dem gelungenen Nachmittag sein, auf der anderen Seite ärgerte er sich als Manager des Teams Roth-Felt aber über den Rennverlauf: In der drittletzten Runde rutschte nämlich EKZ-Fahrer Gian Friesecke auf einer Dohle aus und brachte den vor ihm fahrenden Dylan Page zu Fall. Damit verlor der grosse Sprint-Trumpf des Teams Roth den Kontakt zur Spitzengruppe und Titelverteidiger Simon Pellaud war plötzlich auf sich alleine gestellt.

EKZ hatte ab diesem Moment mit zwei Fahrern in der auf fünf Mann geschrumpften Spitzengruppe einen grossen taktischen Vorteil - und nutzte diesen gnadenlos. Lukas Müller attackierte vorne unablässig und zwang Pellaud dazu, die Löcher zu stopfen. In der letzten Runde ging Diego Wendelspiess vom VC Kaisten, dem besten Amateur im Feld, die Luft aus, und wenig später war auch Pellaud zermürbt. Einzig Lukas Spengler hielt mit den beiden harmonierenden EKZ-Fahrern mit, aber im Sprint hatte Lienhard, der das Geschehen meistens von hinten kontrollieren konnte, dann die besseren Beine.

«Weil ich ohne Team an den Start ging, freue ich mich über den zweiten Platz», sagte Lukas Spengler nach der Siegerehrung und fügte an: «Aber weil ich als erster in die letzte Kurve einbog, fühlt sich das Ganze trotzdem auch ein wenig wie eine verpasste Chance an.»

Sieger Lienhard dankte seinem Teamkollegen Lukas Müller für die tolle Vorarbeit. «Ich hatte das Gefühl, dass ich auf der kurzen Zielgeraden gewinnen kann, aber Lukas Spengler hat mich auf den letzten fünf Kilometern so oft attackiert, dass ich dachte, dass ich das nächste Mal das Loch nicht mehr zumachen könnte.»

Beim Querfeldein wurde Lienhard zwar 2012 Schweizer Meister beim Nachwuchs, aber auf der Strasse hatte er bisher weniger Glück: «Ich bin bei Schweizer Meisterschaften sicher schon fünfmal Dritter geworden und so ist es umso schöner, jetzt endlich eine Goldmedaille zu gewinnen.»