Tennis
Es wird nie mehr ins Vereinsportemonnaie gelangt, um Spieler zu finanzieren

Für Ivo Erard, den Präsidenten des Tennisclub Solothurn, ist klar: Unter seiner Führung werden nie mehr Interclub-Spieler aus der Vereinskasse vorfinanziert. Unter seinem Vorgänger war dies der Fall und hat für Aufregung gesorgt.

Michael Schenk
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Ivo Erard: Präsident des TC Solothurn.

Ivo Erard: Präsident des TC Solothurn.

Anfang Jahr hat der TC Solothurn sein NLA-Interclub-Team zurückgezogen. Viel zu teuer und viel zu wenig Solothurn hiess es damals von Seiten der Vorstandsmehrheit. Der langjährige Präsident, Hugo Derendinger, der die erste Männer-Interclub-Equipe quasi in Eigenregie geführt, gecoacht und finanziert hatte, verliess darauf den Klub. Nicht wirklich sehr «amused» notabene. «Wir waren vom Vorstand aus gezwungen zu handeln», erinnert sich der seit einigen Monaten neu als Präsident fungierende Ivo Erard. Irgendwann hätten in der Vereinskasse nahezu 100 000 Franken gefehlt, so der Grenchner Architekt.

Klubkonto war Art Privatbank

Für Derendinger war das Klubkonto des TC Solothurn eine Art Privatbank, die die Auslagen fürs Interclub-Team vorfinanzierte. Ende Saison hat der Selzacher dann die Summe jeweils mit eigenem Geld und privat generierten Sponsoren-Beiträgen wieder ausgeglichen. Das war vom Prinzip her so ausgemacht. Dieses Vorgehen wurde dem Restvorstand indes zusehends zu brenzlig. Muffensausen kam auf und als das Vereinskonto dann bis zur vereinbarten Frist Ende 2013 noch nicht ausgeglichen war, schritt man zur Tat. «Wir hatten keine Ahnung, wer und was wie viel kostet und woher das Geld letztlich kommen sollte», erklärt Erard.

Insofern mussten wir etwas tun. «Schliesslich übernehmen wir als Vorstandsmitglieder auch eine gewisse Haftung, falls etwas schief- läuft.» So hat man sich mit 6:1-Vorstandsstimmen aus der NLA abgemeldet; ehe die Bevorschussung aus der Vereinskasse möglicherweise noch höhere Summen erreicht hätte und das Risiko noch grösser geworden wäre.

Risiko sollte minimiert werden

Schiefgelaufen ist freilich nichts: Mittlerweile ist beim TC Solothurn punkto Finanzen alles paletti. Hugo Derendinger hat sämtliche Auslagen, so wie vereinbart, zurückerstattet. «Jetzt herrscht Klarheit und Transparenz», freut sich Erard. Von einigen Sponsoren, die nicht so gepasst hätten, habe man sich unterdessen getrennt und dafür auf der anderen Seite ein paar neue, einheimische gefunden, denen es definitiv primär um den TC Solothurn – mit Betonung auf Solothurn – gehe. «Unter meiner Führung werden wir garantiert nie mehr Ausländer in einem Interclub-Team vorfinanzieren», sagt der TCS-Boss.

Kein Geld aus der Vereinskasse

Die Krux: Soeben sind die Solothurner mit ihrem NLC-Team in die NLB aufgestiegen. Und: In der NLB läuft im Interclub ohne Ausländer so wenig wie bei einem Formel-1-Boliden ohne Räder. «In erster Linie freuen wir uns, dass es uns gelungen ist, mit eigenen Leuten aufzusteigen», sagt Erard. Aber eben – ins Vereinsportemonnaie gegriffen, um in der NLB eine anständige Falle zu machen, das gebe es nicht mehr. «Das ist beschlossene Sache», so der Präsident. Jedes Interclub- Team des TCS erhalte vom Verein den genau gleichen Beitrag – nämlich Bälle und einen Anteil an die Verpflegung. Wie soll in dem Fall das Unterfangen NLB funktionieren? Man werde sich anhören, wie sich die NLB-Equipe die Zukunft vorstelle «Dann werden wir weitersehen», so Erard.

«Ohne Verstärkung keine Chance»

Yves Derendinger ist sich bewusst: «Ohne Verstärkung haben wir keine Chance in der NLB.» Darum ergeben sich für den Captain des Interclub-Teams drei Szenarien: «Entweder stellt uns der Klub Sponsorenfläche zur Verfügung, die wir selber verkaufen können, um uns punktuell zu verstärken oder wir verzichten auf den Aufstieg oder wir spielen in der Formation, in der wir aufgestiegen sind – einfach der Erfahrung wegen.» Gespräche mit Vorstand und Team werden den Weg weisen. (msk)

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