Eishockey
Ex-Sharks-Goalie: «Es fehlte eine starke Kraft, die alles getan hätte»

Urban Leimbacher war der letzte Nationalliga-Goalie des Basler Traditionsvereins. Der langjährige Olten-Torhüter Leimbacher äussert sich zum abrupten Verschwinden der Basler Sharks aus der Profisportszene.

Michael Forster
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Urban Leimbacher sucht nach einer kurzfristigen Anschlusslösung.

Urban Leimbacher sucht nach einer kurzfristigen Anschlusslösung.

Marcel Bieri

Es war ein überaus rasanter Niedergang der Basler Sharks. Und ein überraschender. Das Verschwinden des Traditionsvereins aus der NLB war nicht vorhersehbar. «Ich habe immer gedacht, Basel ist so gross, das ist doch auch eine Chance für jemanden mit viel Geld, den Verein zu übernehmen», kann Urban Leimbacher, der letzte Stammtorhüter der Sharks in der Nationalliga, auch in den Tagen danach das definitive Aus nur schwer begreifen.

Das Unheil begann sich am Abend des 22. Juni abzuzeichnen. «Wir erhielten ein Whatsapp», erinnert sich der frühere Oltner genau, «darin stand ‹Kein Training am Montag› – dafür ein Meeting um 8.30 Uhr auf der Eisbahn. Ich habe mir damals gedacht, dass es sich vielleicht um gesundheitliche Probleme eines Vorstandsmitglieds handeln könnte.» Doch stattdessen wurde die versammelte Mannschaft in kurzen und knappen Worten über das Aus des Vereins informiert. Die Nachricht musste erst einmal verdaut werden, obwohl: Viel Zeit blieb nicht, wollte man noch irgendetwas unternehmen. Trainer Dino Stecher, der Geschäftsführer, die Buchhalterin und eine Handvoll Spieler stemmten sich zwar bis ganz zuletzt gegen den Konkurs, schafften das Unmögliche aber nicht mehr. Trotz 150 000 Franken, die über Spenden zusammengekommen sind.

«Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, so wäre vielleicht doch noch etwas dringelegen», mutmasst Leimbacher. Gleichzeitig zeigte er sich überrascht, dass der Verwaltungsrat die verbleibenden Tage nicht dazu nutzte, das Ende mit aller Kraft zu verhindern. «Mir fehlte eine starke Kraft, die das Ganze in die Hand genommen, die Frist verlängert und alles für eine Rettung getan hätte.»

Gleichzeitig macht sich der langjährige Torhüter des EHC Olten aber auch nichts vor. Er weiss genau: «Wenn niemand wirklich Interesse zeigt, den Verein zu retten, ist es völlig richtig, ihn in Konkurs gehen zu lassen.» Man habe in Basel zwar mitbekommen, dass es um die Sharks schlecht stehe, doch das sei eher eine Randnotiz gewesen. Trotzdem wehrt sich Leimbacher gegen die Aussage, Basel sei eine Fussballstadt. «Es hätte gewiss Platz gehabt für einen zweiten Profiverein im Kanton. Die Sharks gab es schliesslich seit 1932.»

Neben die durchaus vorhandenen Sympathien ganz zum Schluss, die der Verein gerade auch von ausserhalb des Kantons erfuhr, gesellten sich bizarre Aktionen aus der Stadt selber. So liess der Basler Grossrat Emmanuel Ullmann verlauten, die Sharks seien ihm «so lang wie breit». Ein Satire-Blog vermeldete nur Stunden vor dem definitiven Konkurs die Rettung des Vereins: Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz soll die Sharks übernehmen. Leimbacher: «Im ersten Moment dachte ich tatsächlich an die Rettung, doch dann wurde mir bald klar: Red Bull hat eine ganz andere Marketing-Strategie. Ich weiss nicht, was das sollte, und es war auch nicht lustig: Schliesslich haben auf einen Schlag 30 Leute ihren Job verloren.»

Erst drei von ihnen, die beiden Ausländer Brandon Buck und Kyle Greentree sowie Matthias Rossi, haben bereits einen neuen Verein gefunden. Für die anderen heisst es, sich mit der neuen Situation schnellstmöglich abzufinden – doch das ist nicht ganz einfach. Viele von ihnen sind erst kürzlich nach Basel gezogen und teilen sich die Wohnung zum Beispiel mit der Freundin, damit sie finanziell über die Runden kommen. Jetzt sitzen sie auf einer Wohnung mit Kündigungsfrist – eine unangenehme Situation: «Als NLB-Spieler muss man viel Herzblut mitbringen, denn das ist nur für sehr wenige lukrativ.» Man könne, so Leimbacher, nicht gross vom Ersparten leben, und deshalb würden die Spieler auch die Insolvenzentschädigung beantragen, um zumindest die Lohnfortzahlung bis zum 7. Juli zu erwirken.

Auch Leimbacher weiss: Die guten Verträge werden im Dezember oder Januar gemacht. Und heute ist der 16. Juli: «Ich bin offen für alles. Aber mit 32 Jahren mache ich dann doch nicht mehr ganz alles.» Leimbacher würde gerne noch ein paar Jahre anhängen, obwohl er vor zwei Monaten das Betriebswirtschaftsstudium mit dem Bachelor abgeschlossen hat und sich so auch anderweitig orientieren könnte. «Ich will mir auf jeden Fall die Option offenhalten, kurzfristig bei einem anderen Verein unterzukommen.»