Volleyball
Erst das Maximum herausgeholt, dann war der Akku leer

Nach drei erfolgreichen Jahren, mit der Etablierung an der nationalen Spitze, verlässt Trainer Bujar Dervisaj den TV Schönenwerd. Nach der anstrengenden Zeit braucht Dervisaj erstmal eine Pause. Sein Nachfolger wurde noch nicht bestimmt.

Raphael Wermelinger
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Das letzte Spiel als TVS-Coach: Bujar Dervisaj (rechts) gibt seiner Mannschaft während des Cupfinals in Fribourg Anweisungen.

Das letzte Spiel als TVS-Coach: Bujar Dervisaj (rechts) gibt seiner Mannschaft während des Cupfinals in Fribourg Anweisungen.

Hansruedi Aeschbacher

«Jetzt versuche ich, Schweizer Meister zu werden.» Mit diesem sehr hochgesteckten Ziel übernahm Bujar Dervisaj auf die Saison 2012/13 das NLA-Team des TV Schönenwerd. Zum ganz grossen Coup hat es zwar nicht gereicht, doch Dervisaj kam dem Meistertitel in den drei Jahren sehr nahe.

2012/13 gewann er mit den Niederämtern Bronze, 2013/14 sogar die Silbermedaille, als seinem Team lediglich der Ligakrösus Lugano vor der Sonne stand. Heuer führte Dervisaj den TV Schönenwerd zudem in den Cupfinal.

Der richtige Zeitpunkt

Nun, nach drei erfolgreichen Jahren ist Schluss. Am letzten Freitag bat Bujar Dervisaj den TV Schönenwerd um die Auflösung seines Vertrags. Sein Akku sei leer, so Dervisaj: «Ich habe während der letzten drei Saisons alles gegeben, um den TVS nach vorne zu bringen, habe sehr viel Zeit und Energie investiert. Ich wurde immer leerer.»

Unter dieser Leere habe nicht nur er persönlich immer mehr gelitten, sondern auch seine Familie, insbesondere seine Frau. Der fünfte Schlussrang in der diesjährigen Meisterschaft und die 2:3-Niederlage im Cupfinal gegen Lausanne hätten dagegen keinen Einfluss auf seinen Entscheid gehabt.

«Natürlich bin ich immer noch enttäuscht, dass wir den Cup nicht geholt haben», so Dervisaj, «auf der anderen Seite bin ich aber happy, dass wir ein solch gutes Spiel gezeigt und Lausanne beinahe an die Wand gespielt haben. Das Tor war leer, aber wir haben es nicht getroffen.

Friedliche Trennung

Das ist Sport.» Er zeigte sich stolz darauf, was er in den letzten drei Jahren mit Schönenwerd erreicht habe: «Ein grosses Dankeschön geht an die Fans, die immer alles gegeben und uns auch nach Niederlagen gepusht haben. Den Spielern wünsche ich alles Gute für die nächste Saison. Sie sollen wieder Spass haben am Volleyball, dann gewinnen sie auch.»

Dervisaj spricht von einer «schönen Trennung». Auch eine grosse Liebe könne mal zu Ende gehen. Aber auch wieder zusammenwachsen, lässt er eine Rückkehr zum TV Schönenwerd offen. Der jetzige Wechsel auf dem Trainerposten tue nicht nur ihm persönlich gut, sondern auch den Spielern und dem ganzen Verein. Das abschliessende Gespräch mit den Verantwortlichen des TVS sei sehr emotional gewesen.

In seinen Augen ein Zeichen dafür, dass er geschätzt wurde, was ihn sehr freue. Anerkennend für seine Leistungen in den letzten Jahren sei zudem, dass sich bereits kurz nach der Bekanntgabe seines Rücktritts andere interessierte Vereine meldeten. Doch für Dervisaj sind diese Angebote aktuell nicht von Bedeutung, denn: «Ich möchte jetzt drei, vier Monate zurücklehnen.»

Kein Hasenfuss

Aktiv werden muss dagegen Schönenwerds Sportchef Daniel Bühlmann. Möglichst schnell, spätestens aber in drei bis vier Wochen soll der Nachfolger von Bujar Dervisaj präsentiert werden. Kandidaten gäbe es viele, so sind in den letzten Tagen schon einige Bewerbungen bei Bühlmann eingetroffen.

«Wir haben uns in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Dass wir jetzt nicht Hasenfüssen hinterhertelefonieren müssen, ist die Bestätigung dafür.» Zwei logische Nachfolger gäbe es intern: Auf der einen Seite Nik Buser, der in diesem Jahr Dervisajs Assistent war und von diesem für seine Arbeit viel Lob erntete.

Andererseits Marco Fölmli: Er war in der Saison 2013/14 Dervisajs Assistent und coachte heuer die zweite Mannschaft des TV Schönenwerd, welche unangefochten den NLB-Meistertitel holte. Dass die beiden auf der Liste stehen, bestätigte Daniel Bühlmann, doch: «Alle Kandidaten stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch an der Startlinie, und keiner hat einen Vorsprung.»

Winner-Mentalität mitgebracht

Man habe eine klare Vorstellung vom neuen Trainer und wolle die Situation möglichst neutral anschauen. «Zum Wohle der Mannschaft, des Vereins und unserer Ziele müssen wir den optimalen Kandidaten aus dem Pool herauslesen.»

Vor drei Jahren holte Bühlmann Dervisaj als Trainer an Bord. Dervisaj habe während seiner Amtszeit einen grossen Beitrag zur Erfolgsstory des TV Schönenwerd geleistet, so der Sportchef: «Bujar war extrem wichtig für den Verein. Er hat die Winner-Mentalität mitgebracht und kann sehr gut mit den Jungen arbeiten. Aus unseren Möglichkeiten hat er das Maximum herausgeholt.»