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«Es wird wehtun, die Jungs zu verlassen»: Lommiswil-Trainer Fabian Käch über seinen Abschied

Fabian Käch führte den FC Lommiswil in die höchste Solothurner Regionalliga.

Sechs Meisterschaftsspiele und mindestens ein Cupmatch warten noch auf Lommiswil-Trainer Fabian Käch. Danach wird er nach jahrelanger Arbeit im Verein sein Amt als Trainer niederlegen. Bevor das alles passiert, soll aber noch ein Erfolg gefeiert werden. Gegen den FC Iliria möchte der FC Lommiswil vor allem mit Kampffussball überzeugen.

«Ein Wunschkonzert hätte definitiv anders ausgesehen», sagt Fabian Käch vor dem heutigen Cup-Halbfinal gegen den FC Iliria, den souveränen Tabellenführer der 2. Liga. «Ein leichtes Los gibt es in den Halbfinals eh nicht. Und wenn du etwas gewinnen willst, musst du früher oder später den Besten aus dem Weg räumen. Mein Wunsch war ein Heimspiel, das hat geklappt.»

Der FC Lommiswil war in den letzten Jahren unter Fabian Käch alles andere als eine Cup-Mannschaft. Nach der Bettagsrunde im September war der Pokal-Wettbewerb für die Leberberger jeweils schon gelaufen.

Jetzt fehlt nur noch ein Sieg für den Einzug in den Solothurner Cupfinal 2019, der am 30. Mai in Zuchwil über die Bühne geht. In der 2. Liga liegt der FC Lommiswil aktuell auf dem siebten Platz.

Kein Wunschkonzert

Der FC Iliria führt die Tabelle der höchsten Regionalliga mit grossem Vorsprung an und hat die letzten neun Spiel in Serie gewonnen. Lommiswil unterlag nach dem erfolgreichen Rückrundenauftakt mit den Siegen gegen HNK Croatia und den FC Grenchen 15 zuletzt sowohl in Mümliswil als auch dem SC Fulenbach mit 0:1.

«Gegen Iliria haben wir am wenigsten zu verlieren», so Käch, «das ist psychologisch vielleicht sogar besser, als wenn wir als Favorit beim FC Leuzigen antreten müssten.» Und das mit dem Wunschkonzert könne man auch umdrehen, ergänzt der 35-Jährige: «Ich glaube nicht, dass man beim FC Iliria glücklich ist, heute nach Lommiswil fahren zu müssen.»

Start beim FC Post Solothurn

Für Fabian Käch wäre der Einzug in den Solothurner Cupfinal der krönende Abschluss seiner acht Jahre beim FCL-Fanionteam. Er startete seine Trainerlaufbahn nach einem Kreuzbandriss als knapp 20-Jähriger bei den Junioren des FC Post Solothurn.

Nach drei Saisons zog es ihn zur zweiten Mannschaft des FC Lommiswil in die 5. Liga. Zuerst als Spielertrainer vorgesehen, konzentrierte er sich bald nur noch auf die Aufgabe als Trainer. «Nach zwei oder drei Saisons sind wir in die 4. Liga aufgestiegen», erinnert sich Käch. «Als Aufsteiger erreichten wir in der 4. Liga in der ersten Saison den dritten Platz.» Danach übernahm er das Kommando bei der ersten Mannschaft.

Nach zwei schwierigen Jahren, welche von etlichen Abgängen geprägt waren, steigerte sich der FC Lommiswil ab der Saison 2012/13 kontinuierlich: Ein neunter, ein sechster, ein vierter sowie ein dritter Schlussrang schauten heraus, ehe mit dem Aufstieg in die 2. Liga 2016/17 der grosse Höhepunkt in Kächs Amtszeit folgte: «Diese Woche mit den drei Aufstiegsspielen erlebte ich wie in einer Art Trance. Diese Zeit, vor allem die Aufstiegsfeier, werde ich nie mehr vergessen.»

