Swiss-League-Playoffs
Endlich ist der Affe weg – wie Luca Zanatta für den EHCO zum Helden wurde

Am Mittwoch hat der EHC Olten im vierten Playoff-Spiel gegen Langenthal den dritten Sieg geholt. Auch, weil der Oltner Verteidiger Zanatta sein Team in die Overtime schoss. Wie er für sein Team zum Helden wurde.

Marcel Kuchta
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Zanatta
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Luca Zanatta nimmt Mass, der Puck segelt zum viel umjubelten 2:2-Ausgleich im vierten Halbfinal ins Langenthaler Tor.
Zuerst ein Denkzettel, dann die Tore: Brian Ihnacak, Stan Horansky und Luca Zanatta (v.l.)
Jubel nach dem Spiel bei Luca Zanatta, Torhueter Simon Rytz (Olten) und dem Team

Zanatta

Freshfocus

Es gibt Geschichten, die, wenn man sie erfinden würde, schnell als kitschig bezeichnet würden. Zum Beispiel jene eines Eishockey-Spielers, der 51 Spiele lang seinem ersten Saisontreffer hinterherhechelt. Und dann im 52. Anlauf endlich trifft. Natürlich ist es dann auch noch ein unglaublich wichtiges Tor. Beispielsweise der späte Ausgleich in einem wegweisenden Playoff-Spiel.

Am Mittwoch wurde dieses kitschig anmutende Drehbuch im Oltner Kleinholz-Stadion tatsächlich zur Realität. Der Hauptdarsteller: Luca Zanatta. Verteidiger beim EHC Olten. Und in 51 Partien der laufenden Meisterschaft ohne ein einziges Törchen – als letzter Spieler, der in der laufenden Saison regelmässig für die Powermäuse im Einsatz gestanden ist. Bis zum vierten Halbfinal-Spiel musste sich der Italiener mit Schweizer Lizenz gedulden, ehe er – wie ein altes Englisches Sprichwort (to get the monkey off your back) besagt – den Affen von seinem Rücken vertreiben konnte und sein erstes Pflichtspieltor im Dress des EHC Olten erzielte.

«Ich bin so froh, dass dieses erste Tor gefallen ist. Es hätte zu keinem besseren Zeitpunkt passieren können», freute sich der 26-Jährige. In der Tat bedeutete Zanattas Treffer zum 2:2, etwas mehr als fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit, die grosse Erlösung für seine Mannschaft, die in der folgenden Verlängerung dann den so wichtigen, dritten Sieg unter Dach und Fach brachte.

«Es war wie verhext»

Nach dem zweiten Halbfinal-Duell gegen die Langenthaler, welches die Oberaargauer ihrerseits in der Verlängerung gewonnen hatten, war der italienische Nationalspieler noch der tragische Held gewesen, weil ausgerechnet er die beiden besten Oltner Chancen vergeben hatte. «Die hätte vermutlich noch meine Grossmutter gemacht. Ich konnte es nicht glauben», erinnert er sich mit ein paar Tagen Abstand lachend an jene Szenen, die ihn aber dennoch schier zum Verzweifeln brachten. «In der Saison-Vorbereitung habe ich noch getroffen. Danach war aber fertig. Es war wie verhext», erzählt Zanatta.

Immerhin: In jenen Momenten der Verzweiflung zeigte sich, wie gut der Zusammenhalt innerhalb der EHCO-Mannschaft inzwischen geworden ist. «Man hat 25 Teamkollegen, die dich nach so einem Spiel wieder aufbauen und dir Mut zusprechen. Das war grossartig.» Apropos grossartig: Wie es der Zufall wollte, sassen bei seiner EHCO-Torpremiere auch noch Verwandte aus Italien auf der Tribüne, die extra für dieses Spiel angereist waren. «Das machte den Treffer für mich nochmals spezieller», so Zanatta, der erzählt, dass familiäre Zusammentreffen während des Winters die Ausnahme sind. Seine beiden Brüder spielen in Italien bei Cortina Eishockey, sein Vater ist Assistenztrainer beim HK Sotschi in der russisch geprägten KHL.

Wer mit Luca Zanatta spricht, der bemerkt schnell, dass sich hier einer sehr viele Gedanken macht. «Nach einem Spiel wie jenem vom Mittwoch kann ich oft lange nicht einschlafen, weil ich fast nochmals die ganze Partie im Kopf Revue passieren lasse», erklärt der fliessend Englisch, Italienisch und auch ganz gut Deutsch sprechende Zanatta. Umso wichtiger sei es für ihn, wenn er auch mal den Kopf lüften könne zu Hause bei seiner Freundin. «Mir hilft es nur schon, wenn ich im Supermarkt einkaufen gehen kann», erzählt er lächelnd.

Den Job so schnell wie möglich erledigen

Schon heute Abend gilt sein Fokus aber nicht mehr dem eigenen Menueplan, sondern wieder voll und ganz dem SC Langenthal. Noch fehlt den Oltnern ein Sieg zum Finaleinzug. Aber der Gedanke, dass man nun drei Matchpucks hat, um den grossen Rivalen aus dem Oberaargau zu eliminieren, ist selbstredend Motivation genug. «Die Langenthaler stehen mit dem Rücken zur Wand. Jetzt liegt es an uns, den Job so schnell wie möglich zu erledigen. Am besten natürlich schon im fünften Spiel», betont Zanatta.

In welcher Formation die Oltner im Schoren auflaufen werden, wird Headcoach Chris Bartolone wie immer erst nach dem heutigen Warm-up entscheiden. Sicher mit dabei ist Luca Zanatta. Bereit, für weitere wunderbare Kapitel in diesem schon fast kitschigen EHCO-Playoff-Märchen zu sorgen.