Auf sportlichem Weg ist es der Schweiz im Volleyball noch nie gelungen, sich für eine EM oder WM zu qualifizieren. 2013 war das Frauen-Nationalteam als Gastgeber für die EM gesetzt. Für die kontinentalen Titelkämpfe in einem Jahr erhöhte der europäische Verband CEV das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 Nationen. Diese Chance wollen die Schweizer Auswahlen nutzen.

Insbesondere die Frauen dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf die EM-Teilnahme machen. In der Vierergruppe mit Kroatien, Österreich und Albanien qualifizieren sich die ersten zwei für die Endrunde. Auf dem Papier sind zumindest die Kroatinnen stärker einzuschätzen als die Schweizerinnen, haben sie doch seit der Aufstockung im Jahr 2007 von 12 auf 16 Teams keine EM mehr verpasst. «Albanien und Österreich liegen jedoch in unserer Reichweite – wobei die Österreicherinnen wohl die höhere Hürde sein werden», erklärte Nationaltrainer Timo Lippuner.

Timo Lippunker, hier noch als Headcoach von Sm'Aesch Pfeffingen, ist der Trainer der Frauen-Nationalmannschaft im Volleyball.

  

Deshalb dürfte das Startspiel der Schweizerinnen in Österreich für die Kampagne wegweisend sein. Der Kampf um Platz 2 wird womöglich erst im Januar entschieden, wenn es zum Abschluss der Qualifikation in der Schweiz erneut zum Nachbarduell kommt. Betreut werden die Österreicherinnen von Lippuners Vorgängerin Svetlana Ilic.

«Wir wollen an die EM»

Die Schweizerinnen haben viel investiert, damit es mit der EM-Teilnahme klappt. Seit Mitte Juli bereitet sich das Team intensiv auf die beiden Heim- und Auswärtsspiele in den nächsten elf Tagen vor. Deshalb sei für sie die Marschroute klar: «Wir wollen an die EM», so Lippuner.

Der Schweizer Headcoach wurde im Juni vom Nationalteam-Rücktritt von Tabea Daillard überrascht. Für die Libera rückte die erst 16-jährige Mathilde Engel ins 14-Frau-Kader nach. Zusammen mit Korina Perkovac (19) und Xenia Staffelbach (20) steht Engel vor ihrem Debüt im Nationaldress. «Wir sind nach wie vor ein junges, vergleichsweise unerfahrenes Team, und Konstanz ist unsere grosse Herausforderung», sagte Lippuner. Angeführt wird das Schweizer Team von Captain Laura Künzler. Die 21-jährige Aussenangreiferin spielt sei letzter Saison unter Lippuner bei Rote Rabe Vilsbiburg in der deutschen Bundesliga.

Laura Künzler, hier noch im Dress von Sm'Aesch Pfeffingen, führt das junge Schweizer Team als Captain an.

  

Männer in der Aussenseiter-Rolle

Anders präsentiert sich die Ausgangslage bei den Männern, die in der Vierergruppe mit der Ukraine, Mazedonien und Ungarn als Aussenseiter antreten. Die Schweizer haben in jüngster Vergangenheit aber bewiesen, dass ihnen diese Rolle durchaus liegt. Im Mai 2017 verpassten sie in der 2. Phase der WM-Qualifikation das Weiterkommen nur knapp. Mit drei Siegen, neun Punkten und Platz 3 übertraf das Team in der Sechsergruppe die eigenen Erwartungen deutlich.

Volley Schönenwerd (im Bild), Näfels und Luzern stellen die meisten Spieler für die Schweizer Nationalmannschaft.

  

«Im letzten Jahr haben wir bewiesen, dass wir mit hoch angesehenen Gegnern mithalten können. Wir besiegten sogar Kroatien, das in fast unveränderter Besetzung in diesem Jahr die European League gewonnen hat», sagte Nationaltrainer Mario Motta. Der Italiener, seit Februar 2017 im Amt, musste im Frühling neben den Rücktritten von einigen erfahrenen Kräften auch mehrere Absagen hinnehmen. Mit Sébastien Steigmeier fehlt dem Team, das zum grossen Teil aus Spielern der NLA-Klubs Näfels, Schönenwerd und Luzern besteht, einer der Eckpfeiler der vergangenen Jahre. Für die EM-Endrunde von September 2019 in Belgien, Frankreich, Slowenien und der Niederlande qualifizieren sich die sieben Gruppensieger und die besten fünf Zweitplatzierten.

Premiere in Schönenwerd

Entgegenkommen dürfte den Schweizern, dass sie in der Qualifikation erstmals seit sechs Jahren wieder vor heimischem Publikum antreten können. Swiss Volley trägt seine Heimspiele allesamt in Schönenwerd aus. Die im Januar eröffnete Arena ist eine reine Volleyball-Halle, die vom NLA-Klub Schönenwerd initiiert wurde. Sie dient sämtlichen Nationalteams von Swiss Volley als Trainingsstützpunkt und wird am Sonntag, 19. August, Schauplatz einer Premiere.

Die im Januar eröffnete «Betoncoupe Arena» in Schönenwerd ist am Sonntag, 19. August, Austragungsort für die EM-Qualispiele der Frauen- und Männer-Nationalmannschaft.

    

Erstmals in der Geschichte des Schweizer Volleyball-Verbandes tragen beide Nationalteams am gleichen Tag und am gleichen Ort ein EM-Qualifikationsspiel aus. Die Frauen spielen um 15.30 Uhr gegen Kroatien, die Männer drei Stunden später gegen Ungarn.