«Bis zur Mittelstation lief alles super», analysiert Severin Widmer den ersten Teil seines Laufs. Vom Nesselboden an habe er die drei bis anhin ebenbürtige Konkurrenten ziehen lassen müssen. Mit 2:54 Minuten Rückstand auf den erstplatzierten St. Galler Downs Fabe erreichte der 27-Jährige bei einsetzendem Regen den Solothurner Hausberg.

Leader auf der Top-Jura-Tour

Ein bisschen enttäuscht war Widmer schon, dass es nicht aufs Podest gereicht hat. Er fügt aber sofort an: «Zufrieden bin ich trotzdem. Es ist ja mein erstes Jahr als Läufer.» Seit einem Jahr erst sportlich unterwegs und bereits eine Top-Platzierung auf dem Weissenstein? Nicht ganz. Denn Widmer war jahrelang Profi-Inlineskater.

Auch war der Erfolg beim Weissensteinlauf nicht bloss eine Eintagesfliege, führt der gelernte Konstrukteur doch die Top-Jura-Tour an. Eine Tour aus insgesamt neun Läufen durch den Schweizer Jura, beginnend mit dem Tüfelsschlucht-Berglauf im April. Den Abschluss der Tour bildet erstmals die Trophée de la Tour de Moron Ende September.

Dass Widmer heute die Schönheiten der Natur ohne Rollen unter den Füssen erkundet, hat einen plausiblen Grund. Das Leben als Spitzen-Inlineskater ist hart. Neben einem 100-prozentigen Arbeitspensum trainierte Widmer 16 bis 20 Stunden pro Woche, Sponsoren fanden sich kaum. Dass die Sportart auch finanziell den Aufwand nicht kompensieren konnte, musste Widmer ebenfalls hinnehmen. Letztes Jahr dann der Schlussstrich: «Es ging für mich nicht mehr auf. Die Ertragsausbeute lohnt sich einfach nicht.» Sein Leben habe zwischenzeitlich nur noch aus Arbeiten, Trainieren und Wettkämpfen bestanden.

Neuer Lebensabschnitt beginnt

Widmer will die Zeit im Spitzensport nicht schlechtreden. Als er vor 15 Jahren mit dem Inlineskaten begonnen hat, empfand er alles als ein grosses Abenteuer. Er wurde besser und besser, und als er im Frühjahr 2010 aus der Spitzensport-RS in Magglingen entlassen wurde, folgte seine beste Saison. Mit dem Sieg des hoch angesehenen Berlin-Marathons konnte er seiner Karriere das Krönchen aufsetzen.

Ein Höhepunkt in seinem Privatleben stieg nicht im grossen Kanton, sondern im luzernischen Reiden. Vom elterlichen Obergösgen zog Widmer ins Wiggertal, wo er letztes Jahr mit seiner Freundin eine gemeinsame Wohnung bezog.

«Die Zeit zu zweit – ohne den Spitzensport – können wir so noch mehr geniessen», sagt Widmer. Heute treibt er immer noch fast täglich Sport - aus Freude. Während eines Strandurlaubs könne er die Laufschuhe zwar mal daheim lassen, aber sonst brauche er das Training einfach. «Komplett ohne Bewegung kann ich nicht. Ich würde stinkig werden», beschreibt Widmer seinen Bewegungsdrang.

Angesprochen auf seine Zukunftspläne, lässt Widmer alles offen. Ob er auch nächstes Jahr an der Top-Jura-Tour über Stock und Stein laufen oder den Team-Gigathlon wie dieses Jahr in Aarau in Angriff nehmen wird, wisse er noch nicht. «Der Sport soll weiterhin ein Hobby bleiben. Ich kann mir auch ein Leben ohne Wettkämpfe vorstellen», sagt er. Severin Widmer plötzlich weg vom Fenster der regionalen Sportszene? Schwer vorstellbar, denn der ambitionierte Läufer hat bereits seine Teilnahme am Powerman Zofingen übernächstes Wochenende angekündigt.

Die gesamte Rangliste der Frauen und Männer finden Sie hier