Chasing Cancellara
Fabian Cancellara: «Das Kopfsteinpflaster erinnert mich an Paris-Roubaix und die Flandern-Rundfahrt»

Als Geburtstagsgeschenk zur 10.Ausgabe der Bike Days Solothurn stellt sich Fabian Cancellara am Freitag, 4. Mai 2018, mit Chasing Cancellara seinen Herausforderern im Zeitfahren. Die 820 Meter lange Rundstrecke führt grösstenteils über Kopfsteinpflaster.

Olivia Schoch
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Fabian Cancellara auf dem Zeughausplatz.

Fabian Cancellara auf dem Zeughausplatz.

Thomas Ulrich

Wir befinden uns hier in der Altstadt von Solothurn, unter uns Kopfsteinpflaster. Sie sind soeben die Strecke für das Chasing Cancellara abgefahren, welches im Rahmen der Bike Days stattfinden wird. An was erinnert Sie das Kopfsteinpflaster?

Fabian Cancellara: Kopfsteinpflaster erinnert mich an meine Vergangenheit, an meine Erfolge, sei dies bei Paris-Roubaix oder bei der Flandern-Rundfahrt ist. Ich teile viele Emotionen mit dem Kopfsteinpflaster. Gleichzeitig hat Solothurn privat eine besondere Bedeutung für mich: Ich habe 2006 hier in der St. Ursen-Kathedrale geheiratet. Die Bike Days finden hier statt, welche das Mekka eines Velo-Wochenendes geworden sind. Dass wir jetzt mit Chasing Cancellara zusammen was machen, freut mich natürlich umso mehr. Es ist einfach eine runde Geschichte die Strecke beim Veranstaltungsgelände vom Baseltor her durch die Altstadt auf Pflasterstein zu führen. Ich freue mich sehr auf einen tollen Freitagabend, der viel Sport und Freizeit bietet, zum Mitmachen und Zuschauen - ein grosses Miteinander um das Bike Days Wochenende einzuläuten.

Wie ist das Fahren auf dem Pflasterstein in Solothurn?

Es kommt immer drauf an, wie schnell, dass man fährt, wie viel Luft man im Pneu hat und auch auf die Bereifung. Mit einem Mountainbike ist es anders als mit einem Rennvelo. Auf das Material muss man achten. Aber ich muss auch sagen, dass das Kopfsteinpflaster in der Solothurner Altstadt im Vergleich zum Kopfsteinpflaster bei Paris-Roubaix absolut machbar ist. Es ist abenteuerlich, historisch - es ist nicht "eine moderne asphaltierte Strasse". Diese gab es früher nicht. Das Kopfsteinpflaster ist historisch, es bringt uns zurück in die Ursprünge des Radfahrens. Das finde ich cool, das hat was - das ist nicht ganz ohne, aber es ist auch nicht gefährlich.

Was gibt es zur Strecke hier zu sagen; gibt es knifflige Stellen?

Es hat zwei bis drei Kurven drin. Das grosse Finale, welches die Kronengasse hochführt, gibt einem ein Stadion-Feeling mit der St. Ursen-Kathedrale auf der rechten Seite und dem Baseltor in der Nähe - ein perfekter Abschluss! Es ist eine perfekte Inszenierung; nicht einfach eine Strecke, damit man eine Strecke gefunden hat.

Üblicherweise führt die Rennstrecke bei Chasing Cancellara eine Passstrasse hoch - und die Teilnehmer haben auch schon gegen Sie gewonnen. Hier ist das anders, die Strecke führt über Pflasterstein durch eine Altstadt. Als "Pavé-König": Möchten Sie hier gewinnen - ist das Ihr Gebiet?

Ja, es ist mein Gebiet. Aber Gewinnen steht hier gar nicht im Vordergrund. Chasing Cancellara ist eine Plattform, bei der es mir darum geht, dass man zusammen was erleben kann - ein anderes Format als einfach von A nach B zu fahren. Es ist für die Breite, für ambitionierte Elite-Fahrer genauso wie für Hobbyfahrer - es gibt für jeden was. Es ist für jeden ein Erlebnis. In Solothurn bieten wir eine abgesperrte 800 Meter lange Rundstrecke, die man in mehreren Runden absolvieren muss. Da ist ein Zeitfahrgedanke dahinter, ein Challenge-Gedanke, ein Erlebnis-Gedanken, ein Erlebnis emotional.

Ich selbst bin die ganze Zeit anwesend. Ich bin nicht einfach der, der kommt und geht, sondern ich bin in der ganzen Organisation involviert. Auch hier ist es ein Miteinander. Wir achten auf viele Details. Es ist meine Handschrift. Sei es in Andermatt oder in Villars, wo wir mehr Pässe reingebracht haben, welche nicht meinen Gegebenheiten entsprechen. Ich muss zugeben, ich trainiere heute nicht mehr wie früher auf das Ziel hin 100 Prozent fit zu sein. Das ist nicht mein Gedanke. Mein Gedanke ist es die Breite abholen zu können, zu mobilisieren und zu motivieren. Zum Beispiel auch Firmen mit Ihren Mitarbeitenden. Die Bewegung, der Spass daran und das Erlebnis sollen im Vordergrund stehen. Und zum sportlichen Teil der reinkommt: Ich denke jeder challengt sich gerne. Das gehört dazu. Mir macht es sehr Spass mit der Breite was zu machen.

Fabian fährt für einen Clip zu «Chasing Cancellara» durch Solothurn: Fabian Cancellara steht für Dreharbeiten für einem Clip zu «Chasing Cancellara» auf dem Zeughausplatz.
10 Bilder
Bei diesem Rennen geht es über Pflastersteine durch die Alstadt
Zwischendurch gibt er noch ein Interview.
Cancellara gibt sich beim Medientermin völlig entspannt.
Fabian fährt für einen Clip zu «Chasing Cancellara» durch Solothurn
Die Fahrt wird auch von einer Drohne aufgenommen.
Cancellara vor der St.-Ursen-Kathedrale
Wie sehen die Drohnenbilder aus?

Fabian fährt für einen Clip zu «Chasing Cancellara» durch Solothurn: Fabian Cancellara steht für Dreharbeiten für einem Clip zu «Chasing Cancellara» auf dem Zeughausplatz.

Thomas Ulrich

Für die Teilnehmer ist sicher aber gerade dies der Nervenkitzel im Final, ob Sie, Fabian Cancellara, sie aufholen können. Das ist ein Thema, man will gewinnen, man will schnell sein, schneller als Sie - obwohl die Teilnehmenden einen Vorsprung erhalten. Sind Sie nach so einem Tag müde, haben Sie alles gegeben?

Ja, wie gesagt, die Gesundheit und die Sicherheit (keine Stürze) stehen im Vordergrund. Aber dennoch, es kitzelt mich natürlich dann auch! Jetzt findet dann bald wieder der erste Event statt. Und wenn ich meine Kilometer anschaue, ist es eher die Erfahrung, die ich einbringen kann und vielleicht besser bin. Aber am Schluss muss doch jeder selbst für sich in die Pedale treten - und das muss auch ich. Es wird auch für mich... (streng). Aber wie gesagt, ich möchte mich nicht mehr challengen auf 200 Kilometer. Das habe ich 16 Jahre lang gemacht. Nun sind es bei Chasing Cancellara ganz andere Distanzen, ganz andere Formate, die ich cool finde.

Es ist wirklich individuell und jedes Mal wieder anders. Hier ist es jetzt mehr Zeitfahren, klassischer Gedanke - dort ist es halt bergauf. Aber das ist doch egal. Am Schluss haben wir gesperrte Strassen. Wo hat man das schon? Die Tour de France bringt das vielleicht noch hin. Aber wo gibt es das sonst noch? Wir haben das jetzt geschafft! Ich bringe nicht Spitzensport, aber auch keinen Slow-Up sondern eine Mischform dazwischen für die Breite. Ich bin 100 Prozent motiviert; nicht zum Gewinnen sondern um den Leuten etwas zu bieten, mit ihnen Zeit zu verbringen und zum Beispiel bei einem Teller Pasta von meiner Vergangenheit zu erzählen.

An dieser Stelle einen Dank an die Stadt Solothurn - wie ich aus dem Gespräch heraus höre - dass sie die Strasse sperren. Die Bike Days feiern dieses Jahr ja ihr 10-jähriges Jubiläum am Standort Solothurn.

Ja, es ist ja nicht nur, dass ich komme, schaue und mache. Die Bike Days finden hier statt, es geht um das Thema Velo allgemein. Mit dem Format Chasing Cancellara können wir den Event mit dem Thema Rennvelo ergänzen. Und in Zukunft könnte man das Format über den Freitag hinaus ausbauen auf den Samstag und Sonntag um noch mehr Breite zu erreichen. Zum Beispiel auch ein Kids-Rennen. Schliesslich trifft sich hier die Velo-Community und es kommen viele Velo-Aussteller.

Das Velo ist nicht nur auf dem Mountainbike, sondern auch auf der Strasse zu hause. Auch hier soll es ein Miteinander sein. Wenn heute jeder für sich bastelt, ganz ehrlich, da kommt die ganze Veloszene nicht weiter. Das ist im Spitzensport ein Problem, jeder macht mal für sich etwas und will für sich Geld verdienen. Hier wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir zusammen mehr erreichen können als jeder individuell.

Trifft man Sie auch auf dem Mountainbike oder auf dem E-Bike?

Ja...(Mountainbike). Ein E-Bike habe ich zu hause. Damit fahre ich bei uns im Dorf oft herum, da geht es oft bergauf. Auch mit den Kindern, bei denen es ab und zu einen Stoss von hinten braucht. Und da bin ich ehrlich: Da bin ich froh, wenn ich manchmal eine Unterstützung habe. So kommt man viel weiter. Weil wenn ich meine Kleine stossen kann, da kommen wir über unsere Umgebung hinaus.

Ich brauche es als Hilfsmittel - nicht damit ich gemütlich den Berg hochkomme, sondern dass wir weiterkommen. Auch meine Frau ist mit dem E-Bike schon mitgekommen und ich mit dem Rennvelo und sie hat mich abgehängt. Auf dem Mountainbike habe ich mir für den Herbst die eine oder andere Tour vorgenommen. In der Schweiz gibt es für Mountainbiker wirklich wunderschöne Touren. Ich komme auch ein bisschen aus der Technik - das habe ich jung gelernt. Ich bin gerne auf dem Mountainbike.

Welche Trend-Highlights beobachten Sie und können den Bike-Days-Besuchern mitgeben?

Die ganze Bike Szene ist von Jahr zu Jahr nicht komplett anders. Die Hard-Core-Biker muss ich nicht briefen. Für jene, die kommen und sich die Produkte anschauen: Was ist ein Hardtail, was ist ein vollgefedertes Bike, das Thema Bereifung, die Radgrösse, wie viel Zoll, was braucht es und was nicht. Die Sommergeschichten werden immer stärker: Was man mit dem Bike alles erleben kann, welche Touren man unternehmen kann und welches Material es dafür braucht.

Die Bike Days bringen ein Potenzial an Menschen, welche die Szene allgemein näher kennen lernen möchten. Wie sich die Aussteller an den Bike Days präsentieren, ist auch für mich immer neu spannend. Wie viele Übersetzungen bieten sie, weshalb nur eine vorne und ein Kettenblatt und so weiter. Das ist spannend. Und ich freue mich selbst auch mehr diese Szene kennen zu lernen. Ich bin auf diesem Gebiet kein Anfänger aber auch kein Profi.

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