Wären seine Eltern vor sechs Jahren nicht über ein Inserat gestolpert, würde Nico Meier heute vielleicht beim FC Solothurn auf Torejagd gehen, oder sich im Turnverein körperlich betätigen. Es kam anders. An jenem Tag 2006 sahen Sabine Egger und Bernhard Meier eine Annonce, darin boten die Solothurner Kajakfahrer einen Schupperkurs an. Sie zögerten nicht und machten sich mit ihrem Sohn auf den Weg ins Klubhaus.

Nico war vom ersten Moment an begeistert. Zunächst weniger wegen der schnittigen Sportgeräte, sondern mehr wegen der tollen Stimmung. Daran hat sich bis heute nichts geändert. «Ich schätze die kollegiale und sportliche Atmosphäre, die im Verein herrscht», sagt Nico Meier, mittlerweile Vize-SchweizerMeister bei den Junioren in der Disziplin Abfahrt.

16 Stunden Training pro Woche

Der zwischenmenschliche Aspekt ist für den 17-Jährigen, der an der Kantonsschule die Sportklasse besucht, nach wie vor von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig ist Meier zu einem der hoffnungsvollsten Kanutalente im Land herangereift. Das Palmarès ist von ansehnlicher Länge. Seine Fortschritte blieben auch bei «Swiss Canoe» nicht unbemerkt. Der Solothurner gehört bereits das zweite Jahr dem Nationalkader an, was ihm, wie er sagt, einen zusätzlichen Motivationsschub verliehen hat.

Rund 16 Stunden investiert Meier wöchentlich ins Training. Die Rückmeldung, wo er leistungsmässig steht, erhält er von Kristin Amstutz, ehemalige Nationaltrainerin beim Schweizerischen Kanuverband. Die Klubtrainerin der Solothurner Kajakfahrer betreut nach wie vor den Stützpunkt Solothurn und begleitet die Junioren an Grossanlässe. Amstutz schätzt vor allem die Vielseitigkeit und den Ehrgeiz ihres Schützlings. Trotz Schulterverletzung zu Beginn der Saison konnte er sich kontinuierlich steigern.

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Meiers Werdegang hat Melanie Mathys. Mit der frischgebackenen Junioren-Europameisterin absolviert er viele Einheiten auf dem Wasser. «Dank ihr hat es mir den Ärmel in den Kanusport überhaupt erst reingezogen.» Während Mathys ihre Karriere als Juniorin am vergangenen Wochenende beschloss, hat Meier noch ein Jahr im Nachwuchs vor sich. In dieser Zeit will er die Grundlage für den Übertritt in die Elite legen und sich die Qualifikation für die WM sichern. Was seine langfristigen Ziele betreffen, gibt sich Meier bedeckt. «Einfach voll Gas geben und Spass haben», lautet sein Credo.