Chancen, Gefahren, Reibungsflächen, Vorfreude. Vermutlich von allem ein bisschen. Der Zusammenschluss des 1.-Liga-Vertreters Solothurn und dem vormaligen NLB-Team Grauholz in diesem Frühjahr birgt die bekannten Unsicherheiten und Spannungen. Die Krux von Fusionen liegt in der Planung. Das Ergebnis einer deutschen Studie lässt sich auch auf die neu ins Leben gerufene Spielgemeinschaft übertragen. Rund ein Viertel aller Schulterschlüsse erbringen nicht die erhofften Synergien, weil die für die Integration verantwortlichen Personen häufig nicht früh genug benannt werden. Ein Problem, das auch bei der SG Solothurn/Grauholz zutage getreten ist und anfänglich für Unruhe gesorgt hat.

«Mittlerweile und gerade rechtzeitig zum Meisterschaftsstart ist bei uns Ruhe eingekehrt», hat Geschäftsführer Stefan Blaser freudig festgestellt. Dennoch macht sich Zlatko Portner, der nun offiziell zum Headcoach ernannt wurde, nichts vor. «Es ist ganz normal, wenn zwei Kulturen zusammengeführt werden, dass das eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, bis sie harmonieren.» Der frühere Weltklassehandballer wird assistiert von Zsolt Toth und Martin Heiniger. Den Kaderschnitt haben die beiden vergangene Woche abgeschlossen. Das Team wurde von 24 auf 18 Spieler reduziert. Es setzt sich aus acht ehemaligen Grauholz-Akteuren und zehn Solothurnern zusammen.

Dass die Bäume bei der SG nicht in den Himmel wachsen werden, ist sich der Zlatko Portner sehr wohl bewusst. «Mir steht eine Mannschaft mit früheren NLB-Spielern zur Verfügung, welche die letzte Saison auf dem 9. Rang beendete. Und Akteuren, die in der 1. Liga den 3. Platz belegten.» Alles andere als den Klassenerhalt zu erwarten, wäre vermessen», beurteilt der 50-jährige Serbe die sportlichen Aussichten. Zumal die Liga im Vergleich zur letzten Spielzeit an Substanz dazugewonnen hat. Die beiden SHL-Absteiger Endingen und Suhr Aarau werten die Liga massiv auf.

Nicht mehr als 25 Gegentore

Die Vorbereitungsspiele geben über den Leistungsstand der SG Solothurn/Grauholz wenig Aufschluss. Gegen den BSV Bern, Zofingen und Möhlin resultierten Niederlagen. Gute Ansätze hat Zlatko Portner gleichwohl gesehen. «Was fehlt, ist die Konstanz über die vollen 60 Minuten.» Der Schlüssel zu einer stabilen Einheit liegt – wenig überraschend – in der Defensive. Portner drückt die Zielsetzung in Zahlen aus. «Wir wollen pro Partie nicht mehr als 25 Gegentreffer zulassen. Wenn uns das gelingt, dann können wir bestehen.» Die erste Gelegenheit bietet sich morgen beim Saisonauftakt beim KTV Altdorf. Fehlen wird in der Zentralschweiz Tim Weber. Nach seiner Kreuzbandoperation steht der
U19-Nationalspieler die nächsten vier Monate nicht zur Verfügung.

Dafür ist Alain Blaser mit von der Partie. Der Linkshänder hat seine Schulterverletzung auskuriert und trainiert seit zwei Wochen wieder mit der Mannschaft. Die Hoffnungen auf einen Einsatz Blasers sind berechtigt. Ob sich die Hoffnung der SG Solothurn/Grauholz, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden erfüllt, darüber werden erst die kommenden Wochen und Monate Aufschluss geben.