Bereit für einen Nachfolger

Der FC Lommiswil konnte den Schwung der Aufstiegssaison konservieren und beendete die vergangene Zweitliga-Saison auf dem fünften Platz. «Es ist schon so, dass diese Mannschaft so etwas wie mein Baby ist, denn ich habe das Team mit dem Ziel aufgebaut, irgendwann zumindest die Aufstiegsspiele zu erreichen», sagt Käch.

«Unsere Nachwuchstrainer haben aber ebenfalls zum Erfolg in den letzten Jahren beigetragen. Und auch das Team selbst, welches die jungen und neuen Spieler jeweils sehr schnell integriert hat.»

Ende Saison wird Fabian Käch sein Traineramt beim FC Lommiswil niederlegen. Die Mannschaft habe den nötigen Level erreicht, um sie mit gutem Gewissen einem Nachfolger zu übergeben, sagt Käch: «Es ist für das Team, aber auch für mich persönlich, der richtige Zeitpunkt. Für den Erfolg in den nächsten Jahren ist gesorgt. Den Spielern wird es guttun, von einem neuen Trainer mal mit anderen Ideen konfrontiert zu werden und aus der Wohlfühlzone herauszukommen.»

Mehr Zeit für die Familie

Dass der neue Mann an der Seitenlinie nach den Erfolgen in den vergangenen Jahren eigentlich nur verlieren kann, verneint er: «Das Potenzial ist sicher noch nicht ausgeschöpft. Die Spieler werden sich auch für den neuen Trainer zerreissen auf dem Platz.»

Käch wird nach dem letzten Saisonspiel am 16. Juni gegen Härkingen mehr Zeit für seine Frau und die beiden kleinen Töchter haben. «Ich bin dankbar, dass die zwei Trainings plus ein Match am Wochenende möglich waren», so Käch, «aber es ging schon auch an die Substanz.»

Und teilweise habe er auch ein schlechtes Gewissen seiner Familie gegenüber verspürt, wenn die Kinder am Abend zu Hause «Stimmung machten» und sich der Papa ins Training verzog. «Es wird wehtun, die Jungs zu verlassen, aber ich freue mich über die zusätzliche Freizeit», fasst er seinen Entscheid zusammen.

Was er vor allem vermissen werde, sei das ganze Kabinenleben: «Das Gefühl des Zusammenhalts, das Zelebrieren von Siegen, aber auch das Verarbeiten von Niederlagen werden mir fehlen.»

Kampf und Tempo

In der Meisterschaft will Fabian Käch von seinem Team noch sechsmal den Kampffussball verbunden mit viel Tempo sehen, der die Lommiswiler in den vergangenen Jahren stark gemacht hat.

Nach den jüngsten beiden Niederlagen rutschte Kächs Elf allerdings auf den siebten Platz zurück. Weiter nach hinten sollte es angesichts der aktuellen Konstellation nicht mehr gehen, dafür liegt der vierte Schlussrang durchaus in Reichweite.

Mit diesem liebäugelt auch der Trainer, wie er durchblicken lässt. «Wie weit nach vorne wir effektiv noch kommen, hängt auch von der Fitness der Spieler ab. Allzu viele Ausfälle können wir nicht kompensieren.»

«Emotionen gehören zum Geschäft»

Käch täte gut daran, in den letzten Partien keinen Platzverweis zu kassieren. Als Wiederholungstäter müsste er mit einer Strafe von fast 500 Franken rechnen. Dies gäbe Diskussionen zu Hause.

«Ich wurde in den acht Jahren dreimal vom Platz gestellt. Teilweise zurecht, dann entschuldigte ich mich hinterher. Aber wenn ich meine Mannschaft ungerecht behandelt fühle, kann ich nicht ruhig bleiben. Emotionen gehören zum Geschäft.»

Hinsichtlich der kommenden Saison müsse er sich wohl etwas disziplinieren: «Ich will weiterhin die Spiele besuchen und meinen Nachfolger nicht mit spontanen Zwischenrufen aufgrund der Gewohnheit stören.»

Autor

Raphael Wermelinger

Raphael Wermelinger

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