Fussball
Ex-Profi-Fussballer ist unbeabsichtigt wieder ins Rampenlicht gerutscht

Der Münsingen-Spieler Silvan Aegerter möchte als Elektriker ein normales Leben führen. Nach einem Wundertor im Schweizer Cup gegen Wil, wartet nun der FC Basel als nächster Gegner. Somit ist es nun mit der Ruhe für den 34-Jährigen vorbei.

Hans-Peter Schläfli
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Silvan Aegerter: Ein Büezer auf und neben dem Platz.

Silvan Aegerter: Ein Büezer auf und neben dem Platz.

Susi Bodmer

Selber schuld, dass das mit der Ruhe nicht so recht klappt, wenn man solche Tore schiesst: Vom Mittelkreis aus hielt Silvan Aegerter im Schweizer Cup-Achtelfinal gegen Wil drauf. Es war ein Tor des Monats. Und nun hat der FC Münsingen im Viertelfinal sogar den grossen FC Basel zugelost bekommen. «Das hat Ramona Bachmann sehr gut gemacht», kommentiert er die Auslosung, bei der er als Spezialgast des Schweizer Fernsehens im Mittelpunkt stand.

Zu Hause ist Aegerter im Kanton Bern. «Schon damals, als ich beim FC Thun spielte, kam bei mir der Gedanke auf, dass ich einmal hier leben will», sagt Aegerter. Dass seine Partnerin Bernerin und nicht Zürcherin ist, versteht sich von selbst. Im August hat sich das Paar in Boll eine Wohnung gekauft. «Wir wohnen auf dem Land und sind in zehn Minuten in der Stadt. Und vor allem scheint hier im Winter die Sonne», findet er Argumente, die gegen eine Rückkehr ins Nebelmeer sprechen, das über Grenchen liegt.

Zu anständig für den Fussball

Als Fussballer hatte er etwas zu Unrecht den Ruf, mehr ein Handwerker als ein Künstler zu sein. Das perfekte Timing, dank dem er viele Bälle erobert hatte und seine läuferischen Qualitäten mögen den Ruf gefestigt haben. Aber dann war Silvan Aegerter auch immer für einen genialen Pass in den freien Raum gut, mit dem er eine gegnerische Abwehr aus den Angeln hob.

Vielleicht war er einfach zu zurückhaltend und anständig. Er liess sich nie mit Geld aus einem laufenden Vertrag kaufen und er erhielt auch nie einen millionenschweren Vertrag im Ausland angeboten.

Mit Thun in die Champions-League

Von Wacker Grenchen wechselte er einst in die damals noch funktionierende Fussballschule des FC Grenchen und kam zu seinen ersten Einsätzen in der 1. Liga. Dann spielte er beim U21-Nachwuchs des FC Basel. Weil beim grossen FCB keine geeignete Position frei war, wechselte Silvan Aegerter 2001 zum FC Thun, wo er sechs Jahre blieb.

Dort hatte er grossen Anteil am kometenhaften Aufstieg der Oberländer. «Die Spiele in der Champions League mit Thun gehören zum Schönsten, was man als Fussballprofi erleben darf», sagt Aegerter heute. Später wurde er mit dem FC Zürich Schweizer Meister und spielte erneut in der Champions League. «Das waren wunderbare Höhepunkte meiner Karriere.»

Alles ausser der Challenge League

Den Kontakt zum Dorfverein FC Münsingen hatte Luca Zanni hergestellt. Warum er ausgerechnet beim «letzten Dorfverein der 1. Liga» gelandet ist, begründet er mit dem idealen Weg – und der bereits erwähnten Wintersonne. Die gäbe es ja auch in Lugano, wo Silvan Aegerter nach den gescheiterten Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung mit dem FC Zürich seine Karriere ausklingen lassen wollte.

«Die Chemie hat nicht gestimmt», sagt er über das vorzeitig abgebrochene Engagement im Tessin. «Die Challenge League passt nicht zu mir.»

Münsingen als Grenchner Vorbild

Nun ist er also definitiv ein Berner geworden, aber ganz abgesägt hat er seine Wurzeln nicht. «Es tut schon ein wenig weh, wenn ich sehe, wie schlecht es dem FC Grenchen geht», sagt Aegerter. «Wichtig wäre, wenn jetzt jemand die Finanzen regeln, Ruhe in den FCG bringen und ein neues Fundament legen könnte. Aber das ist einfacher gesagt als getan.» Münsingen könne da ein Vorbild sein. Erfolg dank Konstanz. «Mehr als 30 Jahre als Trainer geben Kurt Feuz recht. Zudem geht man hier vernünftig mit dem Geld um.»

Ob er eine Trainerkarriere einleiten will, lässt Silvan Aegerter offen. «Das C-Diplom habe ich, jetzt muss ich dahinter und die weiteren Diplome machen. Mal schauen.» In Münsingen darf er manchmal ein Training leiten, wenn Kurt Feuz verhindert ist. Sein erstes Fazit: «Es ist einfacher, Fussballer zu sein als Trainer.»