Beim FC Solothurn läuft es derzeit so wie mit dem Wetter: Wenn man denkt, es wird Frühling, weht plötzlich wieder ein eisig kalter Wind durchs Stadion. Nach dem 0:4 in Münsingen mussten sich die Solothurner im Training warm anziehen – nicht nur wegen der Bise, die die Schneeflocken über den Kunstrasen wirbelte. «Hier ist ab sofort die Hölle los», polterte Trainer Roland Hasler, sodass man es über den ganzen Kunstrasenplatz hören konnte, «ab sofort rede ich nur noch laut. Es kann doch nicht sein, dass ich Leuten, die keinen Fussball-Sachverstand haben, recht geben muss, wenn sie sagen, dass da keine Leidenschaft im Spiel meiner Mannschaft war.»

Irgendetwas ist schiefgelaufen

«Die Situation darf man nicht schönreden», sagt auch der routinierte Mittelfeldspieler Jan Hartmann. «Es gab Phasen in Münsingen, da mussten wir richtig untendurch. Nach dem Platzverweis spielten wir wirklich schlecht, das müssen wir korrigieren.» Aber was war den so schlecht, was muss korrigiert werden? «Wir müssen näher beim Mann stehen und die Zweikämpfe annehmen. Wir haben den Gegenspielern Zeit gelassen, sodass sie den Ball kontrollieren konnten. Das war tödlich.»

Dass es die erneut vielen Wechsel in der Winterpause sind und dass die Abstimmung in der Mannschaft fehlen könnte, glaubt Hartmann nicht. «Wir Fussballer sprechen doch alle dieselbe Sprache und wir haben uns schnell gefunden. Im Team harmoniert es und auch die Nachwuchsspieler, die ins Kader aufgerückt sind, haben Potenzial. Ich bin sicher, dass es gut kommt.»

Am Samstag (16 Uhr) läuft nun Leader Baden im Stadion ein. Man kann es auch positiv sehen: Gegen diese starke Mannschaft hat Solothurn nichts zu verlieren und kann nur positiv überraschen. «Wir müssen uns nicht verstecken», sagt Hartmann, «es wird schwierig, aber wir wollen gewinnen.»

Sonderfall Roland Hasler

Der FC Solothurn ist ein Sonderfall. Bei jedem anderen Erstligisten mit einem gewissen Renommee wäre der Trainer in dieser Situation längstens ausgewechselt worden. Beim FCS wird Roland Hasler nicht einmal ansatzweise infrage gestellt. Jan Hartmann hat eine Erklärung dafür: «Der Trainer gehört zum Team und ich glaube an dieses Team. Ich weiss, dass wir gemeinsam aus dieser Situation herauskommen werden.»

Eine schwierige Situation auch für Jan Hartmann, der seit fünfeinhalb Jahren für den FC Solothurn den Kopf hinhält – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder erlitt er eine Hirnerschütterung oder eine andere üble Kopfverletzung, und das, obwohl er als Einziger im Stadion mit einem auffälligen, schwarzen Helm spielt. Das letzte Mal musste er im vergangenen November nach dem Spiel in Muttenz mit einer Kopfverletzung ins Spital, aber er ist schon wieder der Alte und die wohl wichtigste defensive Teamstütze.

Und so steigt der 25-Jährige weiterhin fast jeden Tag in den Zug, um von Zürich nach Solothurn zu pendeln. Vom Hauptbahnhof kommt er dann mit dem Velo ins Stadion. «Immer noch besser, als auf der Autobahn im Stau zu stehen», erklärt Jan Hartmann. «Der lange Weg sagt doch einiges aus. Man bleibt nur so lange an einem Ort, wie man sich wohl fühlt, und ich komme gerne nach Solothurn.»