Radsport
Ende nach 40 Jahren: Wer gewinnt bei der Derniere in Schwarzhäusern?

Morgen Ostermontag endet eine lange Tradition: Mit dem Rundstreckenrennen in Schwarzhäusern verschwindet, nach 40 Jahren, ein weiterer Anlass aus dem nationalen Rennkalender.

Michael Forster
Merken
Drucken
Teilen
Sechs Jahre ist es her, als Patrick Weber mit seinem Sieg im dichten Schneetreiben selbst seinen Teamchef Kurt Bürgi überraschte.hr. aeschbacher

Sechs Jahre ist es her, als Patrick Weber mit seinem Sieg im dichten Schneetreiben selbst seinen Teamchef Kurt Bürgi überraschte.hr. aeschbacher

Fabian Cancellara hat es als Anfänger und Junior viermal hintereinander gewonnen, Michael Schär ist zweimal als Sieger auf dem Treppchen gestanden, und auch Gilbert Glaus oder Daniel Gisiger können das Rundstreckenrennen in Schwarzhäusern in ihrem Palmarès aufführen. Prominente Namen haben die Veranstaltung im nahen Bernbiet seit 1975 geprägt – doch sie, und mit ihnen das ganze Rennen, werden mit der 40. und letzten Austragung der Vergangenheit angehören. Das Organisationskomitee um Präsident Peter Burkhard-Wynne hat nämlich beschlossen, die langjährige Tradition mit dem Jubiläumsrennen zu beschliessen. «Leider sind wir an einem Punkt angelangt, wo die Ressourcen fehlen, die Beteiligung der Fahrer stetig abnimmt und Ertrag und Aufwand nicht mehr übereinstimmen», fasst Burkhard die Lage des organisierenden RV Schwarzhäusern zusammen.

Vakanz in der Festwirtschaft

Die rückläufigen Teilnehmerzahlen, auch bedingt durch das Wegfallen der Junioren-Kategorie (wegen der gleichzeitig stattfindenden Tour du Léman), vor allem aber eine gewichtige Vakanz in der Festwirtschaft haben dem Anlass schliesslich den Gnadenstoss versetzt. «Das war in den letzten 20 Jahren sozusagen ein Familienunternehmen», so Burkhard, «da hingen rund zehn Personen mit drin.» Es sei nicht gelungen, für die wichtigste Einnahmequelle des Anlasses eine andere Lösung zu finden, obwohl man verschiedene Optionen geprüft habe. Hinzu kommt, «dass sich im OK praktisch alle im Pensionsalter befinden», so der Präsident, welcher (nicht als Einziger) seit der ersten Austragung mitwirkt.

Zur Rettung des Rundstreckenrennens sei beispielsweise die Gründung einer IG ins Auge gefasst worden, doch auch die umliegenden Vereine haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen, wie der RV Schwarzhäusern: Es fehlen junge initiative Mitglieder, um Veranstaltungen wie ein nationales Rennen aufrechterhalten zu können. Informiert über den Verlust des Traditionsanlasses ist auch der kantonale Verband, welcher in einer nächsten Sitzung darauf zu sprechen kommen will. Käme da allenfalls eine Zusammenarbeit zustande? «Das kann man vergessen», sieht Burkhard, der die Unterstürzung vonseiten des Vereins aber grundsätzlich zusichert, keine Hoffnung.

Viele Erinnerungen

Was bleibt, sind die Erinnerungen an die 40 Austragungen auf dem (nach den nationalen Richtlinien für ein Handicaprennen eigentlich viel zu kurzen) 3,15 km langen Rundkurs, die vielen bekannten Namen auf den Start- und Siegerlisten, aber auch die meteorologischen Kapriolen. «Beim Durchblättern der Unterlagen habe ich eine Rechnung gesehen mit Kosten für einen Schneepflug», erinnert sich Burkhard, «noch am Samstag lagen 20 cm Schnee auf der Strecke, zudem mussten wir das Festzeltdach räumen.» Der Ostermontag erwies sich immer wieder als nicht ganz optimaler, weil zu früher Zeitpunkt. So auch 2008, als Patrick Weber vom Bürgi Cycling Team die leicht verkürzte Version bei starkem Schneefall überraschend zu seinem ersten Elitesieg nutzte.

Bekannten Namen zum Schluss

Weniger turbulent dürfte die 40. und letzte Austragung morgen Montag in Szene gehen. Zwar sind auch am letzten Ostertag Niederschlägen nicht ausgeschlossen, jedoch bei relativ angenehmen Temperaturen. Mit Blick auf die Startliste steigt das formstarke EKZ Racing Team (unter anderem mit Vorjahressieger Théry Schir), welches an Rennen in Frankreich 2014 bereits mit diversen Topklassierungen aufgewartet hat, als Favorit ins Rennen. Am Start bei Derniere wird aber auch Lukas Flückiger stehen: Der Leimiswiler hält damit die Tradition der letzten Jahre aufrecht, dass immer wieder ganz starke Mountainbiker am Rundstreckenrennen von der Partie waren.