Der Stadtpräsident von Grenchen, François Scheidegger, und Finanzchef David Baumgartner haben stets betont, sollten sich die Fussballer auf dem Platz Grenchen zusammenraufen und sich «endlich» vereinen, statt sich gegenseitig das Leben schwer zu machen, dann soll ein prominenter Sponsor bereitstehen, der einen ordentlichen, fünfstelligen Betrag in den neuen «FC Grenchen» – die Beibehaltung dieses Namens ist Voraussetzung – einschiesst. Dies primär zugunsten des Nachwuchses.

Bei diesem privaten Sponsor handelt es sich um den weit bekannten Uhrenmanager Ernst Thomke. Der Arztsohn aus Biel absolvierte nach seiner Schulzeit beim Uhrenhersteller ETA in Grenchen eine Ausbildung zum Mechaniker. Insofern hatte Thomke, unter dessen Führung später das phänomenale Swatch-Konzept ausgeführt wurde, nicht bloss früh einen starken Bezug zu Grenchen, sondern er hat die Glanzzeiten des Traditionsvereins, als dieser 1959 Cupsieger wurde und unter anderem drei weitere Male im Cupfinal stand, auch hautnah miterlebt. Ein Bezug, der notabene bis in die Gegenwart anhält: Als YB im April 2012 während der Meisterschaftspause vor 400 Fans ein Testspiel in Grenchen austrug, weilte auch Dr. Ernst Thomke unter den Zuschauern.

Nachvollziehbarer Schritt

Nach seinen Studien der Naturwissenschaften und später in der Medizin wirkte Thomke bis Anfang der Neunzigerjahre als Uhrenmanager. Danach machte sich der Universalkönner einen Namen als erfolgreicher Sanierer – etwa bei Motor Columbus, Oerlikon Bührle oder Sauber. Aufbruch zu neuen Ufern, Visionen, Innovation – Neuem eine Chance geben und Totes, das nicht mehr zum Leben zu erwecken ist, beerdigen, sind und waren in dem Sinn Affichen, die das Tun des inzwischen 76-jährigen Ernst Thomke stets prägten.

In dem Sinn ist es nachvollziehbar, wenn ein Mann wie er, der in Grenchen lebt, sich beim FC Grenchen engagiert – aber garantiert nur bei einem neuen FC Grenchen.

Die allerletzte Chance

Insofern ist klar, wie viel an der heutigen, ausserordentlichen GV von Wacker Grenchen auf dem Spiel steht. Schmettern die Delegierten die Fusion mit dem FC ebenfalls ab, dann ist nicht nur der FC Grenchen Geschichte; in dem Fall ist dem Fussball auf dem Platz Grenchen effektiv nicht mehr zu «helfen». Die Stadt legt sich seit Monaten ins Zeug, um die vier, sich gegenseitig neutralisierenden Klubs auf dem Platz in ein Boot zu bringen, und erntet dafür von vielen Seiten Lob. Der FC Solothurn seinerseits ist bereit, bei einem Neustart personelle Nachbarschaftshilfe zu leisten, und nun auch Ernst Thomke. Namen, die für viel «Qualität» stehen und viel Gutes auslösen können. Bei Fulgor und Ital sieht man das freilich nach wie vor anders und erfreut sich weiterhin seines «Gärtlis» – daher liegt es nun an Wacker, sich zu entscheiden und ein Signal zu setzen. Ein Signal im Idealfall dahingehend, im Namen eines vielversprechenden Neuen auf den eigenen Namen zu verzichten. Letztlich kann in Grenchen nur so jemals wieder etwas fussballerisch Glänzendes entstehen.