Eishockey
Einen Gang tiefer schalten braucht seine Zeit

Nach sechs NLB-Saisons verteidigt Dominic Lüthi (25) seit dieser Saison für Zuchwil Regio in der 1. Liga. Er will neben dem Sport seine Ausbildung nicht vernachlässigen. Die Umstellung auf die tiefere Liga war gar nicht so einfach.

Michael Schenk
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Der Stock verbeugt sich noch immer vor Dominic Lüthi.

Der Stock verbeugt sich noch immer vor Dominic Lüthi.

boss

Nicht einmal zwei Gegentreffer hat der EHC Zuchwil Regio im Verlauf der 22 Qualifikationsspiele durchschnittlich kassiert. Die Abwehr mit Goalie Simon Pfister ist das Prunkstück des überragenden Teams der Zentralschweizer 1.-Liga-Gruppe. «Unser Goalie ist wirklich ein Glücksgriff», hält Dominic Lüthi fest. Der 25-jährige Verteidiger freilich ist selbst auch «schuld», dass die Solothurner Defensive in Würde und Glanz erstrahlt. Lüthi stand in den letzten Jahren je zwei Saisons bei Olten, Basel und Langenthal unter Vertrag, ehe er sich auf diese Saison hin überraschend für die 1. Liga und den EHC Zuchwil Regio entschieden hat. Notabene trotz diverser Offerten aus der NLB. «Es war kein Entscheid gegen Olten oder die NLB, sondern ein Entscheid für die Ausbildung», hält der Top-«Back» des zweifachen Amateurmeisters fest. Lüthi besucht in Bern die Pädagogische Hochschule und lässt sich da zum Sek-Lehrer ausbilden. «Wenn alles klappt, bin ich in drei, vier Jahren fertig», sagt er.

Ambitionen auf dem Golfplatz

Nachdem das Eishockey zuletzt Lüthis Leben bestimmt hat, ist es in der 1. Liga zum intensiven Hobby geworden. «Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass es mich im Verlauf der Saison nie gewurmt hätte, nicht mehr in der NLB zu sein», gibt er zu. Schliesslich spielen viele seiner Kollegen noch immer in der zweithöchsten nationalen Liga. Die Umstellung vom täglichen Training hin zu zwei Trainingseinheiten und zwei Spielen wöchentlich haben den Ex-Profi in den letzten Monaten durchaus vor eine Herausforderung gestellt. «Man hat nicht mehr so viel Zeit, um vor dem Match ein gutes Gefühl zu entwickeln», sagt er. Und: «Der Trainings-Spiel-Rhythmus hat sich deutlich abgeschwächt.»

Dem Streben und der Hingabe nach Performance sind in der 1. Liga nun mal engere Grenzen gesetzt als in der NLB – der persönliche Wettkampfmodus ist durch die Gegebenheit gedrosselt. Einen Teil seines gezwungenermassen gezügelten Ehrgeizes kann der Berner indessen auf dem Golfplatz ausgleichen, wo er bald in die erlesene Gilde der Single-Handicaper (derzeit noch 11) aufsteigen will.

Keine Globi-Truppe

Da der EHC Zuchwil Regio indes vergleichsweise sehr professionell geführt wird, war der Sprung für einen voll im Saft stehenden NLB-Spieler wie Lüthi hin in die 1. Liga nicht gar so gross. «Zuchu» ist schliesslich keine Fidirallala-Truppe. Trainer und Staff sorgen – etwa mit profilierten Video-Analysen, einheitlicher Kleidung, minutiöser Match- und -Nachbereitung – für eine Art amateurprofessionellen NLB-«light»-Betrieb. Präsident Walter Ulrich führt auf operativer Ebene ambitioniert und zielstrebig, sodass alle spüren, dass bei Zuchwil Regio nicht das Bier danach, sondern der Sport davor zentral ist. Insofern hat sich Lüthi mit der für ihn inzwischen etwas gemächlicheren Gangart auf Amateur-Stufe «gut zurechtgefunden». Wobei «gemächlicher nicht gemütlicher heisst», betont er.

Achtung vor teuren Gratisgängen

Eine einzige Niederlage nach 60 Minuten (1:4 gegen Lyss), eine Niederlage nach Penaltyschiessen gegen Unterseen und ein Sieg nach Penaltyschiessen gegen Aarau – ansonsten nur blanke Siege, so überragend hat sich Zuchwil Region im Verlauf der Qualifikation geschlagen und dabei mit 60 Punkten noch gleich einen Rekord aufgestellt. Die heute beginnende Masterround nimmt das Team von Coach Stefan Gerber ergo mit satten sieben Punkten Vorsprung (halbe Punkte aus der Qualifikation) auf Lyss, Burgdorf und Wiki-Münsingen in Angriff.

Alles andere als ein Durchmarsch im Verlauf der nächsten Wochen bis hin zu den Spielen um den Amateur-Schweizer-Meistertitel gegen die Sieger aus der Ost- und Westgruppe würde bis auf den Jupiter verblüffen. Lüthi: «Für mich ist der Amateur-Meistertitel klar das Ziel.» «Doch», schränkt der Abwehrchef ein, «hohe Erwartungen bergen auch immer das Risiko, tief zu fallen. Darum ist es sehr wichtig, dass wir in jedem Spiel die bestmögliche Leistung abrufen.» Lob hat der NLB-Veteran in diesem Sinn vorab für seine Trainer auf Lager, «die sehr viel Wert darauf legen, dass wir jedem Gegner den gleichen Respekt entgegenbringen». Vermeintliche Gratisgänge könnten ansonsten sehr schnell sehr teuren Erleuchtungen weichen.