Schiessen

Europameister Jan Lochbihler trifft auch im Militär

Jan Lochbihler hat im Umgang mit dem Sturmgewehr 90 bisher keine Erfahrung. SCHWEIZER ARMEE ZEM/ZVG

Jan Lochbihler hat im Umgang mit dem Sturmgewehr 90 bisher keine Erfahrung. SCHWEIZER ARMEE ZEM/ZVG

Für den 20-Jährigen Jan Lochbihler aus Holderbank ist die Spitzensport-RS ein Volltreffer. Hier findet er die Gelegenheit, erste Erfahrungen als Halbprofi und Profi zu sammeln.

Dass Jan Lochbihler treffsicher ist, bezweifelt niemand. Erst in diesem Sommer wurde der Holderbanker Junioren-Europameister mit dem Kleinkalibergewehr über die Distanz von 50 Metern. Ob das für ihn im Militär ein Vorteil ist? «Nein, mit dem Sturmgewehr 90, der heutigen Armeewaffe, habe ich vor dem Einrücken in die Rekrutenschule keinen einzigen Schuss geschossen», gibt Lochbihler zu.

Ein Europameister, der nie einen Jungschützenkurs besucht hat? «Ja, das Schiessen über 300 Meter sehe ich mehr als Spass, während die kürzeren Distanzen mein Sport und meine Passion sind.»

Für Jan Lochbihler war seit längerer Zeit klar, dass er die Spitzensport-RS durchlaufen will, denn sie bringt für den jungen Schützen viele Vorteile. In den ersten fünf Wochen nämlich haben die Absolventen neben der morgendlichen Grundausbildung am Nachmittag Zeit zum Trainieren. Während der restlichen dreizehn Wochen können die Athleten gar ganztags ihrer Sportart frönen.

Für Jan Lochbihler ist dies ideal: «So kann ich erste Erfahrungen als Halbprofi und als Profi sammeln.» Für den jungen Solothurner ist jedoch klar, dass es schwierig ist, im Schiesssport Profistatus zu erreichen. Lochbihler ist realistisch: «Nur mit vielen Sponsoren wäre es möglich.»

Straffes Programm

Lochbihler ist der einzige Sportschütze, der in diesem Jahr die Spitzensport-RS absolviert, was er sehr schade findet. «Ich rate jedem Schützen zu diesem Schritt. Hier hat man ideale Trainingsbedingungen und kann sich bestens auf seinen Sport konzentrieren», zählt er die Vorteile auf. «Kleine Fehler, die man sich in all den Jahren angeeignet hat, fallen einem viel eher auf, wenn man täglich trainiert», führt Lochbihler aus. Auch Schützinnen sollten vermehrt die Spitzensport-RS absolvieren, um so Profiluft schnuppern zu können.

Das Leben als temporärer Profi birgt für ihn auch Gefahren. Wenn man den ganzen Tag Zeit habe zu trainieren, müsse man aufpassen, den Fokus nicht zu verlieren. «Ich will konzentriert und konsequent bleiben, um nicht Gefahr zu laufen, plötzlich nur noch halbherzig bei der Sache zu sein», ergänzt er. Doch momentan dürfte dies eher unwahrscheinlich sein. Das Programm ist dicht und lässt nur wenig Spielraum. «Sogar für das Mittagessen bleiben nur 15 Minuten», ist Lochbihler wenig erfreut.

Trotzdem fühlt sich der Schütze wohl in der Sportlergruppe. «Es ist schön, sich mit anderen Spitzensportlern über Ausdauer, Krafttraining und allgemein über Sport zu unterhalten. Das Militär gibt uns hiermit eine einmalige Chance, unsere Sportart professionell ausüben zu können», zeigt sich Lochbihler dankbar.

Und obwohl er selber vor dem Militär keinen einzigen Schuss mit einem Sturmgewehr geschossen hat, trifft er am besten. «Ich wüsste jetzt nicht, wer von den Athleten hier noch besser schiessen würde. Ich weiss halt, wie man zielen muss.» Verständlich, bei einem Europameister.

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