Eishockey

Eishockey-Torhüter Marco Mathis feierte bereits im November Weihnachten

Marco Mathis

Marco Mathis

Eishockey-Goalie Marco Mathis kommt Ende November ganz unverhofft zu seinem Nationalliga-Debüt. Quasi wie die Jungfrau zum Kind. «Es war ein verführtes Weihnachtsgeschenk», sagt Marco Mathis.

«Marco Mathis, ein Goalie im Abseits», titelten wir Anfang Oktober dieses Jahres. Der 22-jährige Davoser steht damals auf dem Abstellgleis, ist beim NLB-Klub Langenthal nur Goalie Nummer 3 und meilenweit von seinem grossen Traum – seinem ersten Nationalliga-Einsatz – entfernt. Im Gespräch wirkt er ziemlich ratlos. Eine gewisse Frustration ist spürbar. Aber ans Aufgeben seines Traumes denkt er nie.

«Ich versuche, mir nicht zu viele Gedanken zu machen. Denn es kann sehr schnell gehen», sagte Mathis damals. Der Bündner sollte mit dieser Aussage recht behalten. Plötzlich geht alles schnell, sehr schnell. In der Nationalmannschaftspause verlässt Marc Kern, Goalie Nummer 2, den SC Langenthal. So ist ein «Konkurrent» schon mal weg. Am 22. November gegen Basel sitzt Mathis erstmals in dieser Saison auf der Ersatzbank.

Und gleich kommt es knüppeldick: Stammgoalie Marc Eichmann verletzt sich, wird mit der Bahre abtransportiert und Marco Mathis kommt ganz unverhofft zu seinem Nationalliga-Debüt. Quasi wie die Jungfrau zum Kind. «Es war ein verführtes Weihnachtsgeschenk», sagt Marco Mathis.

17 Minuten dauerte die NLB-Premiere

Nur gerade 17 Minuten dauert seine NLB-Premiere. «Ich stand plötzlich im Tor und schon war die Partie vorbei – eine ganz spezielle Sache. Es war besser, dass ich so spontan ins Tor durfte, sonst hätte ich mich nur unter Druck gesetzt», erzählt er.

Er lässt übrigens keinen Puck rein. Aber noch nicht genug. Für den Stammgoalie des EHC Aarau – er spielt mit einer B-Lizenz bei Langenthal – folgen die schönsten vier Spiele seines Lebens. Er darf jedes Mal von Anfang an durchspielen. Zuerst die echte Premiere in La Chaux-de-Fonds, welche die Langenthaler 2:4 verlieren. «Das war im Nachhinein mein bestes Spiel. Ich war auf diesem Niveau jungfräulich und bin einfach ins Tor gestanden. Nach einer Niederlage war ich noch nie so zufrieden.»

Anschliessend feiert Mathis beim HC Ajoie den ersten NLB-Sieg – «ein geiles Feeling». Dann der grosse Auftritt beim Derby in Olten vor fast 5000 Zuschauern – der SCL verliert 4:5 in der Overtime. «Das war das bisher schönste Spiel meines Lebens. Es war einfach genial, obwohl ich mich zu stark unter Druck gesetzt habe. Ich wollte es allen zeigen.» Nach dem 1:3 gegen Visp ist vorläufig Schluss und der Davoser spielt wieder in der 1. Liga bei Aarau.

«Das habe ich immer erhofft und erträumt»

Marco Mathis strahlt und erzählt mit glänzenden Augen von den bewegenden Momenten. «Das habe ich mir immer erhofft und erträumt. Nun ging für mich dieser Traum in Erfüllung.»
An Schicksal glaube er nicht. «Nein, ich glaube daran, dass alles irgendwann im Leben zurückkommt. Sei es gut oder schlecht. Ich habe seit Jahren für diesen Nationalliga-Traum gearbeitet.» Aber nach seinen vier Einsätzen hat der SC Langenthal Routinier Marco Streit (36) als temporäre Nummer 1 geholt.

Die Verantwortlichen wollten Mathis nicht verheizen, ihm die nötige Ruhe gönnen, weil er ja gleich bei zwei Vereinen spielt. «Im ersten Moment war ich schon etwas enttäuscht. Aber ich habe natürlich noch nicht die gleiche Ausstrahlung wie ein Eichmann oder ein Streit.»

Aber die Hauptsache für den 22-Jährigen: «Ich durfte mich zeigen. Sie wussten ja nicht, wie ich in der NLB spiele. Das ist mir immer im Weg gestanden.» Er habe immer an seine Chance geglaubt. «Das musste ich ja. Sonst hätte ich nicht jeden morgen aufstehen können und wäre zum Training gefahren.» Im neuen Jahr hofft und träumt Marco Mathis noch «vom einen oder anderen NLB-Einsatz». Eine schöne Geschichte, eine Geschichte passend zu Weihnachten. Und diese feiert er zu Hause in Davos.

Erstmals seit dem letzten Juli reist er wieder ins Bündnerland zu seinen Eltern und seinen zwei Geschwistern. «Wir werden ein Fondue chinoise essen und gemütlich beisammen sein.» Ein wenig Gemütlichkeit kann der Vielspieler nämlich sehr gut gebrauchen.

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