Solothurner Cup

Exploit vom FC Trimbach: Der Drittligist überrascht den Titelverteidiger FC Iliria

Iliria-Aussenverteidiger Dasnim Sulejmani bleibt an den Trimbachern Akar Yildirim (vorne) und Daniel Bärtschi hängen.

Iliria-Aussenverteidiger Dasnim Sulejmani bleibt an den Trimbachern Akar Yildirim (vorne) und Daniel Bärtschi hängen.

Der 2.-Liga-Tabellenführer FC Iliria scheitert im Cup-Sechzehntelfinal nach einem Fehlstart am FC Trimbach. Mit 2:5 unterliegt der in der Meisterschaft ungeschlagene Zweitligist dem Aussenseiter und muss sich damit schon früh aus dem Cup verabschieden.

«Ich habe den Jungs in jedem Training in dieser Woche gesagt, sie sollen an sich und ihre Chancen glauben. Wenn wir vollzählig sind, können wir jeden Gegner schlagen, und im Cup sowieso», waren die ersten Worte von Trimbachs Trainer Hasan Osaj nach dem Exploit seines Teams gegen den FC Iliria, den Spitzenreiter der 2. Liga.

Die Spieler hätten seine Anweisungen während neunzig Minuten perfekt umgesetzt. «Mir war klar, dass wir fussballerisch mithalten können, und dass definitiv etwas drinliegt, wenn jeder noch ein paar Prozent mehr gibt und uns der Gegner noch ein bisschen unterschätzt», so Osaj.

Nach fünf Minuten lag der Underdog mit 2:0 vorne

Dass der amtierenden Cupsieger FC Iliria die Sechzehntelfinal-Affiche ernst nahm, zeigte sich indes an der Aufstellung. Trainer Vilson Dedaj schonte keinesfalls Stammkräfte und schickte nahezu seine beste Elf ins Rennen. Und trotzdem liessen sich die Stadt-Solothurner in der Startphase vom unterklassigen Gegner sehr einfach übertölpeln.

In der dritten Minute lancierte Trimbach-Goalie Jonas Flury Stürmer Lucien Baumgartner mit einem weiten Abschlag. Der Topskorer des Heimteams, der in der laufenden Meisterschaft in zehn Spielen elf Treffer erzielt hat, fackelte nicht lange, zog noch vor dem Strafraum ab und versenkte den Ball in der linken, unteren Torecke.

Keine zwei Minuten später kam es gar noch besser für den Aussenseiter. Mittelfeldspieler Marco Mirarchi zielte seinen Freistoss genau auf den Kopf von Luca Schifferle, welcher zum 2:0 einnickte. Der in der Meisterschaft noch immer ungeschlagene FC Iliria war gedanklich immer noch nicht angekommen auf dem Leinfeld.

Erst nach der Startviertelstunde übernahm der Favorit allmählich das Spieldiktat. Trimbach überliess dem Gegner das Spielgerät, konzentrierte sich aufs Verteidigen und scheute auch nicht davor zurück, bei drohender Gefahr das Leder einfach mal weit weg aus der eigenen Zone zu dreschen. Das war zwar nicht immer schön anzusehen, aber wirkungsvoll.

Der FC Iliria bremste sich jeweils selbst wieder aus

Die statistisch beste Offensivabteilung der 2. Liga bekundete überraschend viel Mühe, Torchancen zu kreieren. Erst eine Standardsituation brachte die Gäste ins Spiel. Samoell Prenaj, der beste Torschütze der 2. Liga, traf in der 20. Minute nach einem Eckball aus dem Gewühl heraus zum Anschluss.

Iliria schnupperte am Ausgleich, das Heimteam setzte mit langen Bällen in die Spitze immer wieder gefährliche Nadelstiche. In der 28. Minute vergab Schifferle das 3:1 alleine gegen Torhüter Laurent Shkoreti. Kurz darauf stellte Iliria den Zwei-Tore-Unterschied mit einem Slapstick-Treffer gleich selbst wieder her: Rückpass zum Goalie, der schlägt über den Ball, Eigentor und 3:1-Pausenführung für die Trimbacher.

Knapp zehn Minuten nach dem Seitenwechsel verkürzten die Gäste erneut. Wieder trafen sie nach einem Eckball. Und erneut bremsten sich die Titelverteidiger gleich selbst wieder aus. Keine zwei Minuten später liefen sie in einen Konter; Daniel Bärtschi setzte sich auf der linken Aussenbahn durch und legte mit einer perfekten Spielverlagerung für Schifferle auf, der das Leder humorlos, flach in der entfernten Ecke des Tores verschwinden liess. In den restlichen rund dreissig Minuten rannte Iliria vergeblich an und kassierte kurz vor dem Ende sogar noch das 2:5. Bärtschi traf per Elfmeter.

Es wächst etwas heran beim FC Trimbach

Damit war die Überraschung perfekt. Der FC Trimbach, der in der 3. Liga momentan lediglich auf Platz sechs liegt, sorgt dafür, dass es 2020 einen neuen Cupsieger gibt. «Beim Aufwärmen habe ich gespürt, dass die Jungs bereit und heiss sind. Ich bin mit der Leistung und der Einstellung der Mannschaft sehr zufrieden», sagte Trainer Osaj.

Das Spiel sei, vor allem dank des Blitzstarts und der Tore jeweils im richtigen Moment, auch für sein Team gelaufen. «Ich freue mich sehr, es wächst etwas zusammen», so Hasan Osaj. «Wir sind ein neues Team und brauchen deshalb etwas Geduld und viel Training. Das Teambuilding und das Einbauen von jungen Spielern steht im Vordergrund.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

Meistgesehen

Artboard 1