«Ach Gott», schoss es Martina Strähl nach wenigen Metern des 12,1 km langen Parcours des Hauptrennens durch den Kopf. Der Rennauftakt war verantwortlich für die Zweifel. Strähl lief an der Spitze und die bestausgewiesenen Senioren ab 50 versteckten sich in ihrem Rücken.

Die einstige Berglauf-Europameisterin und aktuelle Nummer 3 der Schweiz auf der Marathon-Distanz war nach Dietikon gereist, um sich zu fordern. «Im Training tue ich dies alleine, also wollte ich hier Gegnerkontakt, das Fighten Frau gegen Frau – oder in diesem Fall Frau gegen Mann.

Ganz so schlimm wie befürchtet, entwickelte sich das Rennen für Martina Strähl nicht. Felix Schenk, ein ausgewiesener Routinier, heftete sich an ihre Fersen. Und stellte rasch fest, dass er in den Aufstiegen über mehr Kraft verfügt. Diesen Vorteil nutzte er in der zweiten Runde und schob sich an die Spitze. Und diese behauptete er bis ins Ziel, auch wenn er hinterher festhielt: «Der Ehrgeiz müsste im Alter ja nicht mehr ganz so ausgeprägt sein.»

2 Minuten Vorsprung

Mit der «Niederlage» konnte die Oekingerin Strähl von der LV Langenthal gut leben. Sie hatte ein Zugpferd. Und Strähl hat das Jahr begonnen, wie sie das vergangene (in Gersau) beendet hatte: mit einem Sieg und einem Streckenrekord. In 42:52 Minuten wurde die 27-Jährige gestoppt und war damit genau zwei Minuten vor ihrer nächsten Verfolgerin, der letztjährigen Züri-Lauf-Cup-Gesamtsiegerin Jutta Brod (D), klassiert. Das ist eine Riesendifferenz.

Fokus auf der Heim-EM

Strähl sprach von «einem von der Stimmung und Strecke her angenehmen Trainingsrennen.» Ihr Aufbau ist ganz auf die Europameisterschaften von Mitte August in Zürich ausgerichtet. Mit ihrer Marathon-Debützeit von 2:39:15 Stunden von Ende Oktober in Luzern hat sie die Limite (2:44 Std) klar unterboten. «Derzeit liegt der Trainingsschwerpunkt auf kurzen schnellen Intervallen», sagt sie.

Ihre Tempofestigkeit konnte sie unter Beweis stellen. Und sie kündigte an: «Ich werde in diesem besonderen EM-Jahr vermehrt solche kleineren Wettkämpfe aufsuchen.» Um weiterzukommen und Erfahrung auf Flachdistanzen zu sammeln. Da war rasch auch nebensächlich, dass sie sich wegen des Monatszykluses «überhaupt nicht gut» gefühlt hatte